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Dinklager Schützen haben einen neuen Kinderkönig – und bejubeln furiose Rede

Tobias Burhorst ist die neue Nachwuchsmajestät, Festredner Clemens gr. Macke trifft den Nerv der Gäste und der Verein zeichnet fünf Ehrenamtliche aus.

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Hielt eine glänzende Rede: Clemens gr. Macke. Foto: Böckmann

Hielt eine glänzende Rede: Clemens gr. Macke. Foto: Böckmann

Warum er als Festredner beim Kommers des Dinklager Schützenvereins zugesagt habe? Er habe gar nicht anders können, räumte Clemens gr. Macke ein. Als der Vorstand des Schützenvereins ihn besucht habe, sei er „breitgetrunken“ worden. „Was der Vorstand trinken kann – da habe ich gemerkt: die sind schon länger im Amt. Euer König? Nicht normal ...“, scherzte der frühere CDU-Landtagsabgeordnete (2003 bis 2017).

Clemens gr. Macke hatte mit seiner humorvollen und charmanten Art das Publikum beim Festabend direkt auf seiner Seite. Der „Bauernlümmel aus Addrup“ präsentierte sich als wortgewaltiger Redner ohne Manuskript, der in seinem exakt 29 Minuten langen Auftritt locker zwischen witzigen Passagen und ernsten Themen pendelte – und damit völlig den Nerv des öfter tobenden und applaudieren Publikums traf. Keine Frage: Clemens gr. Macke hielt beim jetzt nun sechsten Kommers die bislang vielleicht beste Rede, für die er zu Recht mit Standing Ovations verabschiedet wurde.

Hat Lohne Angst vor Dinklage?

Dabei habe ihn seine Frau im Vorfeld noch vor einem Auftritt in der Nachbarkommune gewarnt. Dinklage sei doch ein gefährliches Pflaster. Aber nicht, weil er sich an seinen letzten Besuch in Dinklage nicht mehr so richtig erinnern könne. Sondern warum? Weil die Lohner schon immer richtig Angst vor Dinklage hätten. Jetzt haben sie auch noch eine Bürgermeisterin aus Bahlen – weshalb der Lohner Schützenverein den Muttentunnel mit einer Abordnung von 25 Soldaten erst einmal dichtgemacht habe.

Eingeengt fühlte sich Clemens gr. Macke am Rednerpult indes nicht. Im Gegenteil: Das Schützenparkett meisterte der 63-Jährige, selbst Schütze in Bevern („Unser Fest ist noch größer als das in Lohne“) glänzend.

Warum es die Schützen in der Burgwaldstadt denn nun schon seit 150 Jahren gibt? Natürlich wegen des Ehrenamtes. „Das macht uns stark“, betonte gr. Macke und hielt ein flammendes Plädoyer für die Vereinsarbeit. Es sei viel leichter zu sagen, man habe keine Zeit.

„Aber was wird dann aus dem TVD, aus der Kirche, aus der Arbeit im Stadtrat, wenn keiner mehr etwas machen will? Das Ja-Sagen verbindet uns“, sagte gr. Macke und nahm damit auch die Jungschützen in die Pflicht, sich zu engagieren. Das lohne sich auch finanziell. Das Jahressalär des Präsidenten Ronald Reimer sei schließlich sechsstellig. Was dieser konterte. „Ja, die 6 kommt, aber erst hinter dem Komma – und davor eine Null.“

Damit die Vereinsarbeit und das gesellschaftliche Leben funktioniere, sei Respekt wichtig. Respekt vor der Arbeit der Ehrenamtlichen, Respekt vor der Arbeit der Erfahrenen. Respekt werde immer weniger gelebt, bedauerte gr. Macke und erinnerte sich an einen Vortrag, den Chris Flemming einmal in seiner Zeit als Basketball-Coach bei den Artland Dragons gehalten habe. Man zeige Respekt, wenn man pünktlich zum Training komme, sich gegenseitig abklatsche und helfe jemandem auf, wenn er am Boden liegt („Das schafft die Politik nicht. Dann treten noch zwei andere auf dich ein, wenn du am Boden liegst.“).

Was die Schützen daraus lernen sollten? Vor allem ihren Gattinnen Respekt zu zollen. „Die Frauen müssen mitziehen“, betonte Clemens gr. Macke. Wie oft erlebe man, dass Mann am Ende des Kommers' nicht mehr wisse, wo er wohne. „Ohne Frau habt ihr keine Chance!“

Reimer meistert Spagat, Putthoff solide

Das Publikum unterhalten, gleichzeitig die komplizierte weltpolitische Lage thematisieren – diesen Spagat meisterte auch Ronald Reimer. Der Präsident, der das Schützenfest um 19.01 Uhr offiziell eröffnete, konstatierte: „Wäre Wladimir Putin Mitglied im Dinklager Schützenverein, dann hätte er Anstand, Respekt und Verantwortungsbewusstsein gelernt und hätte niemals so einen Krieg gestartet.“ Dennoch müsse man weiter Schützenfeste feiern, sagt Reimer. „Die schwierigen Zeiten machen etwas mit uns und unserer Psyche. Wir müssen auch mal wieder den Kopf freikriegen und etwas Gutes tun.“

Solide war der erste Auftritt von Bürgermeister Carl Heinz Putthoff als Redner – auch, wenn er noch nicht das humoristische Niveau seines Vorgängers Frank Bittner erreichte. Putthoff lobte den Verein für seine Arbeit mit Kindern und ganz besonders beim Engagement in der Inklusion. Und: „Aus dem Nebeneinander von Tradition und Sport ergibt sich ein Spannungsfeld, das den Verein lebendig macht.“

Kurzweilige Reden, Musik des Kolpingorchesters, Ehrungen verdienter Schützen (siehe unten) und der Inklusionskönigin Marie Hegemann: Der Kommers am Samstag war trotz (zu) vieler Grußworte ein furioser Auftakt in das dreitägige Jubiläumsschützenfest.


