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"Die Barrieren in den Köpfen sind genauso schlimm"

Der Beirat für Menschen mit Beeinträchtigung wird am 5. Oktober neu gewählt. Der Vorsitzende Andreas Tegeler spricht über die Arbeit und Aufgaben des Beirats und über seine Wünsche zur Wahl.

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Im Caritas-Treffpunkt an der Wasserstraße trifft sich Andreas Tegeler jeden Mittwoch mit seinen Kollegen vom Beirat für Menschen mit Beeinträchtigung. Foto: Stix

Im Caritas-Treffpunkt an der Wasserstraße trifft sich Andreas Tegeler jeden Mittwoch mit seinen Kollegen vom Beirat für Menschen mit Beeinträchtigung. Foto: Stix

Die Aufgabe des Beirates für Menschen mit Beeinträchtigung kann Andreas Tegeler in einem Satz zusammenfassen: "Wir beobachten die Stadt Friesoythe und weisen auf Mängel hin, die für Menschen mit Beeinträchtigungen zum Problem werden können." Zu hohe Bordsteine gehören dazu, fehlende Leitstreifen für Sehbehinderte, oder einfach grundsätzliche Fragen der Barrierefreiheit und der Integration. 

Zu tun gibt es da genug, sagt Tegeler, der Vorsitzende des Beirates. "Wir treffen uns jeden ersten Mittwoch im Monat im Caritas-Treffpunkt an der Wasserstraße, und es gibt immer Themen, die uns auffallen oder auf die wir angesprochen werden", sagt er. Und schiebt ein Lob hinterher: "Die Stadt hat ein unglaublich offenes Ohr und setzt unsere Anregungen auch sehr schnell um." Wenn es denn geht: Die öffentliche Großraumtoilette beispielsweise steht seit Langem auf der Wunschliste des Beirates. "Vielleicht wird sie jetzt bei der Umgestaltung des Busbahnhofes realisiert", sagt Tegeler.

Beirat wird am 5. Oktober neu gewählt

Ein wichtiges Forum für die Arbeit des Beirates sind die Ausschüsse des Stadtrates, in denen der Beirat als beratendes Mitglied vertreten ist. "Da können wir all das einbringen, was uns auffällt", so Tegeler. Darüber hinaus wird der Beirat von der Stadt auch bei der Planung von Bauvorhaben einbezogen. "Beim Aquaferrum etwa sind viele Ideen von uns eingeflossen und auch umgesetzt", erinnert sich Tegeler, der für die Fortbewegung auf einen 3-rädrigen Elektroroller angewiesen ist. "Mein Markenzeichen", grinst er. 

12 Mitglieder hat der Beirat, er wird am 5. Oktober turnusgemäß nach 5 Jahren neu gewählt. Zwei Wünsche hat Tegeler im Vorfeld der Wahl: mehr Kandidierende und eine höhere Wahlbeteiligung. "Beim letzten Mal hatten wir 14 Kandidatinnen und Kandidaten für die 12 Sitze  und nur 40 Wähler", bedauert er. Wahlberechtigt sind Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt mit einem Grad der Behinderung ab 50 oder Gleichgestellte ab 16 Jahre. Sie können sich durch dafür berechtigte Personen vertreten lassen. Die Wahl wird im Rahmen einer Versammlung um 19 Uhr im Forum am Hansaplatz durchgeführt.

Informationsveranstaltung am 21. September

Um sowohl die aktive als auch die passive Wahlbereitschaft zu erhöhen, laden Stadt und Beirat zu einer Informationsveranstaltung am Dienstag (21. September) im Forum am Hansaplatz ein. Beginn ist um 19 Uhr. Interessenten, so Tegeler, müsste es eigentlich genug geben. Zwar weiß er nicht, wie viele Menschen genau in Friesoythe eine Beeinträchtigung haben. "5 bis 8 Prozent sind es aber garantiert", sagt er. "Das wären also über 1.000."

Tegeler, der selbst wieder zur Wahl für den Beirat antritt, wirbt im Stadtgebiet aktiv für eine Wahlbeteiligung. "Menschen mit Beeinträchtigung spreche ich einfach an", erzählt er. Dabei hat er festgestellt, dass viele Menschen, die eigentlich betroffen wären, den Beirat nicht kennen. "Aber wenn man sie darauf anspricht und über die Wahl und die Infoveranstaltung informiert, dann sind sie immer sehr interessiert", sagt er.

Grundsätzlich ist es ihm wichtig, dass Menschen mit Beeinträchtigung im Alltagsleben präsent sein können und wahrgenommen werden – sei es als Sportkameraden im Fußballverein, als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr oder in Musik- und Schützenvereinen. Oft scheitere es an fehlenden baulichen Voraussetzungen, etwa an Barrierefreiheit und behindertengerechten Toiletten. Manchmal aber auch nur an der fehlenden Offenheit der Vereine. "Die Barrieren am Bordstein sind es nicht alleine", sagt Tegeler. "Die Barrieren in den Köpfen sind genauso schlimm."

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