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Der Siebenschläfer, ein ganz besonderes Wildtier

Gästebuch: Auch wenn der Siebenschläfer nicht das Wetter vorhersagen kann, offenbart er einiges. Er ist eben ein ganz besonderes Tier.

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Eine alte Bauernregel besagt: „Siebenschläfer Regen – sieben Wochen Regen” oder „Ist der Siebenschläfer nass, regnet's ohne Unterlass.” Mit diesen Regeln versuchte man früher das Wetter vorherzusagen. Heute wissen wir: Der Siebenschläfer hat mit dem Wetterbericht nur bedingt zu tun. Und trotzdem sagt auch er etwas voraus: die Buchenmastereignisse im Herbst. Dieses Wildtier sieht man hier kaum, deshalb ein paar Hinweise auf den Langschläfer.

Die meisten Baumarten fruchten in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen besonders stark. In einem Jahr mit besonders hoher Samenproduktion spricht man von einem Mastjahr. Jede Baumart hat einen eigenen Rhythmus der wiederkehrenden Mastjahre. Bei Buchen tritt alle 3 bis 6 Jahre ein solches Ereignis ein. Dieses Jahr ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder soweit und im Herbst wird es, zur Freude vieler Wildtiere, viele Bucheckern geben, sagt die Wildtier- Stiftung voraus. Insbesondere der Siebenschläfer, die größte in Deutschland vorkommende Bilchart, ist bestens an diese schwankende Nahrungsverfügbarkeit angepasst und kann sie offenbar auch voraussehen:

"Mit der Reproduktion kann der Siebenschläfer mehrere Jahre aussetzen und abwarten, bis die Umweltbedingungen wieder günstig sind."Klaus Esslinger

In Jahren der Buchenmast, also solchen mit einer großen Nahrungsverfügbarkeit im Herbst, gibt der Siebenschläfer alles, um sich erfolgreich zu vermehren. Ist die Anzahl der Buchenblüten jedoch im Frühjahr gering und sind damit auch im Herbst wenig Bucheckern zu erwarten, dann investiert er in sein eigenes Überleben und nutzt die verfügbaren Ressourcen für den Aufbau seiner Fettreserven für den kommenden Winterschlaf. Für Fortpflanzung ist in solchen Jahren keine Zeit.

Mit der Reproduktion kann der Siebenschläfer mehrere Jahre aussetzen und abwarten, bis die Umweltbedingungen wieder günstig sind. Das ist für den Erhalt der Art nicht weiter schlimm, denn anders als die meisten anderen Nagetiere können Siebenschläfer mit bis zu 13 Jahren sehr alt werden und sind auch im hohen Alter noch fruchtbar. So können sie Phasen ohne Reproduktion ausgleichen.

Auch die Länge seines Winterschlafs passt der Siebenschläfer an Mast-Ereignisse an. Normalerweise verschläft er nur die Wintermonate. In Jahren mit einer geringen Nahrungsverfügbarkeit verlängert er seinen Schlaf auf bis zu 11 Monate – ein absoluter Rekord im Tierreich. Der Siebenschläfer geht in Jahren ohne Mast oft früher in den Winterschlaf und verharrt länger in diesem Zustand des reduzierten Stoffwechsels. Aber woher weiß der Siebenschläfer, wann es sich lohnt aufzuwachen und wann nicht? Dafür hat er eine innere Uhr, auf die er sich verlassen kann. Sicher ist auch: Wenn es ab dem 27. Juni sieben Wochen lang regnet, kann der Siebenschläfer nichts dafür.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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