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Der Blick nach oben

Meine Woche: Über die verborgene Welt vor unseren Augen – Wer nach oben guckt, der sieht mehr. Eine ganze Welt, die verborgen bleibt, wenn man nur geradeaus sieht.

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Ihr liebster Urlaubsort? Auf welche Kochkünste sind sie stolz? Welche Figur aus der Geschichte bewundern Sie am meisten? Der populäre Fragebogen für Promis und andere interessante Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, der von mehreren Printmedien kultiviert wird – ich werde ihn wohl nie vorgelegt bekommen.

Macht nichts. Denn es gibt nur ein Thema, auf das ich wirklich erpicht wäre, um darüber eine Auskunft zu geben – und dafür nutze ich diese Kolumne, die mir zudem genügend Raum für Erklärungen lässt. Auf die Frage, wer meine Lieblingsfigur in der Literatur ist, würde ich antworten: „Hanns Guck-in-die-Luft“ aus dem Kinderbuchklassiker „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann, das 1844 erstmals erschien.

Zur Erinnerung sei der Anfang der bebilderten Geschichte in Versen zitiert: „Wenn der Hanns zur Schule ging,/Stets sein Blick am Himmel hing./Nach den Dächern, Wolken, Schwalben/Schaut er aufwärts, allenthalben:/Vor die eignen Füße dicht,/Ja, da sah der Bursche nicht,/(...)“

Erst stürzt Hanns über einen Hund, der ihm vor die Beine läuft, am Ende fällt er in den Fluss, wird von zwei Helfern herausgezogen, aber von den Fischen ausgelacht, während seine Schulmappe davonschwimmt.

Hanns Guck-in-die-Luft soll ein Anti-Held sein, der von einem Malheur ins nächste stolpert, weil er nicht aufpasst, wo er seinen Tritt hinsetzt. Ob die Figur je die erzieherische Wirkung erzielte, die ihr zugedacht war?

"Wunderschöne Verzierungen an Hauswänden, kunstvoll geschwungene Ornamente unterhalb von Dachlinien, eine kleine in die Hauswand eingebettete Skulptur und viele andere optische Kostbarkeiten warteten darauf, bewundert zu werden." Giorgio Tzimurtas

Bei mir hat das nicht geklappt. Ich wurde als Teenager doch ein „Hanns Guck-in die Luft“. Ganz bewusst. Denn zuvor ging ich – wie es bei vielen üblich ist – mit dem nur geradeaus oder nach unten gerichteten Blick meines Weges. Eines Tages staunte ich über diese zufällige Erkenntnis: Wer die Augen nach oben richtet, der sieht mehr. Eine ganze Welt, die vorher verborgen geblieben war, tat sich da auf. Wunderschöne Verzierungen an Hauswänden, kunstvoll geschwungene Ornamente unterhalb von Dachlinien, eine kleine in die Hauswand eingebettete Skulptur und viele andere optische Kostbarkeiten warteten darauf, bewundert zu werden, luden zum Schwelgen ein.

Und: Zu beobachten, wie Schwalben ihre Linien durch die Luft ziehen oder die Wolken sich stets wandeln, ist etwas Faszinierendes.

Den Blick gen Himmel zu richten, nur ab und zu – was soll daran falsch sein, wenn sich so viel Schönheit bietet?

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