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Dorle Schnelle feiert Abschied beim Bildungswerk Löningen

27 Jahre lang war die 65-Jährige das Gesicht der Löninger Einrichtung, die gelernte Hauswirtschafterin hatte ihren Laden stets im Griff. Auch gegenüber der Männerwelt wusste sie sich durchzusetzen.

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Bleiben verbunden: Dorle Schnelle (2. von links) wurde von Bildungswerk-Geschäftsführer Josef Anneken und (von links) Barbara Herbers, Angelika Lüken und Alexandra Richter verabschiedet. Foto: Meyer

Bleiben verbunden: Dorle Schnelle (2. von links) wurde von Bildungswerk-Geschäftsführer Josef Anneken und (von links) Barbara Herbers, Angelika Lüken und Alexandra Richter verabschiedet. Foto: Meyer

Den gewünschten großen Bahnhof mitsamt Blaskapelle hat ihr die Pandemie zwar vermiest. Trotzdem feierte Dorle Schnelle am Donnerstag einen emotionalen Abschied vom katholischen Bildungswerk Löningen. Seit 1994 hatte sie die Einrichtung geleitet und ihr ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Jetzt wechselt sie in den Ruhestand.

Das Bildungswerk, dessen Räume auch die Volkshochschule (VHS) mitnutzt, war in den vergangenen Monaten selten so gut besucht wie gestern. Kolleginnen und Weggefährten gaben sich am Gelbrink ein Stelldichein - natürlich stets coronakonform. Geschäftsführer Josef Anneken dankte der 65-Jährigen für ihr Engagement in den vergangenen Jahrzehnten.

Begonnen hatte es bereits Ende der 1970er Jahre, als die staatlich geprüfte Hauswirtschaftsleiterin ihr erstes Seminar anbot. „Das war ein Kochkurs und ich habe ihn in Essen durchgeführt, weil ich mich das in Löningen nicht traute“, berichtete Schnelle, die in der Hasestadt geboren wurde und acht Jahre lang als Lehrkraft an der Berufsschule arbeitete. Der Kurs machte Appetit auf mehr. Ihr „Herzblut“ habe fortan der Erwachsenenbildung gegolten, lobte Anneken.

Nach den Arbeitslosen kamen Aussiedler und Flüchtlinge

In den 80er Jahren koordinierte sie die Fortbildungen für arbeitslos gewordene Industriearbeiter. „Damals schlossen mehrere große Werke in der Region und die Leute standen auf der Straße.“ Probleme, sich gegen Männer-Machos durchzusetzen, hatte die zierliche Frau nie. Unter ihrer Führung absolvierten „Knackies“ eine Ausbildung, büffelten Aussiedler Deutsch und lernten syrische Flüchtlinge die Grundlagen der hiesigen Rechtsordnung kennen.

Mit vielen Menschen, die im Laufe der Jahre Kurse besuchten, steht sie bis heute in Kontakt. „Es war alles dabei“, sagt sie. Einen jungen Russlanddeutschen nahm sie in den 90er Jahren unter ihre Fittiche. „Er galt als schwer vermittelbar. Ich konnte ihm einen Praktikumsplatz besorgen und habe ihn manchmal selbst zur Arbeit gebracht.“ Inzwischen hat sich der Mann mit einem eigenen Betrieb selbstständig gemacht. Es sind solche Erfolge, die Dorle Schnelle beflügelten.

Corona wird auch die Kursthemen verändern.Alexandra Richter

Denn leicht hat es die Erwachsenenbildung noch nie gehabt. Von staatlicher Seite fehle es oft an Anerkennung, findet Schnelle. Auch Josef Anneken kennt den täglichen Kampf um Bewilligungen und Kursverlängerungen nur zu gut. Auf der anderen Seite sind die Einrichtungen bei ihren Nutzern überaus beliebt. Dass die monatelange Corona-Abstinenz daran etwas ändern wird, glauben weder Dorle Schnelle noch ihre designierte Nachfolgerin Alexandra Richter.  

Am 1. April übernimmt  die gelernte Industriekauffrau offiziell das Ruder.  Sie arbeitet seit 10 Jahren in der Verwaltung. Angelika Lüken und  Barbara Herbers komplettieren das Team. Ohne Auswirkung auf die Arbeit werde die Krise aber nicht bleiben, sagte Richter. „Die Themen werden sich verändern.“ Nach der Pandemie gelte es vieles aufzuarbeiten. „Das Miteinander dürfte eine große Rolle spielen“, glaubt die künftige pädagogische Leiterin.

Dorle Schnelle wird sich dieser Aufgabe nicht mehr stellen müssen. Sie wolle es zunächst ruhig angehen lassen und den Alltag als Rentnerin kennenlernen, sagte sie. Ihr Berufsleben wird sie in guter Erinnerung behalten. „Ich hatte den besten Arbeitsplatz der Welt. Es war traumhaft schön.“ Nicht jeder könne das von sich behaupten.

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