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Die Treue im roten Kostüm

Kolumne: Auf ein Wort – Wie geht eigentlich treu sein und wie soll der christliche Glaube weitergegeben werden? Wichtig dafür sind beständige Vorbilder in einer unsicheren Zeit.

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Faszinierend: Da weint die 17-Jährige Arm in Arm mit ihrer Freundin ebenso wie der ergraute Harley-Davidson-Fahrer in Lederjacke. Die Kassiererin im Ruhestand schämt sich ihrer Tränen um die Queen vor laufender Kamera genauso wenig wie der Professor mit der randlosen Brille. Und das rund um den Globus. Dabei war die britische Königin – mit Ausnahme ihrer Kostüme in Quietsch-Grün oder Feuerrot – objektiv betrachtet unscheinbar: hat nicht auf Tischen getanzt, keine Skandale produziert, keine Bücher geschrieben. Warum wird sie also so sehr verehrt? Was fasziniert die Menschen auf der ganzen Welt an ihr? Neben vielem sicher ihre Zuverlässigkeit, ihre Beständigkeit, ihre Treue.

Nicht heute so, morgen so. Keine Fahne in den Wind gehängt. Niemandem nach dem Mund geredet. Einfach verlässlich.

"Ich weiß [...], dass verlässliche Vorbilder ihren Wert haben. In diesen Welt-Wandel-Zeiten alleine dadurch, dass sie da sind."Dietmar Kattinger

Ihren „Tag der Treue“ haben jetzt nach einer Corona-Zwangspause 150 Kolping-Männer und Frauen wieder begangen. Zentral für das Oldenburger Land in Friesoythe. Wie viele Jahre es wohl mit dem Taschenrechner zusammengezählt sein mögen, die diese Frauen und Männer zu ihrem Verband standen und es weiter tun? Beim abschließenden Kolping-Lied am Ende des Gottesdienstes war die Leidenschaft mit Händen zu greifen. Das mag für einen 15-Jährigen alles nicht sexy klingen. Nicht nachvollziehbar sein. Ich weiß andererseits, dass verlässliche Vorbilder ihren Wert haben. In diesen Welt-Wandel-Zeiten alleine dadurch, dass sie da sind.

„Ich bin der Ich-bin-da“ antwortet der Gott des ersten Testamentes auf die Frage, was sein Name und damit sein Wesen sei (Ex 3,14). Und ein paar Kapitel weiter in einer ebenso zentralen, wenn nicht gar der zentralen Stelle der Bibel Jesu heißt es: „Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue (Ex 34,6).“

Wir wird der christliche Glaube die nächsten Jahre weitergegeben?

Wie geht treu sein? Darum haben in der vergangenen Woche gut 200 Männer und Frauen aus Deutschland gerungen. Als Vertreter aller Katholiken unseres Landes. Sie haben darum gebetet und gerungen und gestritten, wem und wie sie morgen treu sein sollen. Wie die 2000-jährige Tradition des christlichen Glaubens weitergegeben werden kann.

Der aus dem Emsland stammende Hildesheimer Bischof Wilmer hat ein Wort zitiert, das für die Frankfurter Kirchenversammlung gilt, das auch jedem Einzelnen Richtschnur sein kann: „Wir müssen GOTT treu sein“. Nicht dem Ego. Nicht der Angst. Nicht dem Übermut. Sondern IHM. Die Queen sah das übrigens auch so.


Zur Person: 

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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