Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Die Speckmanns bauen – fast ohne Abfall

Die Familie lässt in Lohne ein Massivholzhaus errichten, das nach dem „Cradle to Cradle“-Konzept zertifiziert ist. Auch in anderen Bereichen setzen die künftigen Eigenheimbesitzer auf Nachhaltigkeit.

Artikel teilen:
Sebastian und Laura Speckmann, im Bild mit Sohn Franz, freuen sich auf den Einzug in ihr nachhaltiges Eigenheim. Mario Drees (Zimmerer Profibau) leitet den Neubau und berät die Familie bei dem Projekt. Foto: Timphaus

Sebastian und Laura Speckmann, im Bild mit Sohn Franz, freuen sich auf den Einzug in ihr nachhaltiges Eigenheim. Mario Drees (Zimmerer Profibau) leitet den Neubau und berät die Familie bei dem Projekt. Foto: Timphaus

Gesundes Wohnen – das war das Ansinnen, mit dem Laura und Sebastian Speckmann aus Mühlen vor mehr als 3 Jahren ihr Projekt Eigenheim starteten. Im Zuge der Recherche entwickelten sie sich – wie so viele Häuslebauer – zu wahren Bauexperten. Am Ende dieses Prozesses stand die Entscheidung: Wir bauen ein Massivholzhaus und wollen dabei möglichst wenig Abfall erzeugen. Ihr nachhaltiges Eigenheim, dessen Hülle nach dem „Cradle to Cradle“-Konzept zertifiziert ist, entsteht aktuell im neuen Wohngebiet südlich des Nachtigallenwegs in Lohne. 

"Cradle to Cradle"? Das  heißt “von der Wiege bis zur Wiege” –  also vom Ursprung zum Ursprung. Gemeint ist ein durchgängiger und konsequenter Kreislauf, in dem der Abfall minimiert wird und alle Rohstoffe wiederverwendet werden können – ohne umweltschädliche Stoffe zurückzulassen. Das ist die Definition.

Die Lohner Politik hatte kürzlich auf Antrag der SPD-Fraktion über das Konzept der Ökoeffektivität und die Anwendbarkeit bei städtischen Bauvorhaben beraten. Die Stadtverwaltung soll nun zunächst weitere Informationen einholen.

Die künftigen Eigenheimbesitzer sind da schon einen Schritt weiter. „Wir setzen C2C in die Tat um“, sagt Sebastian Speckmann glücklich. Es sei ihnen ein Anliegen dazu beizutragen, dass sich noch mehr Menschen für klimaneutrales und gesundes Wohnen entscheiden.

Südlich des Nachtigallenwegs: Ein Kubushaus mit 190 Quadratmetern Wohnfläche wird das neue Zuhause der Familie Speckmann. Foto: TimphausSüdlich des Nachtigallenwegs: Ein Kubushaus mit 190 Quadratmetern Wohnfläche wird das neue Zuhause der Familie Speckmann. Foto: Timphaus

Das Massivholzhaus errichtet die Firma Zimmerer Profibau aus Preußisch Oldendorf. Sie ist Vertriebspartnerin des Unternehmens Thoma, das seinen Sitz im österreichischen Goldegg hat. Mario Drees ist Betriebsleiter bei Zimmerer Profibau und betreut das Bauprojekt in Lohne.

Das Massivholz-Bausystem „Holz100“ der österreichischen Firma besteht laut Drees aus unbehandeltem Nadelholz, das in einer abnehmenden Mondphase im Winter geschlagen wurde. Dadurch werde nach Angaben des Bauleiters die „höchste Holzqualität“ erreicht. Die Mondholz-These ist aber wissenschaftlich (noch) umstritten.

"Das gesündeste Haus der Welt"

Laut dem Unternehmen von Dr. Erwin Thoma, auch als Buchautor sehr erfolgreich, ist „Holz100“ der einzige Baustoff weltweit, der mit dem „Cradle to Cradle“-Zertifikat in Gold ausgezeichnet wurde. Um das Haus zu recyceln, müssen lediglich die mechanischen Verbindungen gelöst werden.

Die Bauteile wurden speziell für das Haus der Familie Speckmann gefertigt. Die Verbindung erfolgt mittels Buchendüdeln, die in den Brettschichten unlöslich aufquellen.

Thoma produziere das „gesündeste Haus der Welt“, heißt es selbstbewusst auf der Firmenwebseite. Drees lobt auch die wärmespeichernde Wirkung des Systems. Das Haus erhalte schließlich den höchsten KfW-Standard 40 Plus. „Wir bauen etwa 3 bis 4 Thoma-Häuser pro Jahr“, gibt er an. Der Anteil von Holzhäusern beim Eigenheimbau liege deutschlandweit bei etwa 20 Prozent, „im Norden sind es wohl rund 14 Prozent“.

"Nachhaltigkeitsbonus" bei Neubauten

Die Mehrkosten für ein Massivholzhaus beziffert Drees bei Berücksichtigung identischer Standards mit etwa 15 Prozent. Er weist darauf hin, dass in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) künftig einen „Nachhaltigkeitsbonus“ bei Neubauten vergeben werde.

Drees gibt zu, dass sich ein perfektes Kreislaufsystem beim Hausbau (noch) nicht verwirklichen lassen. Sebastian Speckmann sagt aber, dass er auch an anderer Stelle nachhaltig gedacht werde. So kommen Kalkputz an den Wänden und ökologische Dämmstoffe wie Jute und Holzfasern zum Einsatz. „Eine tolle Hülle mit PVC innen hätte keinen Sinn gemacht“, konstatiert der 47 Jahre alte Grundschullehrer.

"Gesundheit für uns, Gesundheit für die Natur – das bedingt sich doch."Laura Speckmann, Häuslebauerin in Lohne

Seine Ehefrau Laura sagt: „Ich habe eine Hausstaub-Allergie. Deshalb hat mir der Ansatz der Wohngesundheit zugesagt. Er war aber nicht ausschlaggebend.“ Die 31-Jährige, ebenfalls Grundschullehrerin, sieht es als selbstverständlich an, sich Gedanken über ein möglichst ressourcenschonendes Leben zu machen. „Gesundheit für uns, Gesundheit für die Natur – das bedingt sich doch.“

Der Umzug soll im Mai über die Bühne gehen

190 Quadratmeter auf  2 Stockwerken stehen dem Ehepaar sowie den Kindern Johannes (11), Hannah (9) und Franz (15 Monate) in dem Kubushaus künftig zur Verfügung. Der Umzug soll im Mai über die Bühne gehen.

Nachhaltigkeit steht bei den Speckmanns aber auch in anderen Bereichen im Fokus. So soll eine Photovoltaikanlage auf dem Dach den Strom liefern, mit Hilfe einer Regenwasserzisterne will die Familie in Haushalt und Garten Trinkwasser sparen. „Wir wollen den Gedanken auch auf dem Grundstück fortsetzen. Wir planen eine Totholzhecke und einen Gemüsegarten, wollen uns ein paar Hühner und vielleicht eine Bienenzucht anschaffen“, freut sich Sebastian Speckmann. „Wir haben es nie bereut, uns für diese Hausform entschieden zu haben.“

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Die Speckmanns bauen – fast ohne Abfall - OM online