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Die "Flinken Beinchen" kommen zur Ruhe

Die Bakumer Gymnastikgruppe hat sich nach fast 60 Jahren aufgelöst. Die Frauen sind aber für die schöne, gemeinsame Zeit in den vergangenen Jahrzehnten dankbar.

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Abschiedstreffen: Die verbliebenen 24 Mitglieder kamen noch einmal zusammen. Foto: Rosenbaum

Abschiedstreffen: Die verbliebenen 24 Mitglieder kamen noch einmal zusammen. Foto: Rosenbaum

Fast 60 Jahre lang haben die „Flinken Beinchen“ das gesellschaftliche Leben in Bakum mitgeprägt. Damit ist nun Schluss. Die Gymnastikgruppe hat sich aufgelöst. Dafür versammelten sich die verbliebenen 24 aktiven sowie passiven Mitglieder zu einem Abschiedstreffen im Café Mählmeyer in Bakum.

Auch wenn sich alle darüber gefreut hatten, sich noch einmal wiederzutreffen, stimmte der Anlass die Frauen traurig, sagt Roselies Buhmann. Sie ist seit den Anfängen der Truppe, die in den 1960er Jahren liegen, mit dabei, wie sie erzählt. Aber es habe sich keine neue Übungsleiterin gefunden, nachdem die bisherige Leiterin Elsbeth Schmutte ihren Rücktritt verkündet hatte.

Es fanden sich immer weniger neue Mitglieder

Außerdem habe die Gruppe zuletzt etwa 10 Aktive gehabt, der Großteil der Mitglieder zählte zu den Passiven, sagt Schmutte. Die „Flinken Beinchen“ hätten in den vergangenen Jahren kaum Nachwuchs generieren können. Die bestehenden Mitglieder seien aber immer sehr treu gewesen, sagt Buhmann.

Die Übungsleiterinnen: Helene Hollah (links), Anna Bokern (Zweite von rechts) und Elsbeth Schmutte (rechts). Erika Schön (Zweite von links) war Mitglied des Vorstands. Im Hintergrund ist der Rest des Vorstands zu sehen: Maria Meinerding (von links), Inge Stoll, Josefine Renze und Hedwig Behrens. Foto: BuhmannDie Übungsleiterinnen: Helene Hollah (links), Anna Bokern (Zweite von rechts) und Elsbeth Schmutte (rechts). Erika Schön (Zweite von links) war Mitglied des Vorstands. Im Hintergrund ist der Rest des Vorstands zu sehen: Maria Meinerding (von links), Inge Stoll, Josefine Renze und Hedwig Behrens. Foto: Buhmann

Angefangen habe in den 1960er Jahren alles mit einer lockeren, kleinen Frauengruppe, die sich in geselliger Runde traf, um sich zu bewegen, erzählt Elsbeth Schmutte. Nachdem Anna Bokern sich 1968 als Übungsleiterin für die Gruppe zur Verfügung gestellt hatte, wuchs die Truppe langsam. Zwischenzeitlich habe es gut 60 Mitglieder gegeben, erinnert sich Roselies Buhmann. Dabei seien schon damals „alle nicht mehr jung“ gewesen, fügt sie an. Sie schätzt das Durchschnittsalter der Mitglieder im Laufe der Jahrzehnte auf 50 Jahre. Insgesamt gab es in der Vereinsgeschichte 3 Übungsleiterinnen: Anna Bokern, Helene Hollah und Elsbeth Schmutte.

Das Sportprogramm habe aus gymnastischen Übungen unter anderem mit Bällen, Bändern und Keulen bestanden, wie Schmutte erklärt. In jüngster Vergangenheit wurde zweimal im Monat Gymnastik mit Hockern angeboten, um dem fortschreitenden Alter der Frauen gerecht zu werden. Die letzten aktiven Mitglieder seien alle mindestens über 60 Jahre alt gewesen, überschlägt Buhmann, viele über 70, einige sogar über 80 Jahre.

Die Gemeinschaft war am wichtigsten

Die Frauen können nur spekulieren, warum sich in den vergangenen Jahren keine neuen Mitglieder finden ließen. „Wir waren immer offen für jüngere Mitglieder“, sagt Buhmann. „Wir waren wohl zu alt, nicht interessant genug.“ Nachdem die „Flinken Beinchen“ sich 1988 dem Sportverein SC Bakum angeschlossen hatten, genoss die Truppe einen gewissen „Underdog“-Status. Darunter habe man aber nicht gelitten, konstatiert Bohmann.

