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Die Tochter findet das Virus "ziemlich blöd"

Die in Wales lebende Friesoytherin Claudia Bennett erzählt von der Stimmung in Großbritannien. Medikamente sind rationiert, und ob ihr deutscher Führerschein noch gültig ist, weiß sie noch nicht.

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Komplett geschlossen: Wales und Südengland sind im totalen Lockdown. Für die in Wales lebende Friesoytherin Claudia Bennett (geb. Hillebrand) bedeutete das jede Menge Planänderungen. Foto: picture alliance/dpa/PA Wire / Martin Rickett

Komplett geschlossen: Wales und Südengland sind im totalen Lockdown. Für die in Wales lebende Friesoytherin Claudia Bennett (geb. Hillebrand) bedeutete das jede Menge Planänderungen. Foto: picture alliance/dpa/PA Wire / Martin Rickett

Die Briten sind derzeit doppelt gebeutelt: Das Coronavirus ist mit einer neuen, noch ansteckenderen Mutation unterwegs und beim Brexit sind trotz der Einigung in letzter Sekunde noch viele Fragen offen. Die gebürtige Friesoytherin Claudia Bennett (geb. Hillebrand), die inzwischen in Cardiff/Wales lebt, betont aber erst einmal den positiven Aspekt: "Ich bin gesund", sagt sie im Gespräch mit OM online gleich zu Beginn.

Dann aber wird deutlich, wie sehr die beiden Ereignisse in ihr Leben und das ihrer Familie eingreifen. Zu Weihnachten beispielsweise sollten ihre Schwiegereltern, die südlich von London wohnen, nach Cardiff kommen. "Da mussten wir die Pläne ändern, denn wir dürfen derzeit keine Gäste im Haus haben", erzählt Bennett. "Wales und Südengland sind im Lockdown."

"Eigentlich wollten wir den Jahreswechsel in Friesoythe verbringen, aber wir haben uns einfach nicht getraut, Tickets zu kaufen."Claudia Bennett, Wahlbritin

Und auch Silvester muss anders laufen als geplant. "Eigentlich wollten wir den Jahreswechsel in Friesoythe verbringen, aber wir haben uns einfach nicht getraut, Tickets zu kaufen." Es sei schlichtweg zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar gewesen, welche Regelungen Ende Dezember für eine Reise von Großbritannien nach Deutschland gelten würden.

Auch an anderen Punkten machen sich Brexit und Corona bemerkbar. "Ich weiß nicht, ob mein deutscher Führerschein künftig noch in Großbritannien gilt und ich weiß auch nicht, ob ich mit der doppelten Staatsbürgerschaft, aber ohne Wohnsitz in Deutschland, trotz Corona einreisen dürfte", nennt Bennett 2 Fragen, die sie derzeit umtreiben. "Es ist emotional belastend nicht zu wissen, ob ich im Notfall schnell nach Deutschland kommen könnte."

Die Politikwissenschaftlerin Dr. Claudia Bennett lehrt und forscht an der Universität Cardiff in Wales. Foto: BennettDie Politikwissenschaftlerin Dr. Claudia Bennett lehrt und forscht an der Universität Cardiff in Wales. Foto: Bennett

Bennetts Ehemann wiederum benötigt Medikamente, die er normalerweise als Drei-Monats-Vorrat erhält. "Die Medikamente werden auf dem Festland hergestellt, die Abgabe ist momentan rationiert", erzählt die an der Universität Cardiff arbeitende Politikwissenschaftlerin. "Derzeit gibt es die Medikamente immer nur für einen Monat."

Selbst beim Corona-Impfstoff, der ebenfalls aus Kontinentaleuropa geliefert wird, ist längst nicht alles so klar, wie es den Anschein hat. "Es gibt deshalb Notfallpläne für den Transport der Impfdosen mit Militärhubschraubern", erzählt Bennett. Nach Ansicht vieler Briten habe die Kombination von Lockdown und Brexit eine Ahnung davon vermittelt, wie es in Großbritannien bei einem harten Brexit ohne Abkommen ausgesehen hätte.

Kurze Vorlaufzeiten bei Lockdown-Vorgaben ärgerlich

Insgesamt, so Bennett, sei die Stimmung in Großbritannien derzeit ziemlich düster. Nicht nur, dass die Menschen ihre sozialen Kontakte vermissen. Der komplette Lockdown für Wales beispielsweise sei in der Woche vor Weihnachten am Samstagnachmittag bekannt gegeben worden und um Mitternacht in Kraft getreten. "Da hatten die Geschäfte dann nur noch ein paar Stunden lang offen, viele standen deshalb schlicht ohne Geschenke da."

Und gerade diese kurzen Vorlaufzeiten bei den Lockdown-Vorgaben seien besonders ärgerlich. "Man wusste vor dem Totallockdown nie, wie es in der kommenden Woche mit der Schule und den Geschäften sein wird", beklagt die Wahlbritin.

Darunter litt dann auch die ältere der beiden Töchter. Während die Dreijährige durchgehend zur Kita gehen konnte, musste sich die Fünfjährige daran gewöhnen, zu Hause zu bleiben. "Das hat natürlich geklappt, aber sie fand es ziemlich langweilig“, erzählt Bennett. "Sie findet das Virus ziemlich blöd."

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