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Der liebe Gott packt uns einen Warenkorb – vertrauen wir ihm!

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Eine gesunde Lebensweise mit Genuss zu kombinieren, klingt so schwierig, wie es ist. Man muss sich darauf einlassen (wollen).

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„Wein ist ein ständiger Beweis dafür, dass Gott uns liebt und er liebt, uns glücklich zu sehen“, hat einst der amerikanische Universalgelehrte Benjamin Franklin gesagt. Ich will dieser Einschätzung gern glauben. Wohlgemerkt, wir sprechen nicht davon, sich Unmengen des Rebensafts durch die Leber zu flöten. Aber dass das samtige Glas Rioja am Abend einen anderen Charme zu versprühen vermag als der Apfelsaft, den Liebelein gestern schon aufgemacht hat, das wusste Franklin – und der liebe Gott längst vor ihm. Wobei ich Letzterem gar nicht unterstellen möchte, dass er uns rein mit „Deidesheimer Herrgottsacker“ verzückt sehen möchte. Vielmehr glaube ich, dass er uns gar eine Art Warenkorb an die Hand gegeben hat, in dem sich unter anderem auch Sahne, Butterschmalz, Marzipan und Mascarpone an die verkorkte Glasware kuscheln.

Und so futtert man über die Jahre vor sich hin, lässt das Wiener Schnitzel in Butter soufflieren und streut sich Fleur de Sel über die Pizza Napoletana – bis man zu dem Schluss kommt, dass Hemden über statt in der Buxe getragen eigentlich auch ganz schnittig daherkommen… Um’s kurz zu machen: Irgendwann konnte auch ich die wachsende Vielzahl an Veggie- und Vegan-Rezepten nicht mehr ignorieren. Also komm – mein Rezept fürs Wochenende: Laugensemmelknödel mit veganer Champignon-Rahmsauce – ein Kompromiss zwischen „Genuss“ und „gesund“.

Samstagmorgen: Laugenstangen beim Bäcker eingetütet, Eier und edelsüße Paprika habe ich daheim. In der Gemüseabteilung lupfe ich Cherrytomaten, Knoblauch und Lauchzwiebeln ins Körbchen – sieht gar nicht schlecht aus.

"Wurde Ihnen schon mal wortlos, allein mit den Augen, 'gute Besserung!' gewünscht?"Heiko Bosse

Meine Vorfreude aufs abendliche Koch-Event klingt am Kühlregal dann mal kurz ab, als ich den Becher Konditorsahne in der Hand halte, zur Linken aber lese, dass mein Samstagsrezept Hafersahne einfordert. Haben Sie im Supermarkt schon mal Hafersahne gesucht? Oder anders gefragt: Spielen Sie Lotto? Und wurde Ihnen schon mal wortlos, allein mit den Augen, „gute Besserung!“ gewünscht? Mir auch nicht, bevor ich die Dame im Supermarkt-Kittel als Joker in Erwägung zog. Aufhellung erfährt mein Gemüt erst, als ich lese, dass meinem Sößchen auch 100 ml Weißwein zuteil werden sollen.

Die Hafersahne tue ich letztlich beim Boxenstopp im Bio-Markt auf, wo ich auch gleich Hafermilch ins Boot holen kann – ungesüßte, wohlgemerkt. Wir leben ab jetzt ja gesund. Und so gibt’s abends am Herd statt Riesling oder Shiraz ein Glas „Gänsewein“, das Alfred Biolek beschämt über die Brille blicken ließe. Auf eine kurze Zwischenfrage an mich selbst, die auf die Sinnhaftigkeit meines kulinarischen Tuns in dieser Minute abzielt, ist die Antwort: Semmelknödel in Salzwasser ziehen lassen und braune Champignons mit meiner exklusiven Sahne angießen.

So, fertig! Schürze weg, hinsetzen, genießen! Und was soll ich sagen?! Gar nicht mal so lecker..! Ich glaube, wir sollten viel öfter dem lieben Gott vertrauen. Samstag gibt’s Gyros, Tzatziki und eine Weinbegleitung, bei der „Bio“ die Sehhilfe vom Zinken rutscht!


Zur Person:

  • Heiko Bosse ist Mitglied der Chefredaktion der OM Medien.
  • Den Autor erreichen Sie per Mail an: redaktion@om-medien.de.

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