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Domkapitular Molitor spricht über Ökumene

Der Ökumenebeauftragte aus Osnabrück referierte in Friesoythe. Sein Publikum kritisierte engstirnige Kirchenfürsten, an denen Erneuerung scheitert.

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Gute Bekannte: Auf Initiative von Michael Knüpper (links) war Domkapitular Reinhard Molitor zu Gast in Friesoythe. Foto: Wimberg

Gute Bekannte: Auf Initiative von Michael Knüpper (links) war Domkapitular Reinhard Molitor zu Gast in Friesoythe. Foto: Wimberg

„Ökumene braucht Aufregung und Geduld“: Reinhard Molitors Fazit nach einer informativ-unterhaltsamen und am Ende auch von Emotionen getragenen Vortragsveranstaltung konnten seine Zuhörerinnen und Zuhörer zwar grundsätzlich mittragen, doch Geduld dürfe keinesfalls überstrapaziert werden, gaben sie dem Domkapitular und Ökumenebeauftragten des Bistums Osnabrück mit auf den Glaubensweg. Vielmehr müssten jetzt die Zeichen der Zeit auch für die gegenseitige Anerkennung und die Einheit von katholischer und evangelischer Kirche erkannt werden.

Jüngstes unrühmliches Beispiel für ewig gestriges Denken und Handeln im eigenen Bistum und Offizialatsbezirk sei die Abberufung des Verwaltungsrats des Oldenburger Pius-Stifts, mit der Weihbischof Wilfried Theising die Fusionsverhandlungen mit dem evangelischen Krankenhaus unterbunden habe.

Molitor, der auf Einladung des Organisationsteams „Ein Abend mit…“ zu Gast war, wollte sich zu der aktuellen Auseinandersetzung direkt nicht äußern, aber verdeutlichte in seinem Referat zum Thema „Was trennt und eint die Christen“, dass es im Grunde kaum noch Unterschiede zwischen der katholischen und evangelischen Kirche gebe und wie wichtig es sei, dass Christen gemeinsam den auf vielen Ebenen bereits eingeschlagenen ökumenischen Weg auf Augenhöhe weitergingen. „Sonst sind wir bald ganz verschwunden“, befürchtete sein Publikum und sprach Klartext. Aufgrund des Missbrauchsskandals verzeichnete die katholische Kirche erneut massenhafte Austritte, Beständigkeit gebe es auch in der evangelischen nicht.

Bibel, Liturgie und Gotteslob nahezu gleich

Die Tatsache, dass in Deutschland mittlerweile weniger als 50 Prozent Christen lebten, sollte konservative Kirchenfürsten endlich wachrütteln, die sich immer noch gegen ein großes Ganzes sperrten. „An ihnen kann und darf es doch wohl nicht scheitern, wie lange will man noch warten, sich in Kleinigkeiten verirren und Theater machen?“, lautete die deutlich formulierte Kritik, zumal die Basis längst schon viel weiter sei. „Da wird tatsächlich nicht mehr nach katholisch oder evangelisch gefragt und ohnehin stehen wir gemeinsam vor wahnsinnig großen Herausforderungen“, betonte Molitor und verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Inhalte von Bibel, Liturgie und Gotteslob, die nahezu gleich seien.

Darüber hinaus nähmen Katholiken schon längst am Abendmahl teil und Protestanten empfingen die Kommunion, so der Geistliche weiter und zog den Vergleich mit einem Bilderrätsel gerne heran: Zwei Motive, die auf den ersten Blick identisch erscheinen, „und nur wer ganz genau hinsieht, entdeckt kleine Unterschiede".

Im Gegensatz zu den beiden großen Amtskirchen verzeichneten die Gemeinden der Pfingstler Zulauf. Und: Mit den ukrainischen Familien, die zurzeit ins Land kommen, seien es orthodoxe Gläubige, denen man gastfreundlich begegne und die man kennenlernen wolle.

Luthers Motto: "Dem Volk aufs Maul schauen" ist auch heute noch gängig

Um an die Spaltung der Kirche zu erinnern, nahm der 72-Jährige die Teilnehmer zuvor mit ins 15. und 16. Jahrhundert, als Martin Luther sich zum Ärger seine Vaters entschied, Mönch zu werden. Über seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel, seine Abkehr vom Papst und die damit verbundene Verbannung und Flucht erstreckte sich die weitere Zeitreise. Gängig bis heute das Motto des Reformators: „Dem Volk aufs Maul schauen.“

Ökumene, so zeigten sich alle Anwesenden überzeugt, bedeute Einheit und Vielfalt, Trennung dürfe kein Thema mehr sein. „Wir sind alles Christen und verfolgen alle eine Botschaft.“

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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