Ganz im Gegenteil. Bei den „Flinken Beinchen“ war immer eines besonders wichtig: die Gemeinschaft. Wenn sich die Frauen auch außerhalb der Sportstunden zu Ausflügen verabredet hätten, seien immer alle dabei gewesen, sagt Roselies Buhmann. „Eine dolle Gruppe“ sei man gewesen. So gab es einmal im Jahr eine Radtour, Busausflüge wie auch Theaterbesuche. Besonders schön habe sie es gefunden, ergänzt Elsbeth Schmutte, dass sich die Aktiven dabei so liebevoll um die passiven Mitglieder gekümmert hätten, die teilweise bereits auf Hilfsmittel wie einen Rollator angewiesen waren.

Pink war die Vereinsfarbe

Die Zusammengehörigkeit wurde auch optisch hervorgehoben. Die Vereinsfarbe – es war nie ein eingetragener Verein – war pink. Es gab eine pinke Fahne, pinke Schals, und wenn es darum ging, anlässlich einer Silberhochzeit ein Spalier zu bilden, hatten alle zusätzlich eine pinkfarbene Rose dabei. „Das waren immer schöne Treffen, wenn jemand gefeiert hat“, resümiert Buhmann. Auch die eigenen Vereinsjubiläen wurden stets mit einem bunten Programm zelebriert.

Der Name „Flinke Beinchen“ sei übrigens beiläufig entstanden, sagt Schmutte. So genau zurückdatieren lasse sich das nicht. Sie habe das immer mal so „daher gesagt“. Das hat sich dann irgendwann verselbstständigt und es wurde der Name der Gruppe.

Am Bakumer Volksfest haben die Flinken Beinchen auch immer wieder teilgenommen - hier kollektiv als Mozart verkleidet. Foto: privatAm Bakumer Volksfest haben die "Flinken Beinchen" auch immer wieder teilgenommen - hier kollektiv als Mozart verkleidet. Foto: privat

Und die „Flinken Beinchen“ waren für jeden Spaß zu haben, wie die Frauen erzählen. Ein fester Bestandteil im Jahresprogramm war die Teilnahme am Bakumer Volksfest. Die Frauen haben sich verkleidet und Tanzchoreografien einstudiert, die sie beim Umzug aufführten. Dafür haben sie sich immer wieder neue Themen ausgesucht. So verkleideten die Frauen sich anlässlich des Mozartjahrs alle als Wolfgang Amadeus Mozart, in einem anderen Jahr wählten sie das Motto „König der Löwen“. Die Kostüme machten sie immer selbst.

Frauen bleiben freundschaftlich verbunden

Die Gruppe engagierte sich zudem bei diversen Veranstaltungen im Ort – wie Sportler gegen Hunger, Musiker- und Sängerfest. Wenn es um Kuchen und Bedienung ging, waren die „Flinken Beinchen“ dabei, erzählt Maria Meinerding. „Wenn wir gefragt wurden, haben wir immer geholfen.“ Die Lebenspartner – liebevoll „Füllsand“ genannt – wurden ebenfalls regelmäßig eingespannt.

Mit den Jahren habe Tod und Krankheit angesichts des Alters der Mitglieder „gut zugeschlagen“, sagt Roselies Buhmann. 15 Mitglieder sind verstorben. Trotz dieser emotionalen Rückschläge ist sich Buhmann aber sicher, dass ein vergleichbares Vereinsleben kaum ein anderer Verein vorweisen könne. Sie bedauere es, dass die Gruppe aufgelöst wurde, aber mit der Corona-Pandemie, die die „Flinken Beinchen“ zwischenzeitlich in die Zwangspause schickte, sei es „vielleicht gut, dass wir nicht aus den Vollen aufgehört haben“.

Die verbleibenden aktiven Mitglieder der „Flinken Beinchen“ konnten sich der zweiten Gymnastikgruppe des Bakumer Sportvereins anschließen. Und obwohl die Gruppe sich nun aufgelöst hat, bleiben die Frauen freundschaftlich miteinander verbunden und werden sich weiter treffen, weiß Roselies Buhmann. Ein inoffizielles 6. Jahrzehnt der „Flinken Beinchen“ ist schließlich in Aussicht.

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