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Der große Mangel: Losen um die nächste Impfrunde?

Der Zeitplan zur Corona-Schutzimpfung für Senioren ab 80 ist kaum noch einzuhalten. Welche Gemeinde kommt als nächste dran? Und warum?

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Schild da, Termin unklar: Wann es wirklich losgeht mit den Impfungen in Cloppenburg, ist offen. Foto: Kreke

Schild da, Termin unklar: Wann es wirklich losgeht mit den Impfungen in Cloppenburg, ist offen. Foto: Kreke

Ab Samstag sollten eigentlich schon Cloppenburger Senioren über 80 geimpft werden. Damit rechnet kaum noch jemand. Und auch die Reihenfolge der Gemeinden steht noch nicht fest. Sicher ist bislang nur: Die bereits einmal geimpften Senioren in Lastrup erhalten am Samstag ihre zweite Dosis. Danach beginnen die Fragezeichen.

Die Stadt Cloppenburg mit über 2100 berechtigten Kandidaten dieser Altersgruppe sollte eigentlich in der Woche ab dem 8. Februar an die Reihe kommen. Angekündigt ist nach dem zweiwöchigen Lieferstopp, den das Land mangels Nachschub ausrief, die nächste Charge für den 15. Februar – unter Vorbehalt. „Wir erwarten morgen eine Nachricht aus Hannover“, teilte Prof. Joachim Schrader, der Leiter des kreiseigenen Impfzentrums, auf Nachfrage mit. Wann und wie viele Dosen eintreffen, ist offen.

„Logistisch könnten wir sofort loslegen."Prof. Joachim Schrader

„Logistisch könnten wir sofort loslegen“, sagt Schrader. Rund 40 Hausärzte, die sich freiwillig zum Dienst gemeldet haben, und das Deutsche Rote Kreuz unterstützen das landesweit bisher einmalige Modellprojekt der lokalen Impfzentren. Kreisweit haben etwa 8000 bis 9000 Senioren über 80 Jahre die erste Priorität, den Impfstoff zu erhalten. Erwartet werden bei einer Bereitschaft von 80 Prozent etwa 6500 Impfwillige. Die rechnerische Differenz erklärt sich durch die Vorab-Versorgung der Alten- und Pflegeheime, die allerdings noch nicht abgeschlossen ist: Etliche Heimbewohner warten noch auf die zweite Dosis, die den Schutz vollendet.

Angesichts Lieferschwierigkeiten und der Begrenzung des zweiten Impfstoffs von Astra-Zeneca auf Menschen bis 65 Jahren kommt der Plan ins Rutschen, alle über 80-Jährigen in den Städten und Gemeinden bis spätestens Ende der elften Kalenderwoche zu versorgen. Damit wird die Frage, welche Gemeinde als nächste an die Reihe kommt, drängender. Denn: Entschieden ist noch nichts. Die Abfolge sei noch nicht beschlossen, bestätigte Frank Beumker auf Nachfrage.

Vom Losentscheid hält der Kreis nicht viel

Auf die Idee, die Reihenfolge auszulosen, um ein politisches Gerangel auszuschließen, gehtder Pressesprecher des Landkreises nicht ein. Welche lokalen Impfzentren als nächste bedient werden, „werden wir gemeinsam mit den Städten und Gemeinden festlegen“, sagte Beumker. Dass Lastrup als erste Gemeinde mit dem Modellprojekt startete, hatten einige Bürgermeister zu Beginn der Aktion hinter verschlossenen Türen bemängelt, weil sie nicht einbezogen worden waren. Aus politischen Kreisen verlautete, es sei der pure Zufall gewesen: Bürgermeister Michael Kramer sei der erste erreichbare Gemeindechef gewesen. Er hatte am Telefon spontan zugesagt.

In der weiteren Abfolge, so der ursprüngliche Plan, sollten die Gemeinden, die am schnellsten ihre „Hausaufgaben“ erledigt und alle Senioren abgefragt haben, als nächste bedacht werden. Da durch die Lieferschwierigkeiten aber alle reichlich Zeit zur Vorbereitung hatten, dürfte sich dieses „Windhund-Verfahren“ inzwischen erledigt haben. In die Überlegungen einbezogen werden muss jetzt, wie die (hoffentlich am Dienstag) zugesagten Liefermengen rechnerisch am besten „aufgehen“. Nur die Hälfte der Senioren in einer Gemeinde zu impfen, weil die Anzahl der verfügbaren Ampullen nicht reicht, ist weder für die Gemeinden noch für den Landkreis eine ernsthafte Option.

Kritiker operieren mit falschen Kosten

Cloppenburg ist zumindest gut vorbereitet: Die Stadtverwaltung hat alle über 80-Jährigen angeschrieben und eingeladen. „Die Münsterlandhalle ist hergerichtet und die Impfkabinen stehen“, berichtete Pressesprecherin Friederike Böckmann. Sobald der Landkreis Termine nennen könne, werde jeder Einzelne telefonisch oder per Mail benachrichtigt. Ehrenamtliche Kräfte unterstützen das Personal der Stadt.

In sozialen Netzwerken  wurde derweil schon diskutiert, ob das zentrale Impfzentrum in der Jugendherberge an der Thülsfelder Talsperre eine „Fehlinvestition“ sei. Kritiker, die die Kosten nicht kennen, fabulieren von „hunderttausenden“ Euro, die angeblich „in den Sand gesetzt“ würden. Schrader wies die freihändigen Schätzungen als „völlig übertrieben“ zurück. Der Aufwand an einfachen Stellwänden und Leichtbau-Kabinen sei „äußerst bescheiden“. Zudem greife das Deutsche Rote Kreuz auch auf eigene, längst vorhandene Ausrüstung aus ihrem Blutspendedienst zurück, erklärte Schrader.

Die Behauptung, das Zentrum werde wegen der lokalen Impfungen, gar nicht mehr benötigt, ist für den leitenden Mediziner genauso aus der Luft gegriffen. „Wir nutzen die Räume für kleinere Gruppen wie zum Beispiel die Mitarbeiterinnen von ambulanten Pflegediensten“, sagte der Internist. Auch für die nächsten Gruppen von Risikopatienten unter 80 Jahren sei das Impfzentrum notwendig. Darüber hinaus könnten zum Beispiel auch die Gemeinden Garrel und Molbergen auf die Idee kommen, das Gebäude an der Talsperre als „ihr“ lokales Impfzentrum zu nutzen. Die Jugendherberge liegt zwar auf Garreler Gebiet, aber Molbergen ist sogar noch näher dran als der Garreler Ortskern.

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