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Der letzte Tag in Freiheit; oder doch nicht?

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Heute: ledig. Morgen: erledigt. Der Junggesellen- oder Junggesellinnenabschied fährt mit peinlichen Traditionen auf. Das muss nicht sein.

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Himmelfahrt liegt hinter, Pfingsten vor uns: Zeit, über die langen Wochenenden mal abzuschalten. Wären da nicht die Junggesellen- und Junggesellinnenabschiede (JGA), die an sonnigen Samstagen aus allen Löchern gekrochen kommen. Grund genug, über "den letzten Tag in Freiheit" zu philosophieren. Könnte es eventuell sein, dass die Ehe doch gar kein Gefängnis ist?

Pling, pling, pling – Chatgruppen mit mehr als drei Mitgliedern sind eh nur stumm geschaltet zu ertragen. Aber die Vorbereitung eines JGAs erfordert besondere Geduld. Verschiedene Freundesgruppen und Meinungen kommen zusammen, um jemandem einen schönen Tag zu bescheren, der kein Mitspracherecht hat. Schon mal versucht, einhändig mit rohen Eiern zu jonglieren? Das ist einfacher.

„Mehrere hundert Euro pro Person ist dieses einmalige Ereignis, an das sich die Hauptperson dank Filmriss eh nicht erinnern kann, locker wert.“Fenja Hahn

Denn ein Bollerwagen mit genug kaltem Bier oder Sekt reicht schon längst nicht mehr aus. Eine Party ohne US-Bus mit Stripstange ist auch keine Party. Und ein Flug nach Mallorca, ein Konzertbesuch und das 3-Gänge-Menü im Sternerestaurant kommen noch on top. Mehrere hundert Euro pro Person ist dieses einmalige Ereignis, an das sich die Hauptperson dank Filmriss eh nicht erinnern kann, locker wert. Was war noch mal der Anlass? Wen interessiert schon die Hochzeit?!

Das richtige Outfit ist selbstverständlich. Während die T-Shirts für Frauen das Wort "Bride" und ein Blumenkranz schmückt, sind die männlichen Pendants unglaublich witzig. Star-Wars-Fans können die Aufschrift "Das war's – Bald hat sie die Macht" tragen, Gaming-Liebhaber den Spruch "Game over", Fußballanhänger bestreiten ihr "Abschiedsspiel" und alle ohne Hobbys sind "Heute: ledig. Morgen: erledigt."

„Außerdem gilt stets die Devise: je peinlicher, desto besser.“Fenja Hahn

Bei allem muss nur eines deutlich werden: Der spaßige Part ist nach dem Ja-Wort vorbei. Gerade für den Mann bedeutet die Ehe einen Einschnitt in sein bis dahin so wildes Leben. Mit dem Ring am Finger muss natürlich immer erst die "Regierung" zu Hause gefragt werden, wenn er ein Bier mit seinen Jungs trinken möchte. Aber auch die Frau muss Partys ad acta legen. Spaß könnte sie schließlich vom Haushalt ablenken.

Außerdem gilt stets die Devise: je peinlicher, desto besser. Wer ohne einen mit Kondomen gefüllten Bauchladen, den Verlust seiner Würde und eine Alkoholvergiftung seinen JGA überlebt hat, hat wahrscheinlich Freunde, die verstanden haben, dass die Ehe gar nicht das Ende aller Freiheiten bedeutet.

Mein eigener nachgeholter Junggesellinnenabschied (Danke, Corona!) war jüngst ein wunderschöner Tag mit Radtour, Picknick, kühlen Getränken, leckerem Essen und guten Gesprächen. Ich bin noch immer dankbar und gerührt. Gar nicht so sehr, weil mir jegliche peinlichen Traditionen erspart geblieben sind – sondern, weil ich diese Freundinnen, die mich so gut kennen, in meinem Leben habe.


Zur Person:

  • Fenja Hahn ist Volontärin der OM-Medien.
  • Sie erreichen die Kolumnistin per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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