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Der Ukraine-Krieg wühlt bei Bärbel Tönnies Erinnerung an die eigene Flucht auf

Sehr persönliche Ansichten, immer dieselben 10 Fragen. Dieses Mal: Bärbel Tönnies. Die Löningerin mit schlesischem Hintergrund möchte als Erstes die Ungleichheit abschaffen.

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Liebt ihren Garten: Heimatbiografin Bärbel Tönnies. Foto: Meyer

Liebt ihren Garten: Heimatbiografin Bärbel Tönnies. Foto: Meyer

Und? Wie ging es in letzter Zeit?
Ich genieße den Sommer in meinem Garten. Mein Enkel besucht mich hier immer wieder. Allerdings hat Corona mein Leben in den vergangenen beiden Jahren stark eingeschränkt. Mir fehlt es an Kontakten und Geselligkeit. Ich hoffe, beides kommt bald wieder. 

Was haben Sie sich einmal so richtig gegönnt?
Wahrscheinlich ein Kleidungsstück, das ich nicht brauche. Ich denke, es war ein schönes Sommerkleid.  

Wenn Sie Königin von Deutschland wären: Was gehörte als Erstes abgeschafft?
Ich würde als erstes den Unterschied zwischen arm und reich abschaffen. Ich finde es auch nicht richtig, wenn Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden. Jeder Mensch hat die gleichen Rechte.

Welchen Traum werden Sie sich als nächsten erfüllen (können)?
Eigentlich bin ich ja wunschlos glücklich. Mein Traum wäre also, dass es noch lange so weitergeht wie bisher. Ich hätte früher niemals gedacht, dass ich so alt werden würde. Aber ich gebe zu, dass sich beim Nachdenken über die Zukunft auch negative Gedanken einschleichen.

Was tun Sie am liebsten?
Ich gehe jeden Morgen in meinen Garten und begrüße dort den neuen Tag. Je nach Wetterlage ist es für mich auch ein Arbeitstag, denn im Garten gibt es immer etwas zu tun. Allerdings sieht es darin inzwischen ziemlich vertrocknet aus. Es müsste längst einmal wieder kräftig regnen. Für Blumen würde ich wirklich meinen letzten Euro ausgeben. Außerdem verfasse ich gern Gedichte und schreibe meine Erinnerungen auf. Das macht mir viel Freude.

Welche Eigenschaften mögen Sie an sich selbst – und welche nicht?
Ich glaube, dass ich grundsätzlich ein positiv denkender Mensch bin. Ich genieße mein Leben und kann mich über viele Dinge freuen. Was mich nervt ist, dass ich manchmal vergesslich und dann ein wenig schusselig bin. 

Welche TV-Sendung mögen Sie am liebsten?
Da fällt mir keine ein. Ich sehe nämlich nur wenig fern und wenn, dann vor allem die Nachrichten. Fest zu meinem Alltag gehört aber die morgendliche Lektüre der Münsterländischen Tageszeitung.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal treffen?
Unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist für mich ein ganz besonderer Mensch. Ich bewundere ihn wirklich sehr und würde ihn deshalb gern kennenlernen. Außerdem möchte ich einmal neben NDR-Moderatorin Bettina Tietjen auf dem roten Sofa sitzen und über mein Leben plaudern. Ich finde sie einfach sympathisch. 

Was würden Sie gerne einmal wieder essen?
Ganz klar die typisch schlesischen Kartoffelklöße meiner Mutter. Man nennt sie auch Klisla. Meine Mutter formte sie früher per Hand und machte dazu Sauerkraut und Kassler. 

Welches Thema in den lokalen Medien hat Sie am meisten beschäftigt?
Das war und ist natürlich der Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Vertreibung von Millionen Menschen. Ich habe diese Erfahrung als Kind selbst machen müssen. Sie hat mich ein Leben lang begleitet. Anders als die Flüchtlinge heute wurden nicht alle von uns damals freundlich aufgenommen. Ich hatte aber Glück und habe hier in Löningen eine neue Heimat gefunden, in der ich mich wohlfühle. Die Bilder von geflüchteten Kindern erinnern mich traurigerweise an die Vergangenheit. Zu einem Weltverbesserer bin ich aber nicht geeignet...


Zur Person:

  • Bärbel Tönnies (geborene Kuttig) wurde 1941 in Schlesien geboren. Ihren Vater, der im Krieg fiel, hat sie nie kennengelernt. Bei Kriegsende wurde sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder aus der alten Heimat vertrieben. Die Flucht endete in Löningen.
  • Die heute 81-Jährige blieb in der Hasestadt, heiratete und bekam 2 Kinder. Außerdem begann sie, zu schreiben.
  • 2016 brachte Tönnies einen Erinnerungsband heraus. In dem reich bebilderten Buch "Wie es früher war" schildert sie Erlebnisse aus ihrer Kindheit in Löningen. Das Buch liegt auch als CD vor. Eingelesen wurde es vom Hörzeitungsteam Oldenburg.

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