Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Die Corona-Impfpflicht und andere Gründe für Geschrei

Meine Woche: Der Bürger mag es nicht, wenn sich der Staat um seine Gesundheit schert. Dafür gab es schon so einige Beispiele.

Artikel teilen:

Der Bürger ist dagegen. Gern grundsätzlich, aber vor allem dann, wenn der Staat seine Gesundheit schützen will. Aktuell ist es die angedachte Corona-Impfpflicht, die viele Gemüter in Wallung bringt. Doch es gab auch schon andere Beispiele.

1874 zum Beispiel wurde die Impfung gegen Pocken zur Pflicht. Schon im Vorfeld gab es ein Riesengeschrei. Es wurde gar eigens eine Zeitschrift namens "Der Impfgegner" herausgebracht. Genützt hat es nichts, wer den Piks nicht wollte, musste mit Sanktionen rechnen – und wurde zur Not auch zwangsgestochen.

Wie wehrhaft der Deutsche ist, wenn der Staat den Gesundheitsschutz ernst nimmt, trat auch bei der Gurtpflicht offen zutage. Sie kam im selben Jahr, in der die Pockenimpfpflicht endete: 1976. Gleich der nächste Akt der Knechtschaft – und natürlich gab es auch hier wieder ein markerschütterndes Geschrei. Die Frauen fürchteten um ihren Busen, die Männer fühlten sich ihrer Freiheit beraubt. Und mal ehrlich, wer will denn durch einen Gurt auch ständig daran erinnert werden, dass Autofahren gefährlich ist. Mit saftigen Bußgeldern musste man Überzeugungsarbeit leisten, bis sich der Bürger schließlich ermattet anschnallte.

"Was ist geblieben von all der Gegenwehr und Widerborstigkeit? Nichts, rein gar nichts!" Karin Heinrich

2008 dann die nächste freundliche Einmischung des Staates: das Rauchverbot in der Gastronomie. Man hätte wahrhaftig meinen können, die Welt geht unter, so groß war diesmal das Gezeter. Und nicht nur von den Rauchern, sondern auch von Gastronomen, Kinobetreibern und anderen, die den Qualmern bis dato bereitwillig einen Aschenbecher hingestellt hatten.

Was ist geblieben von all der Gegenwehr und Widerborstigkeit? Nichts, rein gar nichts! Das jeweilige Gesetz kam trotzdem, man stellte fest, dass das Leben weitergeht – und gewöhnte sich. Heute ist es längst ein Automatismus, im Auto den Gurt anzulegen oder zum Rauchen vor die Tür zu gehen.

Wenn die Impfpflicht gegen Corona da ist, kehrt wieder Ruhe ein

So viel Geschrei, für nichts und wieder nichts. Kein Gesetzesvorhaben ist dadurch verhindert worden, aber so mancher Zeitgenosse hat sich auf dem Weg dahin mental komplett zerrüttet. Was lernen wir daraus? Genau, nichts! Der berufsrenitente Bürger demonstriert weiter und schreit seinen Zorn heraus. Er will keinen Schutz gegen Covid-19, nein, auf gar keinen Fall!

Bis, ja, bis sie endlich da ist, die Impfpflicht gegen Corona. Dann herrscht bald wieder Ruhe auf den Straßen und in den Hirnen. Es nützt doch eh alles nichts . . .

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Die Corona-Impfpflicht und andere Gründe für Geschrei - OM online