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Ehemalige Vechtaer Stipendiatin Felista Tangi erhält Preis für Menschenrechte

Sie wird ausgezeichnet für den Aufbau einer gewaltfreien Schule in Tansania. Schon im Rahmen ihrer Promotion in der Kreisstadt forschte sie zu dem Thema.

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Setzt sich für Schülerinnen und Schüler ein: Dr. Schwester Felista Tangi. Sie untersuchte, wie sich angewandte Gewalt auf die Jugendlichen auswirkt. Foto: Universität Vechta

Setzt sich für Schülerinnen und Schüler ein: Dr. Schwester Felista Tangi. Sie untersuchte, wie sich angewandte Gewalt auf die Jugendlichen auswirkt. Foto: Universität Vechta

Die frühere Vechtaer Promotionsstipendiatin Dr. Schwester Felista Tangi erhält den Shalompreis 2021 für den Aufbau einer inklusiven gewaltfreien Schule in Nyashishi, Tansania, und ihre Arbeit gegen Körperstrafen und Misshandlung von Schülerinnen und Schülern. Das hat die Universität Vechta am Mittwoch bekannt gegeben.

Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise Deutschlands. Das Preisgeld betrug 2020 32.000 Euro und wird ausschließlich aus Spenden zusammengetragen. Es fließt direkt in Projekte, die die Preisträgerinnen und Preisträger vorschlagen. Im Rahmen ihrer Promotion hatte Schwester Felista Tangi untersucht, wie sich angewandte Gewalt in der Schule auf die Motivation und die Leistung von Schülerinnen und Schülern auswirkt.

Prof. Dr. Margit Stein, Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Universität Vechta, erinnert sich an die ersten Gespräche mit Felista Tangi. „2012 trat sie an mich heran mit dem Wunsch, sich in ihrer Promotion mit den Auswirkungen der Gewalt zu befassen, denen Kinder und Jugendliche in der Schule ausgesetzt sind. Immer wieder schilderte sie in unserem ersten Gespräch sichtlich bewegt, dass jedes Jahr in Tansania Kinder infolge von Gewalt durch Lehrkräfte umkommen und sie ihren Beitrag leisten möchte, um Schulen in Tansania kindgerechter zu gestalten.“

Felista Tangis Ziel ist es, die Gewalt zu beenden

Im Rahmen ihrer Studie habe die Promovendin unter anderem festgestellt, dass die Gewalt in den Schulen noch stärker als etwa die Armut der Eltern geworden sei. Daneben fand sie auch heraus, dass die weiten Schulwege Kinder dazu bringe, von der Schule fernzubleiben oder diese vorzeitig abzubrechen. In Schulen, in denen besonders stark misshandelt werde, brächen die Leistungen der Schülerinnen und Schüler stärker ein. Dennoch werde das Problem von den Behörden und Eltern oftmals verharmlost und Körperstrafen als notwendiges Mittel der Leistungssteigerung und Disziplinierung angesehen.

Basierend auf ihren Erkenntnissen, habe Felista Tangi zusammen mit Mitschwestern eine gewaltfreie und inklusiv arbeitende Schule in Nyashishi, Tansania,  gegründet. „Felistas Wunsch, die Gewalt zu beenden, erschöpfte sich nicht in ihrer wissenschaftlichen Untersuchung des Gewaltausmaßes, sondern bewegte sie, ihre Forschung mit der Gründung einer kindzentrierten Schule auch zur Anwendung zu bringen“, berichtet ihre Promotionsbetreuerin Margit Stein.

Material der Uni Vechta kommt in Tansania zum Einsatz

Die Schule mit angeschlossenem Internat sei vor allem für Kinder aus primär ländlichen Gegenden, verwaiste und Kinder aus finanzschwachen Familien konzipiert, die besonders häufig von Schulabbrüchen und Gewalt betroffen seien. Insgesamt 20 Prozent der Schulplätze seien Kindern mit Inklusionsbedarf vorbehalten.

Besonders fördere die Schule Kinder mit Albinismus, die in der ländlichen Provinz Mwanza oftmals als verhext angesehen würden und von massiver Gewalt bis hin zu Morden bedroht sind. Zudem ist Felista Tangi nach Angaben der Uni Vechta seit ihrer Rückkehr nach Tansania als Expertin mit Workshops in Schulen im ganzen Land unterwegs, um Lehrkräfte darin zu unterstützen, gewaltfrei, kindgerecht und inklusiv zu arbeiten. Felista Tangi stütze sich dabei grundsätzlich auf Material, das von Prof. Dr. Margit Stein und Prof. Dr. Daniela Steenkamp an der Universität Vechta entwickelt wurde.


Hintergrund

  • Der Arbeitskreis Shalom wurde 1981 gegründet.
  • Ziel des Arbeitskreises ist es, laut eigenen Angaben, einen Beitrag zur Wahrung der Menschenrechte und des weltweiten Friedens zu leisten.
  • Jedes Jahr rückt dabei ein Land oder eine Region in den Mittelpunkt. Dieses Jahr ist es Tansania.
  • Neben Sr. Dr. Felista Tangi wird auch ein weiteres Projekt in Tansania ausgezeichnet.

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