Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Die Botschaft hör‘ ich wohl, …

Kolumne: Auf ein Wort – Ostersonntag ist weltweit nicht gleich Ostersonntag. Und das ist schon lange ein Ärgernis für die Christen rund um den Globus.

Artikel teilen:

Ein ranghoher Vertreter aus der Orthodoxie hat in diesen Tagen die christlichen Kirchen weltweit ermahnt, doch endlich zu einem gemeinsamen Ostertermin zu kommen.

Für Angehörige anderer Religionen muss es schon befremdlich erscheinen, dass Christen in Deutschland Ostern in diesem Jahr am 4. April, in Griechenland oder Russland dagegen am 2. Mai feiern. Da muss sich ein interessierter Muslim doch fragen: Ist Jesus denn zweimal von den Toten auferstanden?

Dass Ostersonntag weltweit nicht gleich Ostersonntag ist, war auch mir lange nicht bewusst. In meinem früheren Leben (vor dem Ordenseintritt) flog ich irgendwann an einem Ostermontag nach Kreta, um ein wenig Urlaub zu machen. Vor Ort wunderte ich mich, dass ganz Georgioupoli damit beschäftigt war, Dorf und Kirche zu schmücken. Auf meine Frage, was denn gefeiert würde, erfuhr ich zu meinem Erstaunen, dass doch am Sonntag Ostern sei. Während ich das letzte (römisch-katholische) Osterei pellte, das ich noch in der Proviantdose fand, waren auf Kreta die Eier für das Osterfrühstück noch nicht einmal gekocht. „Very strange“, dachte ich damals!

Seit langer Zeit ist der unterschiedliche Ostertermin ein Ärgernis für die christliche Welt. Auf katholischer Seite hat das letzte Konzil die Glaubensgeschwister dringend aufgefordert, zu einer Lösung zu kommen. Allerdings, was auf den ersten Blick einfach aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als hochkomplexe Materie mit „Sprengkraft“.

Während Papst Franziskus wiederholt Kompromiss-Bereitschaft von katholischer Seite signalisiert hat, gibt es in Teilen der Orthodoxie erhebliche Widerstände, den „Terminknoten“ zu zerschlagen.

Des „Pudels Kern“ steckt darin, dass Ost- und Westkirchen mit verschiedenen Kalendern „arbeiten“. Während die orthodoxe Welt seit Urzeiten den Julianischen Kalender benutzt, berechnet die römisch-katholische Welt den Ostertermin seit dem 16. Jahrhundert nach dem gregorianischen Kalender. Einig ist man sich seit dem Konzil von Nizäa (325!) darin, dass Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert werden soll. Knackpunkt ist das Datum des Frühlingsanfangs. Der 21. März liegt im julianisch-orthodoxen Kalender 13 Tage später als im gregorianisch-katholischen. Und das führt im Extremfall dazu, dass der Ostertermin bis zu 5 Wochen (!) auseinanderfallen kann!

Ich fände es gut, wenn der einsame orthodoxe Rufer ein vielstimmiges positives Echo bekäme. Es wäre ein Gewinn für das Christentum und ein schönes Geschenk zum Jubiläum von Nizäa im Jahre 2025. Mein Bauchgefühl hält’s aber eher mit Goethe: „ … allein mir fehlt der Glaube!“


Zur Person:

  • Karl Gierse ist Subprior des Vechtaer Dominikanerkonventes. Er wirkt in verschiedenen Bereichen der Seelsorge in Vechta und im Oldenburger Land.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Die Botschaft hör‘ ich wohl, … - OM online