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"Der kleine Nazareno": Wie Löninger Straßenkindern in Brasilien helfen wollen

Das Bildungswerk Löningen bietet ab sofort wieder Weihnachtskarten zum Verkauf an. Bernd Rosemeyer und seine Schützlinge in Brasilien freuen sich auf die Hilfe aus Deutschland.

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Soll eine Perspektive erhalten: Matias (rechts) hat mit der Unterstützung von Bernd Rosemeyers Projekt "Der kleine Nazareno" eine Lehrstelle bekommen. Foto: Rosemeyer

Soll eine Perspektive erhalten: Matias (rechts) hat mit der Unterstützung von Bernd Rosemeyers Projekt "Der kleine Nazareno" eine Lehrstelle bekommen. Foto: Rosemeyer

Straßenkindern in Brasilien eine Perspektive geben, das wollen die Brüder Bernd und Werner Rosemeyer aus Löningen. Seit fast 30 Jahren engagieren sich die beiden für die Zukunft verarmter Kinder und Jugendlicher im Nordosten des Landes. Mit dem Verein "Der kleine Nazareno" in Deutschland und der brasilianischen Organisation "Associacao Beneficente O Pequeno Nazareno" legten sie 1994 den Grundstein für das Projekt. Während Werner Rosemeyer die Geschicke des Vereins in Deutschland leitet, zog es Bruder Bernd bereits 1986 als Franziskaner nach Brasilien.

Um die Arbeit der beiden weiter voranzubringen, gibt es jetzt Unterstützung aus der Heimat: Das Bildungswerk Löningen bietet ab sofort wieder Weihnachtskarten zum Stückpreis von 2 Euro an. Der Erlös der Aktion ist dabei zu 100 Prozent für das Projekt bestimmt. Die Karten sind erhältlich in der Löninger Volksbank oder in der Geschäftsstelle des Bildungswerkes (Gelbrink 4). Auf den Weihnachtskarten ziert in diesem Jahr die Madonna von Stalingrad das Deckblatt.

"Ich freue mich wirklich sehr über die Unterstützung aus der Heimat", sagt Bernd Rosemeyer. Sein Haus "O pequeno Nazareno" und vor allem die Dörfer für Straßenkinder sind feste Anlaufstellen und bieten den Kindern von Fortaleza, Recife und Manaus zumindest vorübergehend ein Zuhause, verlässliche Betreuung und Bildungsangebote. Damit sollen ihnen berufliche Chancen eröffnet werden. So konnten einige der Jugendlichen in eine Lehrstelle vermittelt werden, wie beispielsweise Matias aus Fortaleza, der nun in einem Supermarkt arbeitet.

Sucht den Kontakt: Bernd Rosemeyer geht in die Armenviertel und erkundigt sich direkt vor Ort, was die Menschen brauchen. Foto: RosemeyerSucht den Kontakt: Bernd Rosemeyer geht in die Armenviertel und erkundigt sich direkt vor Ort, was die Menschen brauchen. Foto: Rosemeyer

Seine alkoholsüchtige Mutter lebt auf der Straße und sein jüngerer Bruder wurde nicht weit von dem Haus, in dem sie zuvor lebten, umgebracht, erklärt Bernd Rosemeyer. Seine beiden älteren Brüder sind im Gefängnis. Matias wohnte abwechselnd mal bei seiner Tante und mal bei seiner Oma. Die Liebe zu seiner Mutter, die nach dem Mord an ihrem Sohn völlig den Boden unter den Füßen verloren habe, habe ihn gerettet, betont Rosemeyer. Mit dem ersten Lohn wollte der Junge seiner Mutter daher eine Wohnung mieten, damit sie nicht mehr auf der Straße leben müsste.

"Der Hauptgrund für die erschütternden Lebensumstände der aufgenommenen Kinder geht heute ausnahmslos auf den Drogenkonsum ihrer Familienmitglieder zurück", erklärt der gebürtige Löninger. Nicht selten gerate der Nachwuchs dann ebenfalls in diese Abwärtsspirale. Daher seien Geschichten wie von Matias bislang leider noch die Ausnahme. Daran wolle das Nazareno-Projekt langfristig etwas ändern.

32.000 Straßenkinder kämpfen gegen Hunger, Kälte, Drogen und Prostitution

In den Kinderdörfern in Fortaleza, Recife und Manaus erhalten die Straßenkinder eine Schul- und Berufsausbildung und werden rund um die Uhr betreut. Der Verein leistet zudem Aufklärungsarbeit in den Armenvierteln, vor allem in Bezug auf das Thema Drogen. Denn: In Brasilien leben Rosemeyer zufolge ungefähr 32.000 Kinder und Jugendliche völlig verwahrlost auf der Straße. Jeden Tag müssten sie um ihr Überleben und gegen die Realität kämpfen, begleitet von Hunger, Kälte, Prostitution und eben auch Drogen. Auch Gewalt stehe bei den Kindern auf der Tagesordnung.

Und was treibt Rosemeyer auch nach über 30 Jahren in Brasilien an? Es sei der Dalai Lama gewesen, der sehr humorvoll anmerkte: "Falls du glaubst, dass du zu klein bist, etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist", so Rosemeyer. Er sei sich zwar schmerzlich bewusst, dass die Aktionen des Nazareno-Projektes nicht sofort umwälzende strukturelle Veränderungen zur Folge hätten. "Dennoch konnten wir in diesem Jahr vielen in Not geratenen Menschen helfen, auch dank der Hilfe aus meiner Heimat", erklärt der gebürtige Löninger abschließend.


Fakten:

  • 1993 kaufte Bernd Rosemeyer im brasilianischen Fortaleza ein Haus zur Betreuung von Straßenkindern.
  • Ein Jahr später gründete er zusammen mit seinem Bruder Werner den Verein "Der kleine Nazareno". Inzwischen haben die Rosemeyers drei Kinderdörfer aufgebaut – in Fortaleza, Recife und Manaus.
  • Weitere Informationen, auch über weitere Spendenmöglichkeiten, gibt es unter www.nazareno.de.

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