Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Die Sache mit dem Alter

Meine Woche: Musik macht mich gelegentlich auf die wirklich wichtigen Fragen aufmerksam. Zum Beispiel: Wie alt bin ich eigentlich?

Artikel teilen:

Ich gehöre ja zu dieser Sorte Mensch, die beim Musikhören tatsächlich auch manchmal auf die Texte hört. Nicht immer, aber immer öfter. Das führt einem zwar manchmal die absolute Oberflächlichkeit von Songtexten vor Augen, gelegentlich gibt es aber auch Denkanstöße. So erging es mir jetzt auch, als das Lied "Don't Let the Old Man In", gesungen von der lebenden Country-Legende Willie Nelson, entgegenschallte. Da blieb bei mir die Textpassage "Ask yourself how would you be if you didn't know the day you were born" hängen. 

Eine spannende Frage eigentlich. Natürlich ändert die Kenntnis des eigenen Geburtstages wenig am tatsächlichen Alter. Aber wie heißt es doch immer so schön: "Du bist immer nur so alt, wie du dich fühlst." Schon die Tatsache, dass ich mich mit meinen 30 Jahren schon auf so ein Thema stürze, muss mich stutzig machen. Das Sinnieren über das eigene Alter hatte ich eigentlich erst später erwartet. Danke, Willie Nelson. Aber zurück zum Thema: Wie alt bin ich jetzt eigentlich?

Aus dem Bauch heraus würde ich mich ja noch als jung bezeichnen, auch wenn mir nach einer schnellen Google-Recherche ein Autor des Sterns in einem Artikel mitteilt, dass es ab 30 bergab geht. Aber davon lasse ich mich nicht beirren. „Ask yourself how would you be if you didn't know the day you were born“. Also gut, ich weiß ja jetzt für dieses Gedankenexperiment gar nicht, wie alt ich bin. Mein Haar ist noch voll und auch noch in seiner ursprünglichen Farbe, die Knochen machen noch halbwegs mit und eine Brille benötige ich auch noch nicht. Zugegeben, im letzten Satz steht sehr oft "noch".

"Letzten Endes muss ich zugeben, dass ich keine Ahnung habe, wie alt ich mich fühle."Aaron Dickerhoff

Als Kind war man für mich mit 18 Jahren alt. Da war man groß genug, um im Schwimmbecken die letzte Stufe zu betreten (bestimmt eine Wassertiefe von 1,10 Meter) oder die nächste Spritze beim Arzt zu bekommen. Diese Erwartungen habe ich mit der eigenen Volljährigkeit erfüllen können, alt habe ich mich trotzdem nicht gefühlt. Die Jahre gingen ins Land, es folgten Studium, Berufseinstieg, Hochzeit und das erste Kind. Fühle ich mich jetzt alt? Nicht wirklich. 

Andererseits denke ich mir oft genug, dass ich im Kopf doch schon eher Richtung Ruhestand gehe. Regelmäßig erzähle ich, dass ich mich danach sehne, im Park zu sitzen und mit Freunden über die Jugend von heute zu schimpfen. Kleidung, Musik oder Sprache der "jungen Leute" kann ich schon lange nicht mehr verstehen.  Und doch liegen wohl noch fast 40 Jahre zwischen mir und meiner Parkbank, von der aus ich pöbeln kann. Das ist eine lange Zeit. 

Letzten Endes muss ich zugeben, dass ich keine Ahnung habe, wie alt ich mich fühle. Irgendwas zwischen 17 und 70 wird es wohl sein. Ein klares Indiz dafür, dass ich nicht mehr der Allerjüngste sein kann, ist aber wohl der Aufhänger dieses Textes: Welcher junge Mensch hört denn bitte Willie Nelson? Aber ich kenne ja meinen Geburtstag, welch ein Glück!


Zur Person:

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Die Sache mit dem Alter - OM online