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Der Klang der Erinnerung

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Es gibt diese Lieder, da hilft keine Ohrwurmkur. Songs, die etwas mit dir machen, ob du willst oder nicht.

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"Hello, darkness, my old friend/I've come to talk with you again/Because a vision softly creeping/Left its seeds while I was sleeping". Na, erraten? So lauten die Anfangszeilen von Simon & Garfunkels "The Sound of Silence". Und das Echo der Stille ist jedes Mal gewaltig. Zumindest bei mir. Wenige Sekunden reichen, und Assoziationen in meinem Kopf werden lebendig, fangen Bilder vor meinem inneren Auge an zu tanzen.

Ich sehe Dustin Hoffman im Filmklassiker "Die Reifeprüfung" (1967) als dem Müßiggang frönender College-Absolvent Benjamin Braddock auf der Luftmatratze im Pool treiben. Und mich als Jungpfadfinder im Rudel mit Stockbrot vorm Lagerfeuer sitzen und – trotz überschaubarer Englischkenntnisse und Stimmbruch – lauthals mitkrächzen. Gern auch bei "Almost heaven, West Virginia/Blue Ridge Mountains, Shenandoah River", also bei John Denvers "Take me home, country roads".

Es gibt diese Lieder, da hilft keine Ohrwurmkur. Songs, die etwas mit dir machen, ob du willst oder nicht. Die für immer mit einer bestimmten Situation, einem außergewöhnlichen Moment, einer speziellen Lebenslage verbunden sind. Zu meiner persönlichen Hitliste wird auf ewig "Where The Wild Roses Grow" gehören. Jene düster-tragische Liebesballade von Independent-Ikone Nick Cave und Popsternchen Kylie Minogue war mein selbst gewählter Einlaufsong in der Schulaula bei der Übergabe der Abiturzeugnisse.

"Ein Beatles-Klassiker hat sich in leicht abgeänderter Form für immer in mein Gedächtnis gegrölt."Florian Ferber

Eigentlich eher ein Stimmungskiller, mehr was zum Grübeln statt Grooven. Fiel zwischen Opus’ "Live Is Life" und polnischer Nationalhymne – für meine Mitschüler Leif und Jacek – aber nicht weiter auf.

Ein Beatles-Klassiker hat sich in leicht abgeänderter Form für immer in mein Gedächtnis gegrölt. In Werders Double-Saison 2004 wurde aus "Na-na-na-na-na-na-na/Na-na-na-na, hey Jude" "Schalalalalalalalalalala Micoud", um dem vielleicht besten Spieler, der je das Bremer Trikot trug, zu huldigen. Erst hautnah am Autokorso mit Mannschaft, Meisterschale und Pokalpott in Reichweite, später die Feier mit Tausenden Fans vorm Rathaus. Lebenslang grünweiß. Unvergesslich. Unendlich lange her.

Zu den best gekleidetsten Werder Fans zählt Jan Delay

Apropos Lebenslang grünweiß. Zu den bekanntesten und best gekleidetsten Werder Fans zählt sicher Hip-Hopper Jan Delay. Nun bin ich kein allzu großer Fan seines nasalen Gesangs. Aber jedes Mal, wenn ich "Ahnma" (Beginner feat. Gzuz und Gentleman) höre, erinnere ich mich an einen ehemaligen Arbeitskollegen, der mir dankenswerterweise nicht nur diese Musik näher brachte – und mir so indirekt Textpassagen schenkte wie: "Was Rap ist in 'ner Sinnkrise?/Guck, wie ich es hinbiege mit Armen wie Tim Wiese/Ist 'n positiver Film, den ich schieb', Typ/Vom Eppendorfer Weg bis zur Beatstreet/Hier kommt die Band mit Geschmack/Wenn jeder Jens-Peter einen auf Endgegner macht/Und irgendwo zwischen Itzehoe und Idaho/Kommt noch einer mit Jason Derulo featuring Tyga-Flow/Is' leider so, für uns 'n Haufen Scherben/Doch wir lassen uns die legendäre Stimmung nicht verderben."

In diesem Sinne: Geht es Ihnen auch so, liebe Leserinnen und Leser? Haben sie Lieder, die, sobald Sie sie hören, in Ihnen bestimmte Erinnerungen wecken? Wenn Sie Lust haben, berichten Sie mir gerne davon an unten stehende Mailadresse.


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