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Die Welt der Schriften: "Typo-Safari" verspricht viele Hingucker

Ein neuer Stadtplan lenkt den Blick auf eine Vielzahl unterschiedlicher Schrifttypen. Die Basis haben Studierende der Universität Vechta mit einer Ausstellung geliefert.

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Der Stadtplan ist in analoger und digitaler Form erhältlich. Uni-Dozent Traugott Haas, Bürgermeister Kristian Kater, Stabsstellenleiter Dr. Frank Käthler, Museumsleiter Kai Jansen und Stabsstellenmitarbeiterin Nicole Helis (von links) laden zu einem künstlerisch wie historisch spannenden Rundgang durch Vechta ein.   Foto: Speckmann

Der Stadtplan ist in analoger und digitaler Form erhältlich. Uni-Dozent Traugott Haas, Bürgermeister Kristian Kater, Stabsstellenleiter Dr. Frank Käthler, Museumsleiter Kai Jansen und Stabsstellenmitarbeiterin Nicole Helis (von links) laden zu einem künstlerisch wie historisch spannenden Rundgang durch Vechta ein.   Foto: Speckmann

Wer mit offenen Augen durch Vechta geht, wird von Schriftzügen geradezu gefesselt. Sie befinden sich an Gebäuden, auf Denkmälern oder auch in Schaufenstern. Doch aus welcher Zeit stammen die Schriften? Welche Bedeutung hat ihre Gestaltung? Und welchen Bezug gibt es zu den jeweiligen Objekten? Antworten auf diese Fragen liefert ein neuer Stadtplan, der sowohl in analoger als auch digitaler Form erhältlich ist.

Der Stadtplan basiert auf einem Projekt aus dem Jahr 2019. Ein Kursus des Studienfachs „Designpädagogik“ der Universität Vechta hatte damals einen künstlerischen Blick auf vermeintlich unscheinbare Orte und Sehenswürdigkeiten in der Kreisstadt geworfen. Die Studierenden zogen durch die Straßen und hielten Ausschau nach Typografien. Das Ergebnis mündete in einer Ausstellung im Museum im Zeughaus.

31 Standorte in der Vechtaer Innenstadt

Unter dem Titel „Typo-Safari Vechta“ präsentierten die Studierenden die Ergebnisse ihrer Streifzüge, kombiniert mit zum Teil originellen Exponaten, die stellvertretend für die insgesamt 31 Orte standen. Außerdem wurden Postkarten angefertigt, die die Entstehungsorte zeigten und damit das Angebot ergänzten. „Ein spannendes Projekt. Die Ausstellung ist gut angekommen“, sagt Museumsleiter Kai Jansen rückblickend.

Goldene Buchstaben: Bei der Beschriftung des alten Finanzamtes handelt es sich um eine Fraktur aus dem 14. Jahrhundert. Foto: SpeckmannGoldene Buchstaben: Bei der Beschriftung des alten Finanzamtes handelt es sich um eine Fraktur aus dem 14. Jahrhundert. Foto: Speckmann

Schon bei seinem damaligen Museumsbesuch kam Dr. Frank Käthler, Leiter der Stabstelle Wirtschaftsförderung, Marketing, Städtepartnerschaften und Heimatpflege, die Idee für das Folgeprojekt: „Hier liegt ein fertiges Produkt. Man muss es nur noch nehmen und bearbeiten.“ Durch die Übertragung der Ausstellung in einen Stadtplan sollte sich Touristen wie Einheimischen ein gezielter Blick auf die Schriften und deren Herkunft eröffnen.

"Unser Alltag wird von Schriften beeinflusst, die uns überall umgeben, aber nur selten von uns registriert oder wahrgenommen werden."Traugott Haas, künstlerisch wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Vechta

Bei Ausstellungskurator Traugott Haas stoßen solche Vorschläge auf offene Ohren. Als künstlerisch wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Vechta beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Typografie, wohlwissend um die oft verkannte Bedeutung in der Öffentlichkeit: „Unser Alltag wird von Schriften beeinflusst, die uns überall umgeben, aber nur selten von uns registriert oder wahrgenommen werden“, sagt der Diplom-Designer.

Dass die Studierenden ihre ganz persönlichen typografischen „Vechta-Momente“ schon damals durch ausführliche Hintergrundinformationen ergänzten, sollte sich nun bei der Realisierung des Stadtplans auszahlen. Die Angaben zu den einzelnen Standorten sind sowohl bei der digitalen Ausführung im Internet als auch in Papierform über einen QR-Code, der neben der aufklappbaren Karte abgedruckt ist, abrufbar.

Zu den markanten Punkten der Entdeckungstour gehört beispielsweise das Rathaus, dessen silberner Schriftzug in Großbuchstaben am Hauptgebäude prangt. Hier handelt es sich um die Schriftart „Futura Light“, entworfen von Paul Renner im Jahr 1927 im Rahmen der Bauhaus-Bewegung. „Eine absolut zeitlose Schrift“, erklärt Haas mit Blick auf die große Popularität der geometrischen Grundform in Wirtschaft und Alltagsleben.

Nur wenige Meter entfernt, über der Tür des alten Finanzamtes, kommt eine weitaus ältere Schrift zum Vorschein. Bei den goldenen Buchstaben handelt es sich um eine sogenannte Fraktur, die bereits im 14. Jahrhundert zur Anwendung kam. Ein Hingucker ist auch der aus Messing angefertigte und mit feinem Blattgold ummantelte Schriftzug des Geschäftes Karl Konerding. „Slate Light“ nennt der Experte diesen Typ.

Blick auf den Bürgersteig lohnt sich

Bei dem Rundgang durch die Innenstadt lohnt sich auch ein Blick auf den Bürgersteig. Die von Künstler Gunter Demnig entworfenen „Stolpersteine“, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, ziert eine „Alte DIN 1451“. Sie besteht ausschließlich aus Versalien. „Der Kontext macht Sinn“, sagt Haas, denn die Normschrift sei insbesondere in den 1930er Jahren vielfach zum Einsatz gekommen.

Entlang der Großen Straße bedarf es nur weniger Schritte, um weitere interessante Schriftarten und deren Herkunft zu erkunden. Zudem lohnt sich ein Abstecher zu den Standorten im Zitadellenpark oder am Kreuzweg. Eine festgelegte Marschroute schreibt der Stadtplan nicht vor. Interessierte können anhand der Karte und der digitalen Unterstützung ganz eigenständig ihren Weg wählen.

Hingucker in der Geschäftswelt: Slate Light“ nennt der Experte diesen schmucken Schrifttyp. Foto: SpeckmannHingucker in der Geschäftswelt: „Slate Light“ nennt der Experte diesen schmucken Schrifttyp. Foto: Speckmann

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) begrüßt das Projekt, das von Nicole Helis als Mitarbeiterin der Stabstelle gemeinsam mit Traugott Haas umgesetzt und von der Stadt Vechta finanziert wurde. Im Nachgang der Ausstellung sei eine neue Form der Stadtführung entstanden, so Kater weiter. „So können Gäste Vechta entdecken, aber auch unsere Bürgerinnen und Bürger ihre Stadt noch einmal ganz anders wahrnehmen.“

  • Info: Der Stadtplan liegt in Rathaus, Museum und Tourist-Information Nordkreis Vechta aus. Der digitale Zugriff ist unter www.vechta.de (Rubrik Freizeit) möglich.

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