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Dritte Impfstofflieferung kommt früher als geplant

Der Kreis Cloppenburg kann weitere Menschen impfen. Am Montag ist die dritte Ladung des Biontech-Impfstoffs angekommen. Ein Teil des Vakzins soll bereits am Dienstag verabreicht werden. (Update)

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Professor Dr. Joachim Schrader mit Impfstoff aus dem Trockeneis. Foto: M. Niehues<br>

Professor Dr. Joachim Schrader mit Impfstoff aus dem Trockeneis. Foto: M. Niehues

Mund- und Nasenschutz, dazu eine Art Taucherbrille und dicke Handschuhe, die bis über die Arme reichen – es ist aber keine Karnevalskleidung, die Professor Dr. Joachim Schrader trägt, es ist ein Schutz vor Gefrierbrand. Am Montag nahm der ärztliche Leiter des Impfzentrums des Landkreises Cloppenburg bereits die dritte Lieferung des Vakzins von Biontech/Pfizer gegen Covid-19 entgegen.

Am Dienstag sollen die drei mobilen Impfteams damit sofort wieder durchstarten. Am Abend sollen dann alle noch fehlenden Senioreneinrichtungen versorgt sein. Dafür musste am Montag der angelieferte Karton geöffnet und die Packung mit den benötigten Ampullen zunächst von Trockeneis befreit werden. Bei minus 70 Grad ist das nicht ungefährlich. Deshalb ist der Schutz Pflicht. Die für den Tag vorgesehene Impfstoffeinheit wird auf etwa vier Grad hochgekühlt, die anderen Ampullen weiter mit Trockeneis gelagert. Einmal aufgetaut, muss der Impfstoff innerhalb von vier Tagen verbraucht werden.

Umpacken für den nächsten Tag: Kälteschutz ist Pflicht. Foto: M. NiehuesUmpacken für den nächsten Tag: Kälteschutz ist Pflicht. Foto: M. Niehues

Kurz nach 10 Uhr morgens kam der Transporter mit der Lieferung, die ursprünglich erst für Donnerstag angekündigt war. Polizei und Security sicherten die Ankunft. Für die Mitarbeiter des Impfzentrums in der Jugendherberge an der Thülsfelder Talsperre ist nicht nur die fachgerechte Lagerung des Impfstoffs eine Herausforderung. Wegen der erst am Freitagnachmittag angekündigten vorgezogenen Lieferung mussten alle vorgesehenen Impftermine neu organisiert werden.

Joachim Schrader ist dennoch bester Laune. Er lobt die Mitarbeiter der Einrichtung in den höchsten Tönen. „Die machen das toll“, sagt er. „Alle haben das Gefühl, wir können endlich gegen das Virus kämpfen“ und seien „total engagiert“. Pro Impfteam seien bisher pro Tag bis zu 130 Impfungen vorgenommen worden, am 5. Januar hätten alle drei zusammen 391 Personen an einem Tag geimpft. „Das ist die höchste Zahl, die an einem Tag in Niedersachsen bisher erreicht wurde“, verkündet Schrader nicht ohne Stolz, denn er möchte das Corona-Virus so schnell wie möglich bekämpfen.

Ankunft mit Begleitschutz: Ein unscheinbarer Transporter liefert den herbeigesehnten Impfstoff beim Impfzentrum an.  Foto: M. NiehuesAnkunft mit Begleitschutz: Ein unscheinbarer Transporter liefert den herbeigesehnten Impfstoff beim Impfzentrum an. Foto: M. Niehues

Sein Ziel ist es, bis Ende März alle impfwilligen Über-80-Jährigen im Kreis Cloppenburg geimpft zu haben. Nach seinen Informationen handelt es sich hier um etwa 8000 bis 9000 Personen. Der größte Teil dieser Menschen sei sehr fit und genieße eine hohe Lebensqualität. Diese gelte es mit der Impfung zu schützen. Man dürfe von der Altersgruppe aber nicht erwarten, dass sich diese ins Internet einlogge, um einen Impftermin zu erhalten. Schrader kritisiert damit die zentrale Online-Terminvergabe des Landes als nicht praxisgerecht.

Der Landkreis Cloppenburg geht mit seinen mobilen Impfteams einen anderen Weg. Joachim Schrader setzt dabei auf die Stärke der ländlichen Vernetzung. In Absprache mit dem Land hat Lastrup bereits als erste Gemeinde des Kreises seine Ü-80-Kandidaten direkt angeschrieben und um Anmeldung für einen Impftermin am kommenden Samstag gebeten. Die Impfteams sollen dann alle Angemeldeten zentral im Ort versorgen. „Das ist der Vorteil des ländlichen Raums“, sagt Schrader. Über die dörfliche Gemeinschaft sei es problemlos möglich allen Betroffenen Unterstützung anzubieten und auch die Mobilität herzustellen.

Bisher so Schrader, sei die Impfung von allen Senioren gut vertragen worden. Nur in einem Fall sei jemand direkt nach der ersten Impfung an Covid-19 erkrankt. Dies sei darauf zurückzuführen, dass der Schutz erst langsam aufgebaut werde. Erst eine Woche nach der zweiten Impfung bestehe 95 Prozent Schutz. Es sei zudem nötig, dass die Wissenschaft jetzt an einer Therapie Erkrankter arbeite. Denn die Behandlung von Covid-19-Patienten in den Kliniken sei sehr aufwendig, die Folgebeschwerden Betroffener seien oft groß.

„Durchschnittlich liegen Patienten drei Tage auf der Intensivstation, bei Covid-19 sind es 16 bis 18 Tage“, weiß Joachim Schrader. Die Sterblichkeit sei zwar besser geworden, auf den Krankheitsverlauf könne aber von medizinischer Seite kaum Einfluss genommen werden. Das Krankenhauspersonal empfinde oft Hilflosigkeit, habe Frust. Deshalb sei es wichtig über die Impfung die Inzidenz im April spürbar zu senken und gleichzeitig eine Therapie für nicht Geimpfte zu haben.

Zugleich appelliert der ärztliche Leiter des Impfzentrums daran, die privaten Kontakte unbedingt einzuschränken. Im Beruf werde Abstand eingehalten, ist seine Erfahrung. „Privat sind viele unvorsichtiger.“ Ein „ich habe doch nur einen Freund getroffen“ sei nicht länger hinnehmbar.

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