So lief der Schützenfest-Sonntag

Dieser setzte sich am Sonntag mit dem Festumzug und Teil 1 des Königsschießens fort. Auf dem Marktplatz und dem Rathausplatz bot sich ein dem Jubelfest angemessenes „grandioses Bild“, wie die Schützenkreispräsidentin Andrea Möllmann treffend feststellte. 1268 Schützen aus Dinklage, 468 Schützen der Gastvereine (auch aus Köln) und viele Musikkapellen versammelten sich.

Das ist der neue Dinklager Kinderthron: (von links) Marlisa Arlinghaus, Bernd Kamphaus, Luisa Beuse, Tobias Burhorst, Marie Kenkel, Louis Mähs, Mathilda Arlinghaus und Dirk Kamphaus. Foto: SchumacherDas ist der neue Dinklager Kinderthron: (von links) Marlisa Arlinghaus, Bernd Kamphaus, Luisa Beuse, Tobias Burhorst, Marie Kenkel, Louis Mähs, Mathilda Arlinghaus und Dirk Kamphaus. Foto: Schumacher

Höhepunkt war die Proklamation des neuen Kinderkönigs Tobias Burhorst. Die Nachwuchsmajestät aus der 5. Kompanie Grenzjäger setzte sich mit 27 Ringen gegen 84 Mädchen und Jungen durch. Königin ist Luisa Beuse; deren drei Brüder waren übrigens schon Kinderkönig, ihre Eltern Silvia und Josef Beuse Könige in Langwege. Den Kinderthron komplettieren Bernd Kamphaus und Marlisa Arlinghaus, Dirk Kamphaus und Mathilda Arlinghaus sowie Louis Mähs und Marie Kenkel.

Auf den zweiten Platz beim Schießen kam übrigens Leni Ruholl (4. Kompanie) mit 26 Ringen, auf Rang drei Lotte Kuper (5. Kompanie) mit 26 Ringen.


Fünf verdiente Schützen werden geehrt

.Ohne ehrenamtliches Engagement funktioniert die Arbeit im Dinklager Schützenverein nicht. Als Dank für ihre jahrzehntelange Arbeit ehrte der Vorstand beim Kommers drei verdiente Schützen mit einer Urkunde und vor dem Festmarsch am Sonntag zwei Schützen mit dem Pour-le-Mérite-Orden – der höchsten Auszeichnung im Schützenverein.

Hermann Nordmann: Der General a.D. setzt sich seit 53 Jahren für den Dinklager Schützenverein ein und seit 1986 bei den Sportschützen. Hermann Nordmann hat in seinem Schützenleben viele Stationen und Posten mit Leben gefüllt. „Wenn sein Erfahrungsschatz erforderlich war, sagte er stets: Dat kriegt wie woll“, erzählte Laudator Matthias Menke. Hermann Nordmann war Leutnant und Kompaniechef der Rummelsburger. Er wirkte in zahlreichen Arbeitsgruppen mit, zuletzt im Chronik-Team. Für sein Engagement erhielt er 2006 den Orden Pour-le-Mérite und 2010 die goldene Ehrennadel der Stadt.

August Nuxoll: Der Oberst a.D. ist seit 1966 Mitglied der Blaukehlchen. Vor allem bei Baumaßnahmen half August Nuxoll viel mit. Ab 1989 engagierte er sich auf im Kompanievorstand. Er war von 1993 bis 2001 stellvertretender Kompaniechef. 1994 war August Nuxoll Ehrenherr auf dem Königsthron. 2001 wurde er zum Stabsoffizier berufen. Es folgten weitere Beförderungen. 2008 erhielt er den Pour-le-Mérite-Orden. Er nimmt nach dem Abschied aus dem aktiven Dienst weiter überall teil.

Josef Kruse: Der Oberstleutnant a.D. ist seit 1968 Mitglied im Schützenverein. Ab 1986 (bis 2011) übernahm Josef Kruse Aufgaben im Vorstand der Kompanie Grenzjäger, wo er von 1989 bis 1991 stellvertretender Zahlmeister war. Ab 1992 wurde er Kompaniechef – für insgesamt dann 19 Jahre. Seit 1993 ist Kruse Mitglied bei den Sportschützen und seit 1996 Schießsportleiter. 1997 wurde er zum Major befördert. 2005 erhielt er den Pour-le-Mérite-Orden. 2011 wurde Josef Kruse zum Oberstleutnant der Reserve befördert.

Pour-le-Mérite: Den Orden, der auf dem Krawattenknoten getragen wird, erhielten dieses Jahr Frank Buske (1. Kompanie, König 2006) und Andreas Middendorf (5. Kompanie, König 2018). Seit 1955 wird, zunächst unregelmäßig, der Pour-le-Mérite verliehen. Damit wird das Engagement und der Einsatz von Schützen in den Kompanien beziehungsweise dem Vorstand gewürdigt.

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