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Ein Jahr Waldkindergarten: Das haben die Kinder in "Florians Entdeckerland" erlebt

15 Kinder erleben in Bösel an der Florianshütte mit ihren Erzieherinnen jeden Tag die volle Bandbreite der Natur. Das bringt nur Vorteile mit sich, findet Kindheitspädagogin Wiebke Thoben.

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Sandkasten im Grünen: Den kleinen Entdeckern gefällt es im Wald sehr gut. Foto: Hahn

Sandkasten im Grünen: Den kleinen Entdeckern gefällt es im Wald sehr gut. Foto: Hahn

"Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung" – diese Redewendung könnte das Motto der Waldkindergarten-Gruppe in Bösel sein. "Florians Entdeckerland" gibt es bald seit einem Jahr und die Kinder und Erzieherinnen haben sich gut eingelebt.

Morgens bringen die Eltern ihren Nachwuchs in den Heideweg – mit im Gepäck ein Rucksack voller Ausrüstung: Regenjacke, Sonnencreme, Hut, Mückenspray ... Die kleinen Entdecker sind für Wind und Wetter bestens gerüstet. Nur im Notfall geht es bei starkem Unwetter in die Kindertagesstätte St. Anna, zu der die Waldgruppe gehört.

Ein kompletter Tag in der Natur bringe nur Vorteile mit sich, erzählt Kindheitspädagogin Wiebke Thoben. "Wir erleben den Wald hautnah, bei allen Jahreszeiten. Wir sehen, wann die Frösche anfangen zu quaken, zu laichen und sich wieder verstecken." Dafür werden mehrere Plätze rund um die Florianshütte genutzt, beispielsweise eine Kuhle und ein Tipi. "Am Anfang mussten wir die Regeln klarstellen", erklärt Thoben. Das Areal sei zwar groß, aber die Kinder wüssten mittlerweile ganz genau, wo sie spielen dürfen.

Florians Entdecker sind im Wald nicht abgeschnitten von der Außenwelt

Die Kooperation mit der Böseler Feuerwehr konnte wegen der Corona-Pandemie noch nicht richtig Fahrt aufnehmen, aber in Zukunft sind gemeinsame Aktionen geplant. Auch wenn am Hauptstandort von St. Anna etwas Besonderes los ist, ist die Waldgruppe vor Ort. Abgeschnitten von der Außenwelt sind Florians Entdecker also nicht.

Im Gegenteil: Viele Böseler nutzen die Natur rund um den Teich weiterhin als Jogging- oder Spaziergangstrecke. "Die Leute sind neugierig und die Kinder kennen das. Man kennt und freut sich." Einmal habe eine Gruppe extra eine Radtour zum Wald unternommen, berichtet Heilpädagogin Kerstin Kürschner.

Die Kinder nutzen ihre Fantasie und Sprache

Gemeinsam mit der Auszubildenden Marianne Willenborg betreuen Thoben und Kürschner von 7.30 bis 13 Uhr 15 Kinder ab 3 Jahren. Das seien 10 Kinder weniger als in einer Regelgruppe, betont Thoben. Die kleinere Gruppengröße bringe eine andere Dynamik mit sich, berichtet sie. "Die Kinder spielen auch mal alle zusammen." Zudem schlucke der Wald einiges an Lautstärke, das sei ein Vorteil.

In der Natur sei alles da, was die kleinen Abenteurer brauchen. Die Kinder kommen vor allem mithilfe ihrer eigenen Fantasie und Sprache ins gemeinsame Spielen, erklärt Thoben. „Es gibt wenig fertiges Material, so hat die Kreativität ihren Raum.“ Für kalte Tage gibt es eine Feuerstelle vor Ort. Wenn es nach den Kindern geht, könne es aber viel mehr regnen. Denn dann wird der Regen in Eimern gesammelt.

„Das hier ist unser eigenes Bullerbü.“Wiebke Thoben, Kindheitspädagogin

Die Arbeit sei situativ, schildert Thoben, die meisten Projekte würden sich aus der Umgebung ohne viel Planung ergeben. Das aktuelle Thema sei Wachsen, die Kinder konnten auch schon Vögel beim Nisten beobachten. "Die Kinder erleben das selbst, was sie sonst in einem Buch lesen würden", sagt Thoben. Aber auch an Büchern, Papier, Stiften und Scheren mangelt es nicht.

"Das hier ist unser eigenes Bullerbü", schwärmt Thoben, die selber gerne draußen ist und sich für die Eröffnung eingesetzt hatte. Ihre Schilderungen strotzen vor Idylle: "Wir frühstücken in der Sonne, um uns herum das Vogelgezwitscher und kein Telefon, das klingelt." Auf die Frage, wie sie den Kindergarten im Wald findet, antwortet die 3-jährige Anni: "Eigentlich normal."


Fakten:

  • Die hölzerne Florianshütte wurde in den 70er Jahren von der Böseler Feuerwehr errichtet und diente zunächst als Schutzhütte und später als Ort für Feten und Zeltlager.
  • 2014 gründete die Wehr den Verein „St. Florian, der den Standort dem Waldkindergarten zur Verfügung stellt.

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