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Ein klägliches Zubrot

Thema: Mindestlohn steigt 2021 um 25 Cent

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Hinter den Kulissen muss es richtig hoch hergegangen sein, im Ergebnis bedauerlicherweise zum Leidwesen von mindestens zwei Millionen Niedriglöhnern, die zunächst nur unwesentlich profitieren werden. Darum geht es konkret: Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland soll bis Mitte des Jahres 2022 von aktuell 9,35 auf dann 10,45 Euro steigen. Spürbar wird der Anstieg für die Betroffenen allerdings erst in zwei Jahren. Vorher gibt es nur Kleckerbeträge, bis Januar 2022 ganze 25 Cent je Stunde mehr als jetzt.

Das hat die zuständige Mindestlohn-Kommission gestern empfohlen. Zuvor war innerhalb des Gremiums lange gestritten worden. Grund: Das Arbeitgeberlager meinte, die Wirtschaft sei aktuell wegen der Corona-Pandemie bereits über Gebühr belastet. Daher wurde selbst ein moderater Anstieg ab 2021 um den durchschnittlichen Gehaltszuwachs (5,4 Prozent) abgelehnt. Andernfalls seien Jobs in Gefahr.

Die Arbeitnehmerseite strebte dagegen einen Mindestlohn in Höhe von zwölf Euro je Stunde an. Völlig zu Recht. Und zwar darum: Der aktuelle Mindestlohn entspricht – bei einer 40-Stunden-Woche – einem Monatsgehalt von 1621 Euro brutto. Das reicht nicht zum Leben, ist eine Frechheit für einen Vollzeitjob in einem wohlhabenden Land und zeigt, welch niedrigen Wert die geleistete Arbeit hat. Das klägliche Zubrot im nächsten Jahr bestätigt diese These.

Wie es besser geht, hat gestern übrigens der Bio-Lebensmittelhersteller Alnatura vorgemacht: Das Unternehmen erhöht den internen Mindestlohn von jetzt schon zwölf auf 13 Euro. Respekt. Geht doch.

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