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Dumm für Bauwillige: Erschließungskosten schießen förmlich durch die Decke

In Lastrup sind erneut mehr als 100 Grundstücke geplant. Die Nachfrage hält weiter an. Um ihre B��rger mit schnellem Internet zu versorgen, setzt die Verwaltung auf den Richtfunk.

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Teure Ausgaben: Die Gemeinde Lastrup muss immer mehr Geld in Erschließungsmaßnahmen investieren. Das könnte auch zum Anstieg der Grundstückspreise führen. Foto: Meyer

Teure Ausgaben: Die Gemeinde Lastrup muss immer mehr Geld in Erschließungsmaßnahmen investieren. Das könnte auch zum Anstieg der Grundstückspreise führen. Foto: Meyer

Der Ausschuss für Wirtschaft, Planung, Verkehr und Umwelt der Gemeinde hat die Bauleitplanung für ein weiteres Baugebiet in Lastrup auf den Weg gebracht. Es ist insgesamt elf Hektar groß und verteilt sich auf Flächen zu beiden Seiten der Hammeler Straße.

Die Verwaltung hatte das neue Projekt eigentlich bereits Ende vergangenen Jahres auf den Weg bringen wollen, war damit aber im Ausschuss zunächst abgeblitzt. Dieser sah erhöhten Beratungsbedarf und gab das Thema an die Fraktionen zurück. Am Montagabend stimmte das Gremium den Vorschlägen zu. In dem Baugebiet „Zwischen den Wegen“ sollen 115 Bauplätze entstehen. Zuvor müssen jedoch der bestehende Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

Heiddresch: Dritter Bauabschnitt wird bald vermarktet

Bürgermeister Michael Kramer nannte die Planungen „bedarfsgerecht“. Die Nachfrage nach Baugrundstücken sei „riesig“. Die Verwaltung könne sich vor Bewerbungen nicht retten. So soll im angrenzenden Baugebiet „Heiddresch“ im Frühjahr mit der Erschließung  und Vermarktung des dritten Bauabschnitts begonnen werden. Mit dem neuen Vorhaben werde der Ort Lastrup in westlicher Richtung „abgerundet“. Über die Grundstückspreise machte Kramer keine Angaben. Er wies aber darauf hin, dass vor allem die Erschließungskosten in der Vergangenheit förmlich „durch die Decke gegangen“ seien. „Sie machen inzwischen rund zwei Drittel des Kaufpreises aus“.

Das dürfte auch für die 22 neuen Bauplätze zutreffen, die die Gemeinde in Hemmelte schaffen wird. Ihretwegen waren zahlreiche Anlieger als Zuhörer zur Sitzung erschienen. Ihnen liegt vor allem eine erwartbare Zunahme der Verkehrsbelastung im Bereich der Jasmin- und Lupinenstraße im Magen, wie Ratsherr Jürgen Ostendorf (SPD) erläuterte. Die Verwaltung schlägt als Kompromiss eine Zweiteilung der Verkehrsführung aus dem neuen Wohngebiet vor. Der Bebauungsplan wird demnächst öffentlich ausgelegt. Anlieger haben dann die Möglichkeit, ihre Bedenken und Anregungen in das Verfahren einzubringen.

Neue Bauplätze auch in Kneheim

2020 hatte die Gemeinde eine 2,2 Hektar große Ackerfläche in Kneheim gekauft. Zwischen den Straßen Tollskamp und Himmelriek wird sie demnächst 23 Bauplätze anbieten. Ursprünglich waren 25 Grundstücke vorgesehen. Weil die Untere Wasserbehörde den Bau eines Regenrückhaltebeckens vorschreibt, fallen jedoch zwei davon weg. Die Straße Himmelriek wird außerdem verbreitert. Der Ausschuss sprach sich einstimmig für die Aufstellung des Bebauungsplans aus.  

Das Gremium setzte sich zudem mit zwei Projekten in Lastrup auseinander. Es stimmte zum einen dem Bau einer Betriebsleiterwohnung an der Brinkstraße zu. Der Bauherr muss dafür auf eigene Kosten ein bestehendes Regenrückhaltebecken verlegen. Nach längerer Diskussion sprachen sich die Mitglieder auch dafür aus, dass das neue Wohnhaus zweigeschossig gebaut werden darf. Unweit davon, auf einer Freifläche zwischen der Wallstraße und der Fritz-Reuter-Straße, laufen ebenfalls Vorbereitungen für eine bauliche Entwicklung. Entlang der Fritz-Reuter Straße, sowie im nördlichen Teil soll jeweils ein neues Mischgebiet genehmigt werden. Dazwischen wird ein Regenrückhaltebecken geplant, das bis zu 3300 Kubikmeter Wasser aufnehmen kann.

Michael Kramer berichtete auch über die Bemühungen, die Haushalte in der Gemeinde per Richtfunk flächendeckend mit schnellem Internet zu versorgen. Er führt zurzeit entsprechende Gespräche mit der emsländischen ETN Group. Sie hat sich bereit erklärt, an sechs Standorten auf eigene Kosten Masten zu errichten, von denen aus das Gemeindegebiet komplett abgedeckt werden kann.

"Wir können jetzt zugreifen oder uns hinten anstellen."Michael Kramer, Bürgermeister

Als mögliche Standorte für die rund 60 Meter hohen Gittermasten wurden Groß Roscharden, Schnelten, Kneheim, Hemmelte, der Großraum Norwegen sowie der Lastruper Bauhof ins Auge gefasst. Ob ein Mast tatsächlich aufgestellt werde, hänge von der Akzeptanz ab, erklärte Kramer und warb zugleich für das Projekt. Es sei eine sinnvolle Ergänzung zum Breitbandausbau, der seit Jahren stocke. „Der Richtfunk ermöglicht praktisch an jeder Milchkanne hohe Netzgeschwindigkeiten“, so der Bürgermeister.

Außerdem würde er dazu beitragen, die „weißen Flecken“ beim Mobilfunk verschwinden zu lassen. Denn auch Mobilnetzbetreiber dürfen die Masten gegen ein Entgelt nutzen. Im Ein-Kilometer-Radius um einen Mast sei sogar der 5-G-Standard möglich, weshalb die Standorte nah an die Wohnsiedlungen heranrücken sollen. Dass dies nicht jedem gefalle, sei ihm klar, betonte Kramer. „Es ist ein Angebot. Wir können zugreifen oder uns hinten anstellen.“ 

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