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Die Familie half die Krise zu überstehen

Nach mehr als einem halben Jahr Zwangspause durch die Corona-Pandemie und Existenzsorgen durch die fast komplett weggebrochenen Einnahmen darf  die Kosmetikerin Christina Schulte wieder arbeiten.

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Seit Anfang der Woche wieder aktiv: Die Kosmetikerin Christina Schulte freut sich, dass sie wieder arbeiten darf. Foto: Siemer

Seit Anfang der Woche wieder aktiv: Die Kosmetikerin Christina Schulte freut sich, dass sie wieder arbeiten darf. Foto: Siemer

"Ohne meine Familie, das heißt, meine Brüder, wäre ich nicht über die Runden gekommen." Mit Zuversicht  und Hoffnung auf sich bald normalisierende Zeiten blickt Christina Schulte seit Anfang der Woche wieder in die Zukunft, nachdem die ersten Kunden wieder ihr Kosmetikinstitut "Hautgefühl" in der Löninger Mühlenstraße besuchen dürfen.

Die Kosmetikerin  war mehr als ein halbes Jahr seit Mitte November zum zweiten Mal in der Corona-Pandemie vom kompletten Lockdown  betroffen, da  ihre Gesichtsbehandlungen in den Bereich der "körpernahen Dienstleistungen" fallen. Das erste Mal musste sie ihr Geschäft vom März bis Mitte Mai 2020 komplett schließen.
Sie habe beim ersten Einnahmeausfall relativ rasch die staatliche Förderung erhalten, das Geld habe aber nur gereicht, um ihre Grundkosten wie die Miete zu decken.

Die staatliche Förderung für die Geschäftsschließung seit November habe man noch nicht beantragen  können, das werde  sie aber nachholen, sobald das machbar sei. "Es ist ein schlimmes Gefühl, wenn man  seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen kann." Beeindruckt ist sie  vom Wunsch etlicher Kundinnen, die ihr seit über einem Jahr in der Misere helfen wollen und durch den Kauf von Gutscheinen, Cremes und Kosmetika weit über den aktuellen Bedarf hinaus zumindest etwas an Einnahmen in die leere Kasse gebracht haben. Dieser Beitrag, vor allem aber die  darin  sichtbar werdende Wertschätzung und Anteilnahme an ihrem Schicksal  mit vielen ermutigenden Worten, habe geholfen, sie durch die Zeit zu tragen.

Kompletter Lockdown löste Existenzängste aus

"Die Schließungen und der Verlust meines Arbeitsalltags und die damit verbundene fehlende Planungssicherheit haben mich komplett  zurückgeworfen", erzählt sie OM online. Dass sie keine Einnahmen hatte und  Hoffnungen auf  eine Umkehr des Trends bei lange stetig steigenden Zahlen der Corona-Erkrankungen in weiter Ferne waren, habe schon zu Existenzängsten geführt, so die 52-Jährige. Sie ist nach ihrer Ausbildung als staatlich anerkannte Kosmetikerin seit 1991  zunächst als Angestellte und ab 2002 selbstständig tätig. Auch noch  einige Zeit nach der Pandemie müsse beziehungsweise werde sie anders planen. Es werde noch mehr gelüftet und noch mehr desinfiziert als ohnehin schon, sie könne weniger Kundinnen behandeln, da  keine Wartezeiten im Geschäft selbst möglich seien und mehr zeitlicher Abstand notwendig sei.

Erste Buchungen im Terminkalender schönes Gefühl

Christina Schulte erwartet, dass es noch einige Zeit dauert, bis alles wieder auf dem alten Stand ist.  Sie hofft auf normale Zeiten irgendwann in der zweiten Jahreshälfte. Die Unsicherheiten der Kundinnen könnten aber nicht einfach so abgestellt werden, es werde dauern, bis sie das Vertrauen in einen normalen Alltag zurückgewonnen haben.

Es hätten sich aber inzwischen schon etliche Stammkundinnen gemeldet und der Terminkalender weise schon wieder Buchungen auf. Das sei ein schönes Gefühl, "wenn unser Berufsstand  die Welt mit seiner Arbeit wieder ein kleines bisschen schöner  machen  darf". Denn sie sieht sich nicht nur als jemanden, der  eine Dienstleistung erbringt. Eine Behandlung sei  wie ein Kurzurlaub, der Ruhe und Abstand in stressigen Zeiten gebe. "Für etliche Kundinnen, die alleine leben, bin ich eine vertraute Gesprächspartnerin und wichtiger Anlaufpunkt." Dass das viele Monate nicht möglich gewesen sei,  belaste  sehr, wisse sie aus Telefonaten.

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