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Ein Hoch auf Josef

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Die Rolle Josefs hat in den meisten Erzählungen nur wenig Bedeutung. Dabei steht er - wenn auch im Hintergrund -für Verlässlichkeit und Pflichtbewusstsein.

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Weihnachten naht. Gehören Sie zu denen, für die Weihnachten noch an die Geburt Jesu erinnert? Die darum keinen Rentierschlitten aufstellen, sondern eine Krippe? Wenn ja, dann schauen Sie, wenn Sie Ihre Krippenfiguren hervorholen, doch einmal auf Josef. Der wird nur selten beachtet, in den meisten gemalten oder geschnitzten Krippen sieht er buchstäblich alt aus. Nicht wie der Ehemann einer jungen Frau, sondern eher wie der Vater der Maria oder wie ein guter Onkel. Sollte so die dogmatisch festgelegte immerwährende Jungfräulichkeit Mariens glaubwürdiger erscheinen?

Von der Jungfrauengeburt erzählen die Weihnachtsgeschichten der Bibel durchaus, sie greifen damit ein viel älteres Bild auf für die Einsicht, dass dieses Neugeborene nicht Ergebnis menschlicher Anstrengung und Entwicklung ist, sondern ein Geschenk des Himmels. Irgendwie gilt das ja für jedes Kind. Für jedes Gottvertrauen. Jede Liebe. Geschenkt, nicht verdient oder erarbeitet.

Aber auch die Evangelisten, die von diesem Wunderzeichen erzählen, geben nicht den geringsten Anlass zur Vermutung, Josef sei ein alter Mann gewesen, dessen „eheliche Pflichten“ in einer „Josefsehe“ nur in der Versorgung von Mutter und Kind bestanden hätten.
Nur zwei der vier Evangelien erzählen von Jesu Geburt. Lukas hat das klassische Weihnachtsevangelium aufgeschrieben, mit Volkszählung und Stall von Bethlehem, mit Hirten auf dem Feld und Engelchören. In seiner Geschichte ist Maria die Hauptperson. Zu ihr kommt der Engel – wie vorher zu dem alten Priester Zacharias. Während aber der alte Würdenträger nicht an neues Leben glaubt und verstummt, lässt Maria sich auf das Abenteuer ein. So, erzählt Lukas, kommt die neue Gotteswahrheit durch die Kleinen und Geringgeschätzten, während die Hochwürdigen nur noch für die Vergangenheit stehen.

"Wer seine Krone spürt wie Josef, und sich deshalb nicht aufblähen muss, der kann unauffällig und verlässlich seinen Dienst tun."Dr. Heinrich Dickerhoff

Das Matthäus-Evangelium erzählt eine andere Weihnachtsgeschichte, von Sterndeutern aus dem Morgenland und vom bösen König Herodes. Dort ist Josef die Hauptperson. Er verdient seinen Lebensunterhalt als Handwerker, doch ist er ein Nachkomme Davids, er stammt aus dem alten echten Königshaus. Als anständiger Mann will er sich ohne Skandal und Vorwürfe von seiner Verlobten trennen, die schwanger ist, aber nicht von ihm. Da erinnert ihn ein Engel-Traum an seine Königswürde. An die königliche Aufgabe, das Leben zu schützen. Und Josef, der wache Träumer, nimmt diese Aufgabe an.

Sein Gegenspieler ist Herodes. Der sitzt zwar auf dem Thron, aber er hat nichts Königliches. Und wie alle ungerechten Machthaber damals wie heute, will er alles vernichten, von dem er sich bedroht fühlt, und wird zum Kindermörder.
Josef und Herodes sind nicht nur Gestalten der Vergangenheit und Weltgeschichte. Beide stehen auch für Lebenshaltungen. Wer seine Krone spürt wie Josef und sich deshalb nicht aufblähen muss, der kann unauffällig und verlässlich seinen Dienst tun. Wer um seine Macht fürchtet und um seinen Status, wird oft gemein wie Herodes und manchmal sogar gemeingefährlich.

Der Josef unserer Krippe war ein alter gebeugter Mann. Wir haben ihn vor Jahren ausgetauscht gegen einen jungen aufrechten König. Ich hoffe, ich kann manchmal etwas von dem leben, wofür er steht. Darum: Ein Hoch auf Josef!


Zur Person:

  • Heinrich Dickerhoff ist Akademiedirektor in Rente, Hausmann und arbeitet als freiberuflicher Dozent.
  • Er wohnt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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