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Der Benediktiner im orangenen Gewand

Kolumne: Auf ein Wort – Maß halten bedeutet nicht zwingend Verzicht. Ordensgründer Bendedikt gab seinen Brüdern einen großzügigen Leitfaden an die Hand. Aus dem lässt sich viel für heute lernen.

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Geschimpft hat er: der Straßenarbeiter im kleinen Bergdorf in Südtirol. Im orangefarbenen Anzug mit der gelben Pumpe in der Hand das Unkraut mit Gift bespritzend, das sich an den Gehwegen durch die Asphaltritzen gezwängt hat.

Gewettert hat er über ein neues Fünf-Sterne-Hotel. Entstanden an der Stelle eines kleinen Bauernhofs. Mit Preisen von gut 300 Euro pro Person für das einfachste Appartement. Das heißt von mehr als 1000 Euro für ein Ehepaar mit zwei Kindern. Pro Nacht.

Sich darüber geärgert, dass eigens ein neues Abwasserrohr für dieses Gebäude bis ins Tal hinab verlegt werden müsse, weil die bisherige Dorfkanalisation das nicht schaffen würde. Der Einheimische, gut 30-Jährige, hat sich darüber aufgeregt, weil auch in seiner Heimat Wasser knapp wird und er als einfacher Bürger am kühlen Nass sparen soll. Die Touristen dagegen würden dreimal täglich unter die Brause steigen.

Ein Miesepeter, der den Gästen ihren Urlaub nicht gönnen will oder gar deren Erholung? So hat er nicht gewirkt. Vielmehr als ein bodenständiger Mensch, der spürt, dass hier etwas aus dem Ruder läuft.

"Wer bei ihm ein Alkoholverbot sucht, schaut vergebens: Ungefähr ein Viertel Wein ließ der Ordensgründer um 500 nach Christus den Ordensleuten pro Tag zukommen. Bei Arbeit oder Hitze auch mal mehr."Dietmar Kattinger

„Wenn der Mensch Gott spielt“, hat die Wochenzeitung „Die Zeit“ kürzlich getitelt. Der Mensch sei in vielen Dingen der Hybris, dem Größenwahn, verfallen. Angelockt durch das Flatrate-Klebeband des Alles-haben-Könnens – und das 24 Stunden am Tag. Das Prinzip des „Rechten Maßes“ betont hingegen der heilige Benedikt als zentralen Grundsatz seiner Ordensregel: Fürs rechte Maß beim Essen beispielsweise hat er eigens ein ganzes Kapitel formuliert. Nicht nur eine, sondern zwei Speisen solle es danach für die Mönche täglich geben. Damit jeder wählen kann. Aber: „Nehmt Euch in Acht, dass nicht Unmäßigkeit Euer Herz belaste.“

Wer bei ihm ein Alkoholverbot sucht, schaut vergebens: Ungefähr ein Viertel Wein ließ der Ordensgründer um 500 nach Christus den Ordensleuten pro Tag zukommen. Bei Arbeit oder Hitze auch mal mehr. „Doch achte der Obere darauf, dass nicht Übersättigung oder Trunkenheit sich einschleiche.“ Auch bei der Kleidung „sorge der Abt für das rechte Maß“.

Als Blaupause mögen Benedikt die Zeilen aus dem Buch der Weisheit (11,22-24) gedient haben. „Du, Gott, liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest Du es nicht geschaffen.“

Gerne alle Dinge genießen, aber im rechten Maße. Der Straßenarbeiter in Südtirol: ein Benediktiner in Orange!


Zur Person:

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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