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Die Hilfe für Indien ist dringender denn je

Der Bakumer Arbeitskreis ist besorgt über die dramatische Lage in dem südasiatischen Staat. Dort hat nicht nur Corona Spuren hinterlassen.

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Für die, die es am dringendsten brauchen: Verteilung von Waren an Bedürftige, die durch Zyklon und Corona in Indien besonders hart getroffen sind. Foto: privat

Für die, die es am dringendsten brauchen: Verteilung von Waren an Bedürftige, die durch Zyklon und Corona in Indien besonders hart getroffen sind. Foto: privat

Tropischer Wirbelsturm, Überschwemmungen und als "Zugabe" Corona: Das ohnehin nicht leichte Leben vieler Menschen in Indien steht in diesem Jahr vor ganz besonderen Herausforderungen. Daher blicken Marietheres Stoppel, Vorsitzende des Arbeitskreises Indienhilfe e.V. Bakum, und ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen schon seit geraumer Zeit mit großer Sorge auf die Nachrichten aus dem südasiatischen Staat. Der rangiert im weltweiten "Covid-19-Ranking" immerhin hinter den USA und Brasilien auf Platz drei mit über 1,58 Millionen Erkrankten (Stand 30. Juli) - wobei die Dunkelziffer höher liegen dürfte.

Vorprogrammierte Katastrophe

Wie dramatisch sich die Lage nach einem von der indischen Regierung im März verhängten (und mittlerweile teilweise etwas gelockerten) Lockdown entwickelt hat, beschreibt Marietheres Stoppel in einem Infobrief an die Förderer der Straßen- und Slumkinder aus Kalkutta und an die Paten. "Uns erreichen (...) erschütternde Berichte von unseren Projektpartnern und Freunden. Der Hunger und das Elend der Armen dort ist katastrophal. Millionen Menschen dort sind Tagelöhner. Sie leben von der Hand in den Mund, von dem, was sie täglich als Rikschafahrer, Arbeiter auf Feldern oder in Fabriken, Hausmädchen, Dienstleister am Straßenrand etc. verdienen." Es ging von jetzt auf gleich, Wanderarbeiter konnten sich nicht in Sicherheit bringen, die Leute keine Vorräte anlegen. Die Katastrophe, so Marietheres Stoppel, war praktisch vorprogrammiert.

Der Lockdown bedeutet(e) für viele Inder keine Arbeit, kein Geld, keine sozialen Auffangsysteme, keine Arztbehandlungen - und "on top" die ohnehin schlechte medizinische Versorgung für die arme Bevölkerung. Marietheres Stoppel zitiert in dem Kontext den Leiter von Caritas International und spricht von einer "Pandemie des Hungers". Dazu habe auch der heftige Zyklon "Amphan" im Mai beigetragen, dessen Sturm und Überflutungen Häuser zerstörten und Ernten vernichteten. Vielen stehe oder stand das Wasser wortwörtlich bis zum Hals. "Da denkt man nicht mehr an Abstandsregeln", macht Margret Meyer aus dem Arbeitskreis deutlich.

Straßenkinder in Kalkutta vor Bergen von Lebensmitteln: Sie helfen mit beim Verpacken der Pakete. Das gehört auch mit zur Lebensphilosophie: helfen und Verantwortung übernehmen. Foto: privatStraßenkinder in Kalkutta vor Bergen von Lebensmitteln: Sie helfen mit beim Verpacken der Pakete. Das gehört auch mit zur Lebensphilosophie: helfen und Verantwortung übernehmen. Foto: privat

Bei der Indienhilfe Bakum, die vor 21 Jahren von Pfarrer Josef Honkomp gegründet wurde - 2009 war der Verein Arbeitskreis Indienhilfe ins Leben gerufen worden - hat man zahlreiche Hilfsprojekte im Blick, etwa die Straßenkinder von Nav Jeevan, die sich mit einer Ausgangssperre arrangieren müssen. Dabei, berichtet Marietheres Stoppel in einem Schreiben, erhalten sie Lernstoff und Aufgaben online über die Handys der Schwestern. Die hätten überdies Sondererlaubnisse der Behörden, sodass sie nach draußen zu den Menschen dürfen, um die Notleidenden mit Essen zu versorgen.

"Mit den Gedanken ist man immer dort."Marietheres Stoppel, Arbeitskreis Indienhilfe Bakum

Die "Sisters of the Cross" – darunter Schwester Betsy und Schwester Annie, die vor einem Jahr in Bakum zu Besuch waren und von ihrer täglichen Arbeit berichteten – und ihre Mithelfer leisten aber noch mehr, erklärt Marietheres Stoppel. Sie nähen und verteilen Gesichtsmasken, Seife und andere Hygieneartikel. "Wer immer nur von der Hand in den Mund lebt, hat so etwas gar nicht vorrätig", unterstreicht die Bakumerin. Eine weitere wichtige Aufgabe der Schwestern vor Ort: Das Informieren vor allem der ländlichen Bevölkerung über das Corona-Virus. Gilt doch eine Infizierung nicht selten – ähnlich wie bei Lepra – als Stigma.

Es wurden auch Spenden, die eigentlich für die im Moment Corona bedingt ruhende Ausbildung von Mädchen gedacht waren - Schwester Betsy ist Leiterin des Women Development Centre (WDC), einer Entwicklungseinrichtung im nordöstlichen Bundesstaat Assam - für die Versorgung der Bedürftigen verwendet. Ähnlich verhält es sich mit den Geldern für die Schulbildung der Slumkinder, die nun als Soforthilfen für Familien dienen. Zudem hat der Arbeitskreis weitere finanzielle Notfallhilfe geschickt. "Mit den Gedanken ist man immer dort", sagte Marietheres Stoppel, die auf keine weiteren "Zugaben" in diesem Jahr hofft.


  • Info: Weitere Informationen zum Arbeitskreis Indienhilfe Bakum findet man hier.

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