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"Die Kirche hat sich nur zum Schein verändert"

Die KFD-Vorsitzende Elfriede Bruns aus Lastrup fordert Gleichstellung. Die Thesen der Bewegung Maria 2.0 decken sich mit dem Anliegen.

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Elfriede Bruns. Foto: Bruns

Elfriede Bruns. Foto: Bruns

Frauen können in der katholischen Kirche vieles sein: Pastoralreferentinnen, Ehrenamtliche, Seelsorgerinnen, Theologinnen, mit Junia gibt es sogar eine weibliche Apostelin – doch gleichberechtigt sind sie nicht. Dass die katholische Kirche von Geschlechtsstereotypen geprägt ist, ist nicht neu. Frauen können nicht das Weihsakrament erhalten, die Ämter der Diakone, Priester und Bischöfe sind Männern vorbehalten. In der heutigen Gesellschaft wächst das Unverständnis dafür.

"Die Frau hat in der Kirche immer noch eine untergeordnete Stellung", sagt Elfriede Bruns aus Lastrup, erste Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (KFD) des Offizialatsbezirks Oldenburg, im Gespräch mit OM online. Obwohl das subjektiv sei, werde auch objektiv die Gleichstellung der Frauen vom Vatikan nicht gewollt. "Nur Schmücken und Putzen reicht nicht aus", sagt sie.

"Die Frau hat in der Kirche immer noch eine untergeordnete Stellung."Elfriede Bruns

Frauen wollen Ämter einnehmen, bei denen sie am Altar stehen. Höhere Ämter bedeuten zudem höhere Besoldung, damit werden in katholischen Kirchen Männer auch besser bezahlt. Bruns erklärt: "Auf Pfarrei-Ebenen hat sich schon etwas geändert, es wird mehr Verantwortung in die Hände von Laien gegeben – das kann langfristig jedoch nur ein Mittelweg sein."

2019 wurde bei der Deutschen Bischofskonferenz der Synodale Weg beschlossen, neben der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals beschäftigt sich die Versammlung mit Frauen in ihren Diensten und Ämtern. Die Rolle der Frau wird also diskutiert, Bruns bemängelt jedoch, dass es dabei immer wieder zu Verzögerungen kommt. Schon in den 90er Jahren hätte die KFD Gleichstellung gefordert, musste den Passus aber aus ihrem Aufruf streichen, sonst wären die Gelder gestrichen worden.

Thesenanschlag: Die KFD führte die Aktion in Oldenburg gemeinsam mit Maria 2.0“ durch, hier Ulrike Wilsch (links) und Angela Abeln (rechts).      Foto: Christa FeldhausThesenanschlag: Die KFD führte die Aktion in Oldenburg gemeinsam mit „Maria 2.0“ durch, hier Ulrike Wilsch (links) und Angela Abeln (rechts).     Foto: Christa Feldhaus

Solche Sanktionen müssen Frauenorganisationen heutzutage nicht mehr fürchten, die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit sei groß, unabhängig vom Alter und Bildungsstand. Doch die Entscheidungen werden im Vatikan getroffen und das sorgt laut Bruns regelmäßig für Zündstoff, wie die jüngste Entscheidung, Homosexuelle nicht zu segnen. „Die deutsche Amtskirche versucht dann, die Wogen zu glätten. Theoretisch agiert aber jeder Priester, der sich nicht an die Weisungen des Papsts hält, auf wackeligem Boden“, erklärt Bruns.

Die KFD und sie stimmen mit ihren Forderungen größtenteils mit der Initiative "Maria 2.0" überein. Die Bewegung setzt sich für Reformen in der katholischen Kirche und die Amtsöffnung für alle Menschen ein. Ende Februar wurden deutschlandweit Thesen an Kirchentüren angeschlagen, um auf die "eklatanten Missstände" aufmerksam zu machen.

"Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche."Maria 2.0

In den Thesen heißt es: "Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche." Bruns hält die Zusammenarbeit mit "Maria 2.0" für wichtig, die Bewegung könne anders agieren, als der KFD-Verband. Mittlerweile haben 2 Gründerinnen der Initiative angekündigt, aus der Kirche auszutreten, sie haben die Hoffnung auf Veränderung verloren. Viele Mitgliederinnen der KFD engagieren sich ebenfalls bei "Maria 2.0", der Kirchenaustritt sei für Bruns und die KFD-Mitgliederinnen in der Region aber kein Thema.

Stattdessen setze man darauf, sich weiterhin innerhalb der Kirche mit christlichen Werten für das Ziel einzusetzen. Bruns kann die Austritte aber nachvollziehen: "Eigentlich stellt man sich jeden Tag die Frage, ob es sich noch zu kämpfen lohnt." Die Vorsitzende hat mittlerweile Zweifel, dass das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit erreicht wird, doch aufgeben möchte sie nicht. Für sie ist die Gleichstellung von Menschen männlichen, weiblichen und diversen Geschlechts ein christlicher Grundsatz. "Die Gesellschaft hat sich verändert, die Kirche aber nur zum Schein." Ohne Frauen hätte die katholische Kirche nach Bruns‘ Ansicht keine Existenzberechtigung, die alles entscheidende Frage wäre: "Möchten die Verantwortlichen wirklich eine Veränderung oder nehmen sie die sinkenden Mitgliedszahlen in Kauf?"

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