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Die Insel und das graue Band

Kolumne: Batke dichtet – Im Mallorca-Urlaub fällt auf: Die Insel hat nichts von ihrem Zauber verloren – und das trotz des Ukraine-Krieges und des schlechten Wetters am Mittelmeer.

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Es war mal wieder an der Zeit für eine Auszeit. Wobei Sie sich womöglich zurecht fragen, warum ein Ruheständler überhaupt eine Auszeit benötigt. Auszeit von was? Auszeit vom Alltag, vom Grau ins Blau. Egal, nennen Sie es Fernweh, Lust auf einen Tapetenwechsel, Sehnsucht nach prall gefüllten Orangen- und Zitronenbäumen oder einfach Bock auf Mallorca. Der Frühling auf der Baleareninsel ist immer eine Verheißung.

Mit etwas Wehmut denkt man an vorcoronale Zeiten zurück, als das Vorzeigen des Personalausweises noch ausreichte, um sich den Eintritt ins EU-Bruderland Spanien zu verschaffen. Heutzutage muss man im Vorfeld der Reise einen nicht unkomplizierten Formular-Marathon absolvieren, um einen Fuß auf die vermeintliche Sonneninsel setzen zu können. Dabei will man doch nicht in die Innere Mongolei, sondern lediglich in die Nachbarschaft.

Also: Auch im dritten Jahr der Pandemie benötigt man als Eintritt einen QR-Code, der sich im Prinzip leicht generieren ließe. Im konkreten Fall klappte das bei meiner Frau auch relativ reibungslos, das entsprechende Gesundheitskontrollformular (so heißt das wirklich) von Spain Travel Health war zeitnah mit dem benötigten Quadrat aus schwarzen und weißen Punkten und Linien versehen und per Mail zugestellt worden. Warum das bei mir nicht funktionieren wollte, blieb lange rätselhaft. Erst mit direkter telefonischer Kontaktaufnahme zur Behörde in Madrid ließ sich der Sachverhalt aufklären – bis dahin hatte ich bei drei Versuchen exakt 126 Minuten in der Warteschleife verbracht und zwischenzeitlich erwogen, nach Wangerooge umzubuchen.

„Sehen wir mal vom Wetter ab, das hatte sich in der Zeit unseres Aufenthalts der Tristesse der allgemeinen Weltlage angepasst.“Alfons Batke

Wie's war in den 10 Tagen, die wir auf der Insel verbrachten, wollen Sie wissen? Mallorca selbst, dieses unglaublich abwechslungsreiche und landschaftlich wunderbare Eiland, stellt einen Wert an sich dar – also war's wie immer schön. Sehen wir mal vom Wetter ab, das hatte sich in der Zeit unseres Aufenthalts der Tristesse der allgemeinen Weltlage angepasst. Während uns aus Südoldenburg permanent Bilder und Beschreibungen darüber erreichten, wie mediterran es gegenwärtig in Südoldenburg sei, ließ der Frühling auf Mallorca sein graues Band flattern.

Im Inselradio (deutsche Ausgabe) klang das dann so: „Der spanische Wetterdienst Aemet warnt vor heftigem Sturm und Orkanböen. An der Ostküste gilt wegen des hohen Wellengangs die Warnstufe orange. Mit heftigen Niederschlägen und verbreitet auch mit Schlammregen ist zu rechnen.“ Keine leeren Versprechungen. Feinstes Nordseewetter im Mittelmeer.

Der positiven Grundstimmung der Mallorquiner taten die Wetter-Kapriolen keinen Abbruch. Die Insel rüstet sich für den Oster-Ansturm, die Buchungszahlen sind verheißungsvoll. Nach zwei Jahren mit teilweise existenzbedrohlichen Einbußen für viele vom Tourismus lebenden Menschen rechnen sie mit einer Saison, die das Niveau von 2019 erreichen könnte.

Denn trotz Pandemie und der wegen des Ukraine-Krieges gedrückten Stimmung hat die Insel nichts von ihrem Zauber verloren. Da können ihr auch zehn Tage mieses Wetter nichts anhaben. Doch warum mussten ausgerechnet wir das abkriegen? Fragten wir uns, als wir vom spanischen Grau ins deutsche Blau rauschten. Ehe der Winter wiederkam.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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