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Die Kolpingsfamilie Visbek feiert ihren 100. Geburtstag

1922 initiierten vier Männer die Gründung des katholischen Gesellenvereins. Bis heute prägen die Mitglieder das Gemeindeleben.

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<em></em><em>Gründungsmitglieder: Clemens Schillmöller (Schneidermeister aus Erlte, von links), Bernard Tönjes (Tönnies, Zimmerermeister aus Erlte), Bernard Hake (Elektromeister aus Visbek) sowie Franz Schillmöller (Schneidermeister aus Erlte) bemühten sich 1922 um den katholischen Gesellenverein Visbek. Foto: Archiv Kolpingsfamilie Visbek&nbsp;</em>

Gründungsmitglieder: Clemens Schillmöller (Schneidermeister aus Erlte, von links), Bernard Tönjes (Tönnies, Zimmerermeister aus Erlte), Bernard Hake (Elektromeister aus Visbek) sowie Franz Schillmöller (Schneidermeister aus Erlte) bemühten sich 1922 um den katholischen Gesellenverein Visbek. Foto: Archiv Kolpingsfamilie Visbek 

28 Mitglieder zählte der katholische Gesellenverein Visbek bei seiner Gründung im Jahr 1922. Heute – 100 Jahre später – sind es 258 Personen, die der Kolpingsfamilie Visbek angehören. Der Name hat sich zwar geändert, der soziale und christlich motivierte Grundgedanke ist aber bis heute der gleiche. Dieses Jubiläum nehmen die Mitglieder der Visbeker Kolpingsfamilie zum Anlass, am 16. Oktober (Sonntag) gemeinsam zu feiern.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts habe es Bestrebungen gegeben, einen eigenen katholischen Gesellenverein in Visbek zu gründen, erzählt Franz-Josef Lamping, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Visbek. Vonseiten des damaligen Pastors habe es aber zu wenig Unterstützung dafür gegeben, weshalb mehr als 20 Jahre vergingen, bis ein neuer Versuch unternommen wurde. Die Gesellen Klemens und Franz Schillmöller aus Erlte sowie die Gesellen Bernhard Hake und Bernhard Tönjes schlossen sich zunächst dem Gesellenverein Vechta an. Aber da der Weg dorthin – mit dem Fahrrad – sehr weit war, initiierten sie 1922 mit Unterstützung des damaligen Visbeker Pfarrers Friedrich Frilling die Gründung eines eigenen Vereins in Visbek.


Adolph Kolping und seine Gesellenvereine

  • Adolph Kolping wurde am 8. Dezember 1813 in Kerpen bei Köln geboren. Mit 13 Jahren begann er seine Lehre beim örtlichen Schuhmachermeister. Nach der Gesellenprüfung übte Kolping seinen Beruf insgesamt 10 Jahre lang aus und lernte in dieser Zeit das Elend der wandernden Gesellen kennen.
  • Adolph Kolping holte sein Abitur nach, studierte Theologie und empfing schließlich am 13. April 1845 seine Priesterweihe.Während seiner Tätigkeit als Kaplan in Elberfeld gründete er den „Katholischen Jünglingsverein zu Elberfeld" für junge Handwerker, um damit die örtlichen sozialen Probleme zu bewältigen.
  • Im April 1849 ließ Adolph Kolping sich als Domivkar nach Köln versetzen. Kurze Zeit später, am 6. Mai 1849, gründete er den Kölner Gesellenverein. Vorbild war das Elberfelder Modell.
  • Der Verein erfuhr regen Zulauf, und die wandernden Gesellen trugen die Vereinsidee von Kolping in die Welt hinaus. Auch Kolpings publizistische Tätigkeiten und die Katholikentage nutzte Kolping zur Mobilisierung seiner Vereinsidee.
  • Am 4. Dezember 1865 starb Kolping.
  • Heute ist das Kolpingwerk Deutschland ein katholischer Sozialverband mit bundesweit mehr als 215.000 Mitgliedern in 2286 Kolpingsfamilien. Es ist Teil des Internationalen Kolpingwerkes und des Kolpingwerkes Europa. (Quelle: www.kolping.de)

Nachzulesen ist dies in der Chronik, die anlässlich des 100. Geburtstages Bestehens der Kolpingsfamilie Visbek angefertigt wurde. Auf 360 Seiten ist ein Jahrhundert Vereinsgeschichte aufgearbeitet worden. Dafür verantwortlich ist die Arbeitsgruppe rund um Elisabeth Naffin, Michael Düvel, Heinz Thie und Franz-Josef Lamping. „Ein gutes Jahr“ habe die Gruppe an der Chronik gearbeitet, sagt Franz-Josef Lamping.

