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Der Sommer und ich – eine Hassliebe

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Die meisten Menschen lieben den Sommer. Ich hege eher widersprüchliche Gefühle für die Monate Juni bis September.

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Ich liebe den Frühling und den Herbst. Auf den Winter kann ich grundsätzlich verzichten, zumindest auf die düsteren und trostlosen Monate November, Januar und Februar. Der Dezember wird aufgrund des Zaubers von Weihnachten akzeptiert. An Lebkuchen, Spekulatius, Vanille-Kipferl und "Kevin – Allein zu Haus" gibt es einfach nichts auszusetzen.

Doch der Sommer, der bereitet mir Jahr für Jahr Bauchschmerzen. Ich würde zwar nicht so weit gehen und laut aussprechen, dass ich ihn nicht mag, aber wir führen eine intensive Hassliebe. Zum einen wegen meines Heuschnupfens, der sich zwar schon Ende Mai ankündigt, aber zwischen Juni und August seinen Höhepunkt erreicht. Die Gräser sind es, die mich ärgern und jedes Jahr zum Kortison-Spray greifen lassen. Zum anderen bin ich kein Freund von Hitze. Denn: Entweder zeigt sich der Sommer in unseren Breitengraden von seiner heißesten und schwülen Seite mit Temperaturen jenseits der 30 Grad oder es ist fast schon kühl, bedeckt und regnerisch. Die Tage mit soliden 25 Grad, blauem Himmel und einem leichten Lüftchen sind an einer Hand abzählbar.

Ich mag's nicht zu schwitzen, ich mag's nicht, wenn ich durch die Sonne träge und lustlos werde, ich mag's nicht, wenn ich aufgrund der Hitze nachts nicht schlafen kann. Ich mag's nicht, dass im Sommer jeder so riecht, als hätte er 5 Tage nicht geduscht, ich mag's nicht, mich mit Sonnencreme einzuschmieren. Ich mag's nicht, dass Radtouren nach 20 Minuten abgebrochen werden müssen, weil ich wegen der vielen Nieser das Lenkrad nicht mehr festhalten kann.

"Und irgendwie trotz allem, ist's dann doch mehr Liebe als Hass."Sandra Hoff

Aber weil fast jeder den Sommer so liebt, gehe ich trotzdem raus, auch bei 36 Grad. Auf die Schattenseite, versteht sich. Und dann kommt sie doch, die Liebe. Ich lasse mir die Sonne bewusst ins Gesicht strahlen, begrüße jede neue Sommersprosse (und ich habe seeeeeeehr viele), lasse die Seele baumeln, lese ein Buch, strecke und räkele mich, wie jemand, der zum ersten Mal die Sonne kennenlernt. Genieße mit Freunden die lauen Sommerabende, trinke ein oder zwei Weinschorlen, genieße es, dass ich nur ein Kleidchen tragen und die Jacke zu Hause lassen kann, beobachte, wie mein kleiner Sohn lachend unter dem Rasensprenger tanzt,  genieße die Leichtigkeit, die Lebenslust.

Ich liebe es, mich am Abend noch 2, 3 Stunden in den Garten zu setzen, das Fernsehprogramm zu ignorieren und die Stille zu genießen. Und wenn die Stille zu still geworden ist, dann mache ich Musik an. Ich genieße es, Dinge zu erleben, die nur im Sommer möglich sind. Wie baden gehen, in der Eisdiele sitzen, sich im warmen Gras wälzen, Schmetterlinge beobachten, Erdbeeren pflücken oder Wassermelone essen.

Der Sommer und ich – eine Hassliebe. Und irgendwie trotz allem, ist's dann doch mehr Liebe als Hass. Zumindest diesen Sommer.


Zur Person:

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