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Deutschland steht sich selbst im Weg

Thema: E-Rezept verschoben – 2004 wurde das E-Rezept beschlossen, 17 Jahre später ist die Testphase gescheitert. Einer der Gründe dafür ist die Unwilligkeit, alte Zöpfe abzuschneiden.

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Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung des öffentlichen Lebens zu den Schlusslichtern gehört, dann wurde er am Donnerstag geliefert. Zuerst wurde die App für den digitalen Führerschein eine Woche nach dem Startschuss  zurückgezogen, kurz darauf kam die Meldung, dass die Einführungsphase für das elektronische Rezept, dessen Einführung bereits 2004 beschlossen wurde, verschoben werden muss.

An unüberwindlichen Hürden kann es nicht liegen, dass wir 17 Jahre später immer noch nicht am Ziel sind, denn 17 andere EU-Staaten haben das E-Rezept bereits erfolgreich eingeführt. Deutschland steht sich, wie bei vielen Digitalprojekten, einfach erneut selbst im Weg. Wieder einmal müssen, dürfen und können viel zu viele Akteure mitreden, müssen (föderale) Befindlichkeiten berücksichtigt und die Folgen des jahrelangen Wildwuchses eingefangen werden: In deutschen Arztpraxen sind rund 130 verschiedene Verwaltungssysteme im Einsatz.

Auch aus diesem Grund war, wie von beteiligten Unternehmen zu hören ist, der Testlauf mit 50 Arztpraxen und Kliniken sowie 120 Apotheken ein einziges Desaster. Angeblich hat bislang kein einziges echtes E-Rezept den kompletten Zyklus von Ausstellung bis Abrechnung erfolgreich durchlaufen. Deutschlands Versagen bei der Digitalisierung liegt sicher nicht an unfähigen Informatikern. Einer der Gründe ist die Unwilligkeit, mit einem beherzten Schnitt alte Zöpfe abzuschneiden und ein verpflichtendes System aus einem Guss einzuführen. Natürlich ist das teuer, aber wie beim Klimaschutz gilt auch hier: Nichts tun und herumdoktern kostet noch mehr Geld.

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