100 Jahre soziales Engagement

Das umfangreiche Material, das im Archiv gelagert ist, sollte den Mitgliedern zugänglich gemacht werden, sagt Heinz Thie, Senioren-Beauftragter der Visbeker Kolpingsfamilie. Dafür hat er zuvor rund 2 Jahre lang die mehr als 30 Ordner und Protokollbücher – die teilweise noch in Sütterlin verfasst sind – sowie mehrere 1000 Fotos digitalisiert. Der Heimatverein habe ihn mit zusätzlichen Fotos unterstützt, erzählt der 81-Jährige. Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, das Material zu sortieren und entsprechend zusammenzufassen, sagt Lamping. „Wir wären sonst auf weit mehr als 400 Seiten gekommen.“ Das sei das erste Buchprojekt der Arbeitsgruppe gewesen.

Die Chronik-Arbeitsgruppe: Michael Düvel (Schriftführer, von links), Heinz Thie (Seniorenbeauftragter), Elisabeth Naffin sowie Franz-Josef Lamping (1. Vorsitzender). Foto: ThieDie Chronik-Arbeitsgruppe: Michael Düvel (Schriftführer, von links), Heinz Thie (Seniorenbeauftragter), Elisabeth Naffin sowie Franz-Josef Lamping (1. Vorsitzender). Foto: Thie

Bei der Sichtung der vielen Daten sei er überrascht von der Vielfalt der Aktionen gewesen, die die Kolpingsfamilie in den vergangenen 100 Jahren durchgeführt hat, sagt Franz-Josef Lamping. Insbesondere das soziale Engagement der Mitglieder ziehe sich wie ein roter Faden durch die Chronik, so der 69-Jährige. „Das macht Kolping aus“, sagt Lamping. Das Visbeker Gemeindeleben sei durch die Kolpingsfamilie geprägt worden, ergänzt Thie.

Bernhard Bramlage trotzte den Nazis

Eine beeindruckende Anekdote findet sich über den Tischlermeister Bernhard Bramlage in der Chronik. Als Vertreter der Deutschen Arbeitsfront 1936 von seiner Belegschaft verlangten, aus dem katholischen Gesellenverein auszutreten, warf er die Nationalsozialisten kurzerhand raus. Wie Heinz Thie und Franz-Josef Lamping ausführen, haben die Visbeker Vereinsmitglieder auch während der Zeit des Nationalsozialismus zueinander Kontakt gehalten – trotz der Bemühungen des Regimes, derartige Vereine gleichzuschalten. Die katholischen Gesellenvereine nannten sich auch in dieser Zeit in Kolpingsfamilien um.

Diese Verbundenheit unter den Mitgliedern bestehe heute nach wie vor, berichten die beiden Männer. In der Kolpingsfamilie zu sein, bedeute, seinen Glauben zu leben, sagen sie. „Was nützt der Glaube, wenn ich nur zur Kirche gehe?“, sagt Lamping. Christsein bedeute, sich für die Nächsten einzusetzen. In diesem Zusammenhang gebe es in einer Kolpingsfamilie zahlreiche Möglichkeiten.

Bischof Heinrich Timmerevers besucht Jubiläumsfest

Das soziale Miteinander zeigt sich nicht nur bei den einzelnen Gruppen der Kolpingsfamilie Visbek mit der Theatergruppe, der Seniorengruppe, den zwei Frauengruppen, der Männergruppe, dem Familienkreis und der Bartimäusgruppe, sondern äußert sich auch durch das Engagement der Mitglieder darüber hinaus – sei es bei den Senioren-Messdienern, in der Flüchtlingshilfe oder im Pfarreirat. Mehrere Spendenaktionen, wie Altpapier- oder Handysammelaktionen, gehen auf die Kolpingsfamilie Visbek zurück. Feste Programmpunkte im Vereinsleben sind außerdem die jährlichen Kohlessen, die Nikolausbesuche oder seit diesem Jahr die Wallfahrt innerhalb der Gemeinde Visbek, statt der sonst üblichen Kreuztracht in Lage.

Mit dem Fest am 16. Oktober bei Hogeback in Erlte wolle man den Mitgliedern für ihr Engagement danken, sagt Franz-Josef Lamping. Gestartet wird um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst. Einer der Gäste ist Bischof Heinrich Timmerevers, der in den 1990er Jahren als Pastor in Visbek tätig war und außerdem als Präses der Kolpingsfamilie. Wie Lamping sagt, schließen sich dem Besuch Timmerevers‘ weitere Kolpingsmitglieder aus dem Bistum Dresden-Meißen an.

  • Info: Die Chronik zum 100-jährigen Bestehens der Kolpingsfamilie Visbek ist in einer Auflage von 400 Exemplaren erschienen und kostet pro Ausgabe 25 Euro. Erhältlich ist die Chronik bei Franz-Josef Lamping, bei Heinz Thie, in der katholischen Bücherei sowie während der Feierlichkeiten am 16. Oktober. Überdies können Interessierte die Chronik am Herbstmarkt-Sonntag (9. Oktober) im ArchäoVisbek erwerben.

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