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Digitale Aufklärung für Eltern: So werden Kinder kompetente Mediennutzer

Die Eltern verunsichert, die Kinder überfordert: Der Umgang mit digitalen Medien kann schnell in einer Familienkrise enden. In Löningen erklärte ein Experte, wie sie vermieden wird.

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Statt konsumieren: Mit digitalen Medien können auch Kinder schon kreativ umgehen. Foto: dpa

Statt konsumieren: Mit digitalen Medien können auch Kinder schon kreativ umgehen. Foto: dpa

Darf ein 5-Jähriger "Star Wars" sehen, obwohl er dafür laut Empfehlung eigentlich noch zu jung ist? "Darf er", sagt Mirco Dalos. "Sofern die Eltern sich sicher sind, dass ihr Sohn den Film verarbeiten kann. Dafür sollten sie ihn sich am besten vorher selbst anschauen."

Dalos muss viele solcher Fragen beantworten. Besorgte Eltern wollen von ihm wissen, was sie ihren Kindern medial zumuten können und was nicht. Das Wissen darüber habe sich in den vergangenen Jahren stark verbessert, sagt der Diplom-Psychologe und Sozialpädagoge. Dass etwa Kleinkinder bis zum 3. Lebensjahr besser gar nicht vor dem Bildschirm hocken sollten, sei inzwischen wissenschaftlicher Konsens. Doch auch danach sollte die tägliche Zeit mit Laptop und Co. limitiert bleiben. 

Der Rasteder hat sich als freiberuflicher Medienpädagoge einen Namen gemacht. Im Löninger St.-Elisabeth-Kindergarten half er den Erzieherinnen dabei, die Sprachförderung und den Umgang mit digitalen Medien miteinander zu verknüpfen. Am Mittwoch gab er auf einem Elternabend Tipps für den Alltag. Das Interesse war groß, rund 50 Mütter und Väter nahmen teil. "Das zeigt, wie wichtig das Thema für die Familien ist", betont Sprach-Fachkraft Michaela Schäpker. 

Gerade für kleine Kinder sei es wichtig, Bücher in die Hand zu nehmen

Während seines Vortrags räumte Mirco Dalos auch mit einigen Mythen auf. "Das gedruckte Buch stirbt nicht aus", betonte er. Gerade für kleine Kinder sei es wichtig, Bücher in die Hand zu nehmen und ihren Geruch wahrzunehmen. Genauso falsch sei es aber auch, digitale Medien grundsätzlich zu verteufeln. "Sie sind lediglich ein weiteres kreatives Spielzeug", gibt der Experte Entwarnung. Den Alltag zu Hause beherrschen dürften sie freilich nicht. In der richtigen Balance ermöglichten sie jedoch Teilhabe und barrierefreies Lernen, was gerade Kindern aus einkommensschwachen Familien weiterhelfe. 

Die Sorge, dass ihre Kinder beim Surfen im Internet Schaden nehmen könnten, hat sich die Elterngeneration allerdings selbst eingebrockt, findet Dalos. "Es sind ja gerade Menschen um die 50, die das Internet zumüllen." Was vielen Erwachsenen offenbar fehle, nämlich Kompetenz und der sichere Umgang mit digitalen Medien, könne Kinder vor Missbrauch schützen und sie früh gegen Falschmeldungen und Manipulationen wappnen. Bei seinen Projekten lässt Dalos die Kitakinder deshalb hinter die Kulissen schauen. Sie lernen, mit superteuren Kameras umzugehen, schneiden eigene Hörspiele und kreieren per Photoshop fantasievolle Bilder.

Eltern können das alles auch mit ihren Kindern machen, ist der Experte überzeugt. "Sie verbringen auf diese Weise gemeinsame Zeit und erleben praktische Bildung." Und wenn sie letztlich zu dem Schluss kämen, dass "Star Wars" dann doch noch eine Nummer zu groß für den Sohnemann ist, sollten sie es ihm offen und ernsthaft erklären. "Das stärkt zugleich die Beziehung, weil es dem Kind das Gefühl gibt, auf Augenhöhe zu sein und einbezogen zu werden."


Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät:

  • 0-3 Jahre: am besten keine Bildschirmmedien, höchstens 30 Minuten Hörmedien, regelmäßiges Anschauen und Vorlesen von Büchern.
  • 3-6 Jahre: höchstens 30 Minuten vor dem Bildschirm, höchstens 45 Minuten Hörmedien, regelmäßiges Anschauen und Vorlesen von Büchern.
  • 6-10 Jahre: höchstens 45  bis 60 Minuten Bildschirmmedien, höchstens 60 Minuten Hörmedien, regelmäßiges Vorlesen oder Lesen.
  • Regulieren Sie die Bildschirmzeit und die Inhalte auf Smartphones und Tablets. Die Betriebsyssteme stellen entsprechende Funktionen bereit.
  • Wählen Sie kluge und komplexe Passwörter und IDs.

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