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Der gute Geist verlässt Holdorfs Rathaus

Barbara Schlärmann hat 31 Jahre das Vorzimmer von Christian Kuck, Gerd Muhle und Dr. Wolfgang Krug geleitet. Sie hat in der Zeit viele Aufgaben übernommen – und erinnert sich an eine Sparkommission.

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An ihrem Stammplatz: Barbara Schlärmann saß 31 Jahre im selben Zimmer im Holdorfer Rathaus. "Aber zum Glück nicht immer auf dem gleichen Stuhl", sagt sie schmunzelnd. Foto: Böckmann

An ihrem Stammplatz: Barbara Schlärmann saß 31 Jahre im selben Zimmer im Holdorfer Rathaus. "Aber zum Glück nicht immer auf dem gleichen Stuhl", sagt sie schmunzelnd. Foto: Böckmann

Eigentlich hatte Barbara Schlärmann beruflich ja etwas völlig anderes vor. Die Lohnerin studierte katholische Religion und Geografie auf Lehramt, sie absolvierte ihr Referendariat. Doch statt Schüler zu unterrichten war Barbara Schlärmann drei Jahrzehnte lang die wichtigste Ansprechpartnerin für die Verwaltungschefs im Holdorfer Rathaus. Denn sie leitete das Vorzimmer von Gemeindedirektor Christian Kuck sowie den beiden Bürgermeistern Gerd Muhle und Dr. Wolfgang Krug.

Nach 31 Jahren in der Verwaltung der Südkreis-Kommune hatte Barbara Schlärmann am Mittwoch ihren letzten Dienst-Tag. Zum Bedauern von Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug, der die 63-Jährige gerne noch länger beschäftigt hätte. Ihr Wissen sei einfach unschätzbar gewesen. Doch Barbara Schlärmann freut sich nun sich auf mehr Zeit – mit ihrem Mann, im Garten und für das Geigespielen im Kammerorchester der Musikschule Lohne.

Doch wie kam die Lohnerin im Januar 1988 überhaupt zur Gemeinde Holdorf? Die Verwaltung suchte eine Person, die sich „explizit“ (Schlärmann) nur mit der Chronik befasste, die die Gemeinde zum 800-jährigen Bestehen Holdorfs herausgeben wollte. Schlärmann überzeugte im Vorstellungsgespräch Ernst Böhm, den Schulleiter der Barbara-Schule Langenberg und Hauptverantwortlichen für die Chronik, und ihren Kollegen Heiner Themann, dem jetzigen Bürgermeister-Vertreter.

Die Festchronik vier Mal Korrektur gelesen

„Ich habe die Festchronik exakt vier Mal vom ersten bis zum letzten Wort Korrektur gelesen“, erinnert sich Schlärmann und lacht. Als studierte Lehrerin war sie für diese Aufgabe aber auch irgendwie prädestiniert. Zum Aufgabenfeld gehörte für Barbara Schlärmann dann auch die Organisation des Festjahres und die Ausschreibung der Festwirtschaft. Es waren völlig neue Aufgaben für die Pädagogin, doch sie fand Gefallen daran. Nachdem dieser befristete Zwei-Jahres-Vertrag ausgelaufen war, fragte Gemeindedirektor Kuck, ob Barbara Schlärmann tatsächlich noch im Schuldienst arbeiten wolle. Sie verneinte dies – und blieb.

Das Aufgabenfeld von Barbara Schlärmann beschränkte sich in den vergangenen 31 Jahren aber nicht auf nur die klassischen Aufgaben im Vorzimmer der Verwaltungschefs. Vor allem nach dem Ende der Zweizügigkeit (ehrenamtlicher Bürgermeister und hauptamtlicher Gemeindedirektor) sei das Spektrum größer geworden, findet Barbara Schlärmann. Sie übernahm Aufgaben im Personalwesen und in der zentralen Verwaltung, organisierte federführend bis zu 25 Wahlen und war Ansprechpartnerin für die Feuerwehren, sie stellte Förderanträge und war Protokollführerin, machte die Öffentlichkeitsarbeit und war zuletzt auch die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Holdorf.

Sie konnte zu Aufgaben schlecht Nein sagen

In den vergangenen fünf Jahren übernahm Schlärmann auch Aufgaben von Krug und Themann, damit diese mehr Kapazitäten für Bauangelegenheiten hatten. „Kein Tag ist so geendet, wie man ihn sich vorgenommen hat“, sagt Barbara Schlärmann. Dies hänge, schmunzelt sie, wohl auch damit zusammen, dass sie schlecht Nein sagen könne.

Drei Jahrzehnte in der Verwaltung – da hat Schlärmann einiges erlebt. In die Zeit fiel auch die sogenannte „Sparkommission“. Diese wurde 1994 eingesetzt, weil es Holdorf finanziell nicht gut ging. Für die Verwaltungsmitarbeiter hieß das: Sie sollten sich ganz genau überlegen, ob Büromaterial tatsächlich eingekauft werden müsse. Oder ob Kopien nach dem Mittag wirklich noch nötig seien. Heute ist dies in der finanzstarken Kommune kaum vorstellbar, „aber der Gemeinde ging es damals nicht so gut“, erinnert sich Schlärmann. Zeitweise wurde auch kein neues Personal mehr eingestellt.

"Wenn man Fotos oder etwas Anderes von der Verwaltung wissen wollte, hat man am besten immer bei Barbara angerufen."Mario Stickfort, Ratsvorsitzender

In diesem Jahrtausend befindet sich die Gemeinde jedoch auf Wachstumskurs. Zum Vergleich: 1988 hatte Holdorf 4500 Einwohner und 17 Mitarbeiter in der Verwaltung. 2021 hat Holdorf 7500 Einwohner und 23 Beschäftigte in der Verwaltung.

In der Gemeinde bedauert man den Abgang von Barbara Schlärmann sehr. Für Bürgermeister-Vertreter Themann war seine Kollegin „der gute Geist“. Für den früheren ehrenamtlichen Bürgermeister Bernard Echtermann war Schlärmann „der Fels in der Brandung“. Und für Bürgermeister Krug war seine Vorzimmer-Mitarbeiterin die „Arbitra Elegantiarum“, die „Schiedsrichterin der Dinge für den guten Geschmack“, weil Schlärmann sich um die Auswahl von Einrichtungsgegenständen kümmerte.

Das müssen nun andere Mitarbeiter machen. Zum Beispiel Ina Lassi und Pia Müller, die nun die Aufgaben von Barbara Schlärmann übernehmen.

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