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Die Krise in der Ukraine wird auch aus Goldenstedt und Vechta gemanagt

Für das internationale Malteser-Hilfswerk organisiert Michael Daemen Lkw-Transporte, kauft Betten, bucht Frachtaufträge. Dass Hilfe in der Ukraine ankommt, ist auch eine logistische Herausforderung.

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Der Kampf gegen menschliches Leid wird auch hier geführt: Michael Daemen in seinem Büro in der Zentrale der Malteser im Offizialatsbezirk Oldenburg am Vechtaer Lattweg. Foto: Ebert

Der Kampf gegen menschliches Leid wird auch hier geführt: Michael Daemen in seinem Büro in der Zentrale der Malteser im Offizialatsbezirk Oldenburg am Vechtaer Lattweg. Foto: Ebert

Schlafsäcke und Feldbetten, Nahrungsmittel und Medikamente: Solche Dinge werden in der kriegsgeplagten Ukraine dringend gebraucht, seitdem die russische Armee das osteuropäische Land vor mehr als 3 Wochen überfallen hat. Spätestens mit Kriegsbeginn ist eine internationale Hilfslogistik angelaufen: Viele professionelle Organisationen arbeiten seither rund um die Uhr daran, Flüchtlingen und Eingeschlossenen zu helfen.

An zentraler Stelle dabei: Michael Daemen aus Goldenstedt. Er ist im Krisenstab von Malteser International für die Logistik der europäischen Hilfsaktionen für die Ukraine zuständig. Wenn Lastwagen aus Westeuropa sich in Richtung Osten auf den Weg machen, um Hilfsgüter in die Ukraine oder in die angrenzenden EU-Länder Polen oder Rumänien zu bringen, dann fahren sie – bildlich gesprochen – über Daemens Schreibtisch. Besser gesagt: über einen seiner drei Schreibtische. Denn seit Beginn des Krieges arbeitet er nicht mehr nur in seinem alltäglichen Büro am Vechtaer Lattweg; die Hälfte der Zeit verbringt er auch in Köln, wo der internationale Zusammenschluss der Malteser seine weltweite Zentrale hat. Daneben gibt es natürlich auch den Schreibtisch im heimischen Büro, den so viele in Pandemiezeiten kennengelernt haben.

Für den aus Jever stammenden Daemen ist der jetzige Einsatz keinesfalls der erste Kontakt mit Osteuropa. Bei den Maltesern im Offizialatsbezirk ist er Referatsleiter für den Auslandsdienst. Daneben ist er der Spezialist der deutschen Malteser für Belarus – jenen post-sowjetischen Staat, aus dem russische Truppen jetzt auch die Ukraine angegriffen haben. Jenen Staat, der im vergangenen Jahr die Europäische Union mit einer künstlichen Flüchtlingswelle unter Druck setzen wollte. Daemen kennt all das, er kennt sich vor Ort aus, hat Kontakte.

Foto: EbertFoto: Ebert

Feldbetten, Schlafsäcke – Daemen kauft nur im großen Maßstab

Nachdem Russland am frühen 24. Februar in die Ukraine einmarschiert war, dauerte es nur wenige Stunden, bis Malteser International einen Stab bildete – und Daemen als Logistikexperten anfragte. Seither koordiniert er Materialtransporte nach Polen, nach Rumänien, nach Moldawien – teilweise auch bis in die Ukraine hinein. Daemen verhandelt mit Speditionen über Frachtkosten, kauft – wie kürzlich – in den Niederlanden 750 Feldbetten, besorgt Hunderte Schlafsäcke. Und so weiter.

Allein in der kommenden Woche schickt er wieder drei Sattelschlepper auf den Weg nach Osten. Eines der Themen, mit denen sich der 66-Jährige dabei herumschlagen muss: die Zollbestimmungen. Denn wer von Polen in die Ukraine fährt, muss allerhand Papierkram vorab erledigt haben, damit die wichtigen Güter an der EU-Außengrenze nicht unnötig lange aufgehalten werden. Die Bürokratie, sagt Daemen, sei in der Ausnahmesituation des Krieges zwar etwas einfacher geworden; sie kosten aber „immer noch viel Zeit“, selbst bei der Organisation von lebensnotwendigen Hilfstransporten.

Erst Berufssoldat, jetzt Helfer in der Not

Daemen war in seinem ersten Leben 33 Jahre lang Berufssoldat, zuletzt Oberstabsfeldwebel bei der Luftwaffe. Disziplin, das ist nichts, was ihm fremd ist. Trotzdem sagt der dreifache Vater nach mehr als 3 Wochen Einsatz: „16 Stunden Arbeit am Tag, 7 Tage die Woche – das hält man nicht lange durch.“ Bei Malteser International schaue man daher derzeit, wie man die Mitarbeiter im Stab entlasten könne. Die Aufgaben sollen auf mehrere Schultern verteilt werden. Denn auch wenn viele Beobachter zu Beginn des Feldzuges mit einem schnellen Ende desselben gerechnet hatten, ist ein solcher anscheinend in weite Ferne gerückt.

Von Holland nach Lwiw, von Südeuropa nach Polen: Daemens Maßstab reicht von der einen Seite Europas bis zur anderen. Manchmal wird er aber auch vor der eigenen Haustür fündig. Dann kauft er tonnenweise Lebensmittel beim Großhandel in Südoldenburg. Oder bittet ehrenamtliche Malteser aus Lutten und Visbek, drei Zelte und Rollstühle an einen ukrainisch-rumänischen Grenzübergang zu bringen. Dort werden sie benötigt, um Ankömmlinge aus der Ukraine versorgen zu können.

Hilfe im Krieg, das ist nicht nur eine Frage des guten Willens, sondern auch der guten Organisation. Daemen weiß das – und tut das Seine von Goldenstedt, Vechta und Köln aus, damit möglichst viel Hilfe möglichst zielgerichtet ankommt.

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