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Diese Probleme möchte ich haben!

Kolumne: Es gibt unterschiedliche Arten von Problemen, die Mitmenschen an einen herantragen. Dabei sind einige der Arten bereits an der Einleitung zu erahnen.

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Wenn es bei mir an der Tür klopft, kann ich zu 90 Prozent davon ausgehen, dass es gleich heißt: Sonja, wir haben ein Problem. "Wir", das bedeutet in diesem Fall stets, dass meine Vermieter ein Problem haben. In der Regel handelt es sich dabei um eine von drei Problemarten. Die 1. kündigt sich an mit: "Kannst du mal …?", die 2. mit "Hast du vielleicht ….?", und die 3. wird eingeleitet mit "Wir haben zu viel …".

Am Dienstag war Nummer 1 dran: Ich, an meinem freien Tag noch gemütlich in Räuberzivil meine erste Tasse Kaffee des Tages schlürfend, schlurfe an die Tür: "Kannst du mal dein Auto umparken?“ Ja, selbstverständlich. Dabei ist es übrigens völlig egal, wo auf dem großen Hof ich parke. Mein Auto steht im Weg. Denn der Hof ist U-förmig eingerahmt von Gebäuden, in denen landwirtschaftliche Geräte und Gefährte untergebracht sind.

Mein Problem dabei: Ich kann nicht davon ausgehen, dass der gute alte blass-blaue Hanomag-Trecker – der meinem Vermieter in seinem Rentnerdasein und als Hobby-Landwirt das Fahrvergnügen bereitet wie anderen ihr Sportflitzer – immer an einem angestammten Platz in der Scheune steht. Schließlich braucht das Gefährt ab und zu mal einen Tapetenwechsel. Auch Heuwender und Anhänger lieben Abwechslung und ziehen häufiger mal um. Nun gut, ich also in Schlappen hinters Steuer und umgeparkt. Problem gelöst.

"Ich schütte also den Inhalt meiner Schachteln und Dosen daneben, damit die Suche im metallenen Heuhaufen weitergehen kann."Sonja Gruhn

Donnerstag, es klopft: "Sonja, wir haben ein Problem." Sie erinnern sich: Es sind noch zwei Arten übrig. "Hast du vielleicht", setzt meine Vermieterin an, während sie mir mit der einen Hand einen Wasserkessel und mit der anderen den dazugehörenden Griff entgegenstreckt, "eine Schraube, die hier passt?" Durchaus möglich, dass in einer der Schachteln, Dosen und Gläser für herrenlose Schrauben, denen ich im Laufe der Jahre Obdach gewährt habe, eine schlummert. Also alle Behältnisse aus dem Schrank geholt und ab damit in die Werkstatt.

Ein Haufen Altmetall in Kleinstformat auf dem Tisch zeigt mir: Hier wurde schon ausgiebig in den eigenen Beständen nach dem passenden Objekt gefahndet. Ich schütte also den Inhalt meiner Schachteln und Dosen daneben, damit die Suche im metallenen Heuhaufen weitergehen kann. Und siehe da: Nach knapp einer Viertelstunde werden wir fündig. Problem gelöst.

Sonntagmorgen – eindeutig noch zu früh für mich – schaue ich mit nur einem geöffneten Auge durch den Türspalt und hoffe, dass jetzt mein Lieblingsproblem an der Reihe ist – und tatsächlich: "Sonja, wir haben ein Problem. Wir haben zu viel gekocht." Prompt bin ich hellwach und freue mich riesig darauf, bei diesem Problem selbst die Lösung sein zu können. Denn: Ich helfe wirklich gerne!


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