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Der Wunsch nach Normalität an der Uni Vechta ist groß

Die Bilanz nach fast einem Jahr des digitalen Lernens an der Hochschule fällt gemischt aus. Technische Probleme und Existenzsorgen belasten die Studierenden. Es hat sich aber einiges verbessert.

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Das vergangene Jahr verlief an der Universität in Vechta ungewöhnlich. Studieren ist seit längerem nur von zu Hause möglich. Symbolfoto: Scholz

Das vergangene Jahr verlief an der Universität in Vechta ungewöhnlich. Studieren ist seit längerem nur von zu Hause möglich. Symbolfoto: Scholz

Gemeinsam lernen in der Uni-Bibliothek. Vorlesungen und Seminare als Präsenzveranstaltungen. Das gehört in eine andere Zeit. Die Corona-Pandemie hat an den Unis so einiges durcheinander gewirbelt. Die Folge: Lehrende und Studierende mussten sich neuen Herausforderungen stellen. Dabei ließen erste Probleme nicht lange auf sich warten. Die Themen damals: überlastete Webmeetings, Diskussionen über die Wiederaufnahme des Präsenzbetriebes und auch Kritik an den Angeboten für die "Erstis". Doch wie sieht es jetzt aus, knapp ein Jahr später? Welche Probleme sind noch aktuell? Wie können die kommenden Monate aussehen? Ein Überblick.

Das grundsätzliche Fazit vorweg: Es läuft aktuell vieles deutlich besser, als noch vor einem Jahr zu Beginn der Corona-Pandemie. Professor Dr. Kim-Patrick Sabla-Dimitrov, Vizepräsident für Lehre und Studium an der Uni Vechta, etwa stellt fest, dass die Universität sehr viel besser vorbereitet in das Wintersemester gestartet sei, als noch zu Beginn des Sommersemesters. Auch der allgemeine Studierendenausschuss (Asta) sieht die aktuelle Situation als deutlich entspannter an, als noch vor einigen Monaten. Die Uni habe aus Fehlern des Sommersemesters gelernt, stellt Krzysztof Babel vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) fest.

Die Tücken indes stecken im Detail. Kleinere Komplikationen gebe es weiterhin. "Mittlerweile sind die Probleme jedoch individueller geworden", sagt Marvin Koch, der Sprecher des Astas. Wobei: Das habe es immer gegeben – auch vor Corona.  

Nichts los auf dem Campus. Fast alle Veranstaltungen der Uni Vechta finden digital statt. Foto: ScholzNichts los auf dem Campus. Fast alle Veranstaltungen der Uni Vechta finden digital statt. Foto: Scholz

Doch woran hakte es in den vergangenen Monaten? Die Uni Vechta sieht hier vor allem technische Probleme und die fehlende Kinderbetreuung als Knackpunkte an. Diesen Eindruck bestätigen gegenüber OM online auch mehrere Studenten. "Ganz häufig hatte ich das Problem, dass meine technische Ausstattung nicht ausreichte und immer wieder die Verbindung zum Internet abbrach", berichtet etwa die Studentin Marina Hummel. Die digitale Anbindung sieht auch der Asta nach wie vor als Problem an. 

Studenten loben Uni für Unterstützung

Dazu kommen ganz andere Schwierigkeiten. Zum einen sei da das Problem der Selbstdisziplin: Das Smartphone lenke einfach zu schnell ab. Zum anderen "fällt es manchmal schwer sich zu motivieren", gibt Marina Hummel zu. Auch der Student der Politikwissenschaft, Pascal Sommerer, erzählt, dass es ihm leichter falle, in der Bibliothek zu lernen. Die aber ist zu. Die Einsamkeit, die Sorge ums Geld, weil keine Nebenjobs möglich sind: All das erhöhe die psychische Belastung, weiß Marvin Koch. Hier biete die Uni Hilfe an, betont Sabla-Dimitrov.

Des Öfteren wurde in den vergangenen Monaten kritisiert, dass die Uni Studierende nicht ausreichend unterstützen würde. Hier betonen fast alle Befragten, dass die Uni Vechta aktuell sehr engagiert sei. Die universitären Gremien hätten in der Regel ein offenes Ohr für Problematiken gehabt, berichte der Asta. "Man hilft sich wo man kann - auch unter Studierenden", sagt Babel von RCDS. Es gibt aber weiterhin auch Stimmen, die sich mehr Unterstützung wünschen würden. 

Asta fordert mehr Geld für die Studierenden

Und wie gehts jetzt weiter? Der Wunsch nach dem Regelbetrieb ist bei allen Befragten groß. Dafür aber müssten sich die Infektionszahlen verbessern. Geduld sei nötig, sagt der Vizepräsident der Uni. Sobald als  möglich werden mehr Präsenzveranstaltungen angeboten.

Als die größte Herausforderung für die kommenden Wochen stufen die Uni-Führung und der Asta das Nachholen der fachpraktischen Inhalte ein. Pläne hierfür würden aktuell ausgearbeitet werden.

Der Asta fordert daneben, dass die Hürden für finanzielle Hilfen von Studenten niedriger werden. Viele hätten deutlich weniger Geld zur Verfügung, weil ihnen die Nebenjobs fehlen. Auch weitergehende Hilfen sind laut Asta sinnvoll. Die aus Geldproblemen resultierenden Ängste würden schlimmstenfalls zu weiteren psychischen Belastungen führen. Das solle vermieden werden. 

Digitales Lernen hat auch positive Auswirkungen

Studentin Marina Hummel wünscht sich daneben, dass es weiterhin Verständnis von allen Seiten für die aktuelle Situation gebe. Bei den Studenten überwiegt die Hoffnung, dass die aktuelle Prüfungsphase gut durchgeführt werden kann.

Hat die Corona-Pandemie denn vielleicht auch etwas Positives gehabt? Das digitale Lernen habe Fortschritte gemacht, lautet hier das Gesamturteil. Vielleicht würde es daher demnächst einen guten Mix aus den digitalen und realen Formaten geben. Dann, wenn irgendwann alles wieder normal ist. 

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