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Der innere Schweinehund

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Ich würde mich zwar nicht als Sportmuffel beschreiben, aber als die "Königin der Ausreden", wenn's darum geht, faul auf dem Sofa sitzenbleiben zu können.

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Es gibt sie ja, diese Menschen, die sich gerne und freiwillig viel bewegen. Die sich bei Wind und Wetter die Turnschuhe anziehen, raus an die frische Luft gehen und joggen. Bei uns in der Nachbarschaft gibt es diese merkwürdige Spezies auch (ich mag sie trotzdem). Jedes Mal, wenn ich sie sehe (und ich sehe sie oft), meldet sich mein schlechtes Gewissen. "Wann warst du eigentlich das letzte Mal beim Sport?", fragt mich der Engel auf meiner linken Schulter. "Arbeiten ist auch Sport. Denksport. Und: Du haust beim Schreiben immer so energisch in die Tasten, dass deine Finger genug Bewegung bekommen", sagt der Teufel auf meiner rechten Schulter.  

In meinem Leben gibt es immer nur sehr gute oder sehr schlechte Phasen, was den Sport angeht. Entweder ich bin so motiviert, dass ich wochenlang mindestens jeden zweiten Tag trainiere, oder ich mache einfach gar nichts. Niente. Nada. Dann fahre ich nicht mal mit dem Fahrrad zum Bäcker. Ein gesundes Mittelmaß gibt es nicht. Leider überwiegen die schlechten Phasen deutlich. Meist halten sie von O bis O an. Von Oktober bis Ostern. Im Frühling und Sommer werde ich dann aktiver, nicht unbedingt sportlich, aber immerhin aktiver. Längere Spaziergänge. Fahrradtouren. Herumtoben auf dem Spielplatz mit dem Kleinen. So etwas. 

"Während andere Frauen sich morgens fragen ‚Was ziehe ich an?‘, stellt sich mir immer öfter die Frage ‚Wie komme ich da rein?‘"Sandra Hoff

Bis Ostern hat mein Körperfettanteil aber meistens Dimensionen erreicht, der meine enge Skinny-Jeans zur Langzeitarbeitslosen werden lässt. Auch meine figurbetonte Bluse lässt diesbezüglich keinen Zweifel offen. Während andere Frauen sich morgens fragen „Was ziehe ich an?“, stellt sich mir immer öfter die Frage „Wie komme ich da rein?“

Das Sofa ist einfach zu anziehend…

Dabei bin ich es so leid. Wie schaffe ich es, auch in der dunklen Jahreszeit regelmäßig zum Sport zu gehen oder mich zumindest mehr zu bewegen? Zweimal die Woche würde ja schon reichen. Wo ich doch zu den Menschen gehöre, die grundsätzlich wirklich gerne zum Sport gehen wollen, dann aber über ihre Sporttasche stolpern, beim Hinfallen in der Jogginghose landen, sich kurz aufs Sofa setzen, um zu schauen, ob niemand verletzt wurde, dann aber einfach sitzenbleiben, um versehentlich auch noch eine Pizza zu bestellen… und hinterher noch Eis zu essen. Ich bin die Königin der Ausreden. Heute geht's nicht, weil ich meine Haare frisch gewaschen habe. Morgen geht's nicht, weil meine Sportklamotten noch in der Wäsche sind (jaja, sehr unwahrscheinlich, ich weiß) und übermorgen geht's nicht, weil es regnet. Diese Liste lässt sich unendlich fortführen.

Es nützt nichts. Ich muss dem Schweinehund an den Kragen. Also googele ich, wie ich dieses Viech überwinden kann. Acht Tipps finde ich. 1. Beginnen Sie sofort. Das habe ich hiermit getan. 2. Machen Sie einen konkreten Plan. Das kann ich. Wobei dieser Tipp auch eine willkommene Ausrede ist. Denn solange ich keinen fertigen Plan habe, kann ich nicht starten. Ah ok. Jetzt kommt 3.: Lassen Sie keine Ausreden zu. Ähm, ja. Nächster Tipp, bitte? 4. Belohnen Sie sich. Ah. Oh. Wie schön. Damit fange ich doch direkt an. Ein kleines Stückchen Schokolade auf dem Sofa. Tipps 5 bis 8 hebe ich mir für später auf. Für morgen oder übermorgen. 


Zur Person:

  • Sandra Hoff ist Redakteurin der OM-Medien.
  • Die Autorin erreichen Sie per E-Mail unter: redaktion@om-medien.de.

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