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Ein kleiner Streifzug durch die Netzwelt

Kolumne: Batke dichtet – Wer sich im Internet tummelt, ist vor Werbung nicht sicher. Die fällt aber aller Algorithmen zum Trotz nicht immer passgenau aus.

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Mit ein wenig Verwunderung rieb ich mir dieser Tage die Augen, als ich am PC die Startseite eines bekannten Nachrichtenportals aufrief. Es sollte wohl passgenaue Werbung sein, die da zwischen dem sozialdemokratischen Höhenflug, dem Liechtenstein-Zauber der Nationalelf, der Tragödie um Afghanistan und dem arroganten Bahnverkehr-Bremser Weselsky aufploppte. "Jetzt Tickets sichern" sprang es mir vom Bildschirm entgegen und angepriesen wurde das "Vechta Open Air" auf dem Stoppelmarkt mit Sarah Connor und Querdenker-Ikone Nena am 17. Juli 2021.

Wer Fahrräder liebt, liebt auch Motorräder?

Knapp daneben, der Kelch ist noch einmal am Oldenburger Münsterland vorbeigegangen. Da ist ein Programmierer wohl aus dem Algorithmus gekommen. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu begreifen, dass unser täglich Wirken am Computer von unsichtbaren Mächten messerscharf analysiert wird, wie das nachfolgende Beispiel verdeutlichen mag. Gelegentlich begebe ich mich im Netz auf die Suche nach originellen T-Shirts, manchmal entdeckt man ja das eine oder andere interessante Stück. Beliebt sind derzeit Motive mit Fahrrädern. Aber wer Fahrräder liebt, so dachte sich mein digitaler Spitzel wohl, liebt auch Motorräder, und so tauchten im nächsten unbestellten Werbeblock Shirts mit Harley- und Ducati-Motiven auf.

Möglicherweise war es ein Fehler, hier zu neugierig zu sein, denn wenig später erschien unaufgefordert eine Galerie mit Trikotagen der Hells Angels. Der Weg vom Fahrradfahrer zum Rocker ist also nicht weit – zumindest im Netz. Überhaupt gibt mir die Cyberwelt mehr Rätsel auf als sie löst. Dazu diese Anekdote: Ich muss einräumen, dass ich das Privileg genieße, bekocht zu werden. Ich selbst bin am Herd eher Kreisklasse, und auch da nur Ersatzbank. So werde ich gelegentlich von meiner Frau gefragt, wonach mir essensmäßig der Sinn steht. "Wie wär's denn wieder mal mit einem Auflauf?", antwortete ich letzte Woche.

"Die digitale Durchleuchtung macht natürlich auch vor Facebook nicht Halt."Alfons Batke

Keine Frage – wir wurden abgehört. Denn als meine Frau ihr iPad aufklappte, sprang ihr gleich eine Nachricht von "Chefkoch de." entgegen. Aufgelaufen waren 19.589 Rezepte, wohlgemerkt nur für die Spezies Auflauf. Angeführt wurde die Liste von "Gyros-Nudelauflauf in Metaxasauce" und "Gnocchi-Spinat-Auflauf mit Hühnchen und Curry". Das Netz deckt den Tisch! Die digitale Durchleuchtung macht natürlich auch vor Facebook nicht Halt. Ich bin da eher defensiv unterwegs, vor Belästigungen aber nicht gefeit.

Mit der Begründung, dass ich mich offensichtlich für "Cracks und Sport" interessiere, wurde mir die Mitgliedschaft in der Gruppe "UFO-Phänomene und Quantenphysik" angetragen. Ich hielt das für einen Scherz, klickte aber trotzdem kurz. Und schon warb die Gruppe "Physik, Chemie und Geowissenschaften" um mich. Da hätten die Netzwerker etwas gründlicher recherchieren, vielleicht meinen schulischen Hintergrund ausleuchten müssen: Denn in Chemie, vor allem aber in Mathe und Physik, erntete ich bei meinen Lehrern in schöner Regelmäßigkeit notentechnisch einen Shitstorm. "Bodenlos", wie einer der Pädagogen damals mit roter Tinte anmerkte. Nicht mal Kreisklasse!


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 65-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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