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Der Gemeinsinn hatte 2022 in Löningen Hochkonjunktur

Die Pandemie wurde im Laufe des Jahres zunehmend zum Randthema. Die Löninger wollten wieder feiern und durften es auch. Außerdem gründeten sie gleich mehrere gemeinnützige Vereine und ein Kulturcafé.

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Mehr als nur ein Hauch von Hochkultur hat im August den Kurt-Schmücker-Platz umweht: Vor fast 1000 Besuchern brachte die Festspieloper Prag dort Giuseppe Verdis berühmteste Oper „Nabucco“ auf die Bühne. Die Aufführung hatte eigentlich schon im vergangenen Jahr stattfinden sollen, musste – wie so viele Events – aber wegen Corona verschoben werden. Die Kulisse stimmte und auch das  100-köpfige Ensemble zeigte sich bei bestem Sommerwetter in Hochform.

Das Opernspektakel war einer der Höhepunkte eines an Veranstaltungen reichen Jahres in Löningen. So fand die "fünfte Jahreszeit", das Schützenfest, endlich wieder wie gewohnt statt. Die 425. Auflage wurde denn auch besonders ausgelassen gefeiert. Mit dem neuen König Daniel Lüdemann und Kaiser Jürgen Breher bestiegen würdige Majestäten den Thron. Zudem wagten die Schützen ein bisschen mehr Geschlechtergerechtigkeit:  Mädchen dürfen jetzt beim Kinderschützenfest ebenfalls auf den Adler schießen.  Nicht unterschlagen werden dürfen natürlich die zahlreichen anderen Schützenfeste in den Kirchdörfern und Bauerschaften der Stadtgemeinde.

Nach 2 Jahren Absagefrust hatte auch Stadtmarketingleiter Jörn Willen wieder Grund zum Strahlen. Neben Nabucco lockten zunächst das Margeritenfest, später das Weinfest, die Kirmes und der Naschmarkt die Massen in die City. Die Mischung aus Kultur und Kulinarik funktionierte nicht zuletzt dank des guten Zusammenspiels mit der örtlichen Gastronomie bestens.

Rund 1000 Besucher: Die Opernaufführung auf dem Kurt-Schmücker-Platz war im August ein voller Erfolg. Foto: WienkenRund 1000 Besucher: Die Opernaufführung auf dem Kurt-Schmücker-Platz war im August ein voller Erfolg. Foto: Wienken

Hase-Theater und Kulturcafé gegründet

Noch mehr Kultur bieten möchten die Gründer des neuen Hase-Theaters, die im März ihr neues Domizil in der unteren Langen Straße vorstellten.  Neben einem eigenen Ensemble werden nach der Renovierung Kleinkünstler, Kabarettisten und Autoren in dem ehemaligen Haus Grönheim auftreten, das auch den Vereinen und Schulen offen stehen soll. Auch die bildende Kunst wird ihren Platz bekommen.  Mit dem Projekt wolle man zur Belebung der Innenstadt beitragen, sagen die Macher.

Schnelle Schäler: Auf der Kirmes in Löningen fand die Deutsche Kartoffelschälmeisterschaft statt. Foto: SiemerSchnelle Schäler: Auf der Kirmes in Löningen fand die Deutsche Kartoffelschälmeisterschaft statt. Foto: Siemer

Dafür, dass sich die Menschen in Löningen 2022 in Sachen Kultur wieder einiges zutrauten, ist Mareike Moorkamp das beste Beispiel. Die 40-Jährige erfüllte sich einen lang gehegten Traum und eröffnete im Huckelrieder Heimathaus ein eigenes "Kulturcafé". Live-Musik, Lesungen und Kleinkunst sorgen dort seit dem Frühjahr für Abwechslung. Unterstützt wird Moorkamp vom Löninger  Heimatverein, dessen Vorsitzender Paul Mastall sich über die neue Pächterin freut.

Ebenfalls gemeinsam etwas bewegen wollen die Mitglieder des Vereins "Bürger für Bürger – Fünf Viertel und eine Wiek", der sich im Sommer konstituierte. "Auch Menschen vor der eigenen Haustür benötigen Unterstützung", erklärt die erste Vorsitzende Marlies Hukelmann den Zweck der Neugründung. Dass sich zusammen viel auf die Beine stellen lässt, bewiesen nicht zuletzt die Benstruper. Sie gründeten die "Wirtshaus KG", deren Ziel der Umbau und Weiterbetrieb der Gaststätte Wingermühle ist. Die Finanzierung steht, in wenigen Wochen soll es losgehen.

Tonnenweise Hilfsgüter: Wie hier in Bunnen spendeten die Löninger nach Kriegsbeginn für die Menschen in der Ukraine. Foto: MeyerTonnenweise Hilfsgüter: Wie hier in Bunnen spendeten die Löninger nach Kriegsbeginn für die Menschen in der Ukraine. Foto: Meyer

Politik und Verwaltung hatten in diesem Jahr wie überall mit den Auswirkungen des Ukraine-Krieges zu tun. Dabei konnten sich die Hauptamtlichen auf eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung verlassen. Der neue Bürgermeister Burkhard Sibbel und sein Team waren bei der Suche nach Wohnraum für Geflüchtete gefordert. Außerdem galt es, die begonnenen Vorhaben, darunter den Bau des Omnibusbahnhofes am Schulzentrum und den Bau der Feuerwehr, umzusetzen. Schwieriges Thema wird auch im neuen Jahr der Ausbau der E 233 bleiben, der – sollte er wie geplant umgesetzt werden – für den Norden der Stadtgemeinde erhebliche Auswirkungen haben wird. 

Und das waren ebenfalls Themen in Löningen:

Gewalt und Brandstiftung: Wochenlang kam es in Löningen immer wieder zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen unter jungen Leuten. Inzwischen hat sich die Situation wieder beruhigt. Aufgeklärt scheint eine Brandserie, die sich Mitte Juli in der Innenstadt ereignete. Dabei verhinderte die Feuerwehr Schlimmeres. Der mutmaßliche Täter, ein bereits wegen Brandstiftung verurteilter Löninger, wurde wenig später verhaftet. Er steht seit Dezember vor Gericht.

Neue Pastorin: Anfang August tritt Lina Kohring ihre Stelle als neue Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Trinitatis-Gemeinde an. Die junge Geistliche zieht mit Kind und Ehemann ins Pfarrhaus und hat im September bereits ein wichtiges Ereignis, die  125-Jahr-Feier der Kirche, auf der Terminliste stehen. Das Fest wird natürlich ein Erfolg.

Leises Jubiläum:  Im Jahr 822 taucht der Name "Loingo" erstmals in einer Urkunde auf. Ihr 1200-jähriges Stadtjubiläum feiern die Löninger pandemiebedingt nur leise, aber sichtbar: Eine von Peter Rüwe gestaltete Stele erinnert  seit August an die lange Geschichte der Stadt. 

Willi Siemer geht von Bord: Mitte Mai endet eine Ära. MT-Redakteur Willi Siemer geht in Rente! 33 Jahre hatte er als „Mr. Südkreis“ die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in den vier Gemeinden journalistisch begleitet. Dafür ist jetzt das Duo Georg Meyer/Meike Wienken zuständig.

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