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Drogen lagerten im gemieteten Kellerraum

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Die Untersuchungshaft hat den Angeklagten nachdenklich gemacht. Der Lohner (25) erklärte folglich genau, wie er seinen illegalen Nebenerwerb organisiert hatte.

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Der Plan war nicht schlecht, nur war er nicht zu Ende gedacht: Ein Lohner (25) lagerte in einem gemieteten Kellerraum an der Brandstraße 2.348 Gramm Marihuana. Die Drogen waren nicht für „Einzelkäufer“, sondern für Zwischenhändler abgepackt.

Nachbarn war aufgefallen, dass vor dem Haus mehrfach Leute warteten. Sie informierten die Polizei. Die wartete auch – bis der Mann kam, der einen Schlüssel für das Haus und für den Kellerraum hatte. Die Beamten nahmen den 25-Jährigen fest, beschlagnahmten die „Ware“, dazu Utensilien wie Feinwaage, Handys und erklärten das „Geschäft“ für erledigt. Vor dem Schöffengericht ging es also um dieses Verbrechen: "Handel treiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“, so die Anklage.

Gegen die Vermieterin läuft ebenfalls ein Verfahren

Ebenfalls angeklagt war die Vermieterin des Kellerraumes, die gewusst haben soll, was in ihrem Keller passierte. Die Frau erschien nicht vor Gericht, meldete sich aber telefonisch während der Verhandlung. Gegen sie wird gesondert verhandelt und es wird wohl auch zu einer Verurteilung kommen, denn der 25-jährige Mieter sagte umfassend gegen die Frau als Mitwisserin aus. Entsprechende Beweisen waren auch auf einem der beschlagnahmten Handys zu lesen.

Für den Angeklagten ging es um eine Freiheitsstrafe mit oder ohne Bewährung. Auf Anraten seines Verteidigers sagte der Lohner umfassend aus: Er selber konsumiere keine Betäubungsmittel, habe zur Tatzeit aber keine Arbeit gehabt und sich durch den Drogenverkauf eine Einnahmequelle versprochen. Da er seine Ware nicht in seinem Elternhaus habe lagern können, habe ein Freund ihm den Tipp gegeben, sich an die Frau an der Brandstraße zu wenden. Die konsumiere Drogen.

Gegen verräterische Gerüche setzte der Angeklagte Duftspray ein

So kam es. Der 25-Jährige bekam nach eigener Aussage einen Hausschlüssel, einen Schlüssel für den Kellerraum und bezahlte 150 Euro Miete pro Monat. Die Frau habe ihn noch angewiesen, im Keller und im Flur des Hauses Duftspray zu benutzen, um zu verhindern, dass man das Marihuana rieche.

Die 3-wöchige Untersuchungshaft habe ihn zum Umdenken gebracht, versicherte der Lohner. Er habe nun eine Arbeitsstelle bei einer bekannten Firma, sein Vertrag werde verlängert.

Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte der Meldepflicht bei der Polizei nachgekommen sei, selbst einen Auslandsaufenthalt angemeldet habe und auch nicht zur Flucht genutzt habe. Ganz offensichtlich habe die Untersuchungshaft positiv gewirkt. Das Gericht hatte aber auch festgestellt, dass der Mann eine Vorstrafe wegen Körperverletzung hat und ein Verfahren noch aussteht. Bei einem Rechtsgespräch war dem Angeklagten eine Freiheitsstrafe auf Bewährung zugesagt worden, wenn er ein volles Geständnis ablege und auch eine Aussage über die „Vermieterin“ mache.

Günstige Sozialprognose machte Bewährungsstrafe möglich

Die Anklagevertreterin sah in ihrem Plädoyer eine günstige Sozialprognose, die eine Freiheitsstrafe auf Bewährung möglich mache und beantragte eine solche von einem Jahr und 9 Monaten, dazu eine Geldauflage von 500 Euro. Der Verteidiger hielt ein Jahr und 4 Monate für angemessen.

Das Gericht kam auf ein Jahr und 8 Monate mit einer Bewährungszeit von 3 Jahren. Es wies den Kontakt zu einem Bewährungshelfer/in an sowie die Zahlung von 500 Euro an den Jugendtreff in Lohne. Der Angeklagte erklärte über seinen Verteidiger den Verzicht auf die Einlegung eines Rechtsmittels (Berufung).


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Den Autor erreichen Sie per Mail unter redaktion@om-medien.de.

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