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Dieser Warntag könnte eine Warnung sein

Die Premiere des bundesweiten Probealarms hat nicht reibungslos funktioniert. In Vechta und Cloppenburg heulten zwar die Sirenen. Bei den Warn-Apps hakte es aber.

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Entwarnung um 11.40 Uhr: Sie hätte allerdings schon 20 Minuten früher zugestellt werden sollen. Foto: Matthias Bänsch

Entwarnung um 11.40 Uhr: Sie hätte allerdings schon 20 Minuten früher zugestellt werden sollen. Foto: Matthias Bänsch

Punkt 11 Uhr in Cloppenburg und Vechta: Wie angekündigt heulten die Sirenen auf den Dächern zum angekündigten Probealarm auf. Während das akustische Warnsignal, das besonders ältere Mitbürger an den Fliegeralarm im 2. Weltkrieg erinnert haben dürfte, in Cloppenburg laut und deutlich zu hören war, ist es in der Vechtaer Innenstadt hingegen wesentlich leiser gewesen.

Wie bereits berichtet, ist erstmals bundesweit seit der Wiedervereinigung ein solcher Probealarm durchgeführt worden. Dabei ging es allerdings nicht vorrangig um die akustische Warnung der Bevölkerung, sondern um die mittlerweile digitalen Warnmöglichkeiten - zum Beispiel mit Apps wie "NINA" oder "BIWAPP". Doch gerade hier gab es offenbar eine peinliche Panne.

In den sozialen Medien gab es bereits Häme und Spott für die nicht funktionierende Alarmierung. Das räumte mittlerweile auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe öffentlich ein: "Die bundesweite MoWaS-Meldung konnte nur verspätet zugestellt werden. Grund dafür war eine nicht vorgesehene zeitgleiche Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen", twittert das Bundesamt in den Mittagsstunden, nachdem der Probealarm gegen 11.20 mit einer Entwarnung beendet war.

Daten-Stau im Warnsystem des Bundes?

MoWaS - das ist das modulare Warnsystem des Bundes. Daran angeschlossen sind zum Beispiel die Server für die Warn-Apps auf Smartphones, aber auch Radiosender. In diesem Warnsystem hatte die Auslösung des Alarms von mehreren Stellen offenbar für eine Art "Daten-Stau" gesorgt. Deshalb gab es zum Teil deutliche zeitliche Verzögerungen bei den Warnungen auf mobile Endgeräte. Genaue Ergebnisse sollen nach einer Auswertung veröffentlich werden.

Auch bei unserem Test erfolgt die Alarmierung und anschließende Entwarnung bei der Warn-App "NINA" mit einer Verzögerung von rund 20 Minuten. Bei Twitter berichten User unter dem Hashtag #Warntag2020 von ähnlichen Erfahrungen. Viele erwarteten darüber hinaus auch eine Alarmierung via Funk und Fernsehen. Aber auch dort sei nichts vom Warntag zu sehen und hören gewesen. Der überwiegende Teil reagierte mit Sarkasmus: "Alle, die keine Sirene hören, bekommen das Warnsignal per Fax oder Post in den nächsten 14 Tagen zugestellt", twitterte ein User. "Ich glaube, wir haben das Konzept zum #Warntag falsch verstanden. Vermutlich hätten wir alle auf den Balkon gehen und selber rumheulen sollen", schreibt eine andere Nutzerin.

"Phänomen" soll jetzt analysiert werden

Das Bundesamt selbst hat am Donnerstag bereits angekündigt, auf die Panne reagieren zu wollen: "Dieses Phänomen liefert wichtige Erkenntnisse für den Ausbau von MoWaS und die notwendige weitere Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen in Bund und Ländern und wird in der weiteren Entwicklung von MoWaS berücksichtigt." Die Premiere des Warntages könnte also eine Warnung für den Ernstfall sein. Das Problem muss gelöst werden. Die zuständigen Experten haben etwas Zeit. Bis spätestens zum nächsten Probealarm. Am 2. Donnerstag im September 2021.

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