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Den Weihnachtsbaum ruhig stehen lassen!

Kolumne: Auf ein Wort – Weihnachten ist das Angebot, sich heilen zu lassen und zu heilen. Und das Fest der Feste ist noch so viel mehr. Bei mir ist die Vorfreude deshalb groß.

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Sie ist 23, hoch intelligent und hat ihr erstes Studium gut hinter sich gebracht. Jetzt will sie ein zweites beginnen. Und es geht nichts mehr. Allein in einer zwar nicht riesigen, aber doch neuen Stadt. 300 Kilometer von den Eltern entfernt werden Depressionen so stark, dass sie Medikamente braucht.

Psychologische und psychiatrische Beratungsstellen werden in diesen Tagen von Jugendlichen überrollt, berichtete unlängst eine Kollegin. Studierende suchen händeringend nach Bewältigungsstrategien für ihren Alltag. Beratungslehrer könnten dreimal so viel Zeit investieren, wie ihr Kontingent es vorsieht. Welch‘ Befund! Welch‘ Lage!

Von heute bis Heilig Abend bleiben 16 Tage. Der, dessen Geburt dann gefeiert wird, wurde früher ‚Heiland‘ genannt. Ich erinnere mich als Kind an große rechteckige Wandbilder älterer Menschen, auf denen Jesus mild dargestellt und weichgezeichnet war. Nein, weder dieser Stil noch das Wort 'Heiland' sind in meine Religiosität eingegangen. Der Inhalt schon.

Führt alles Typische des Advent zurecht auf den Kern von Weihnachten: der wohlige Duft, das wärmende Getränk, die Lichter. "Heute ist Euch in der Stadt Davids der Retter geboren", lautet der Kernsatz im Weihnachtsevangelium (Lk 2,11).

"Jesus ist Rettung, Heil und Erlösung für den ganzen Menschen. Vom kleinen Zeh angefangen bis zur letzten Haaresspitze."Dietmar Kattinger

Der und das, auf das alles hinausläuft: Rettung, Heil und Erlösung für den ganzen Menschen. Vom kleinen Zeh angefangen bis zur letzten Haaresspitze. Für alle: von der Bettlerin bis zum Millionär.

Im ersten Teil der Bibel "Schalom" genannt (=Friede, Heil, Wohlergehen) betet auch der Psalmist darum: "Heile mich, Herr, denn meine Glieder zerfallen! (Ps 6,3)." Gleichzeitig hat er Erlösung bereits erfahren: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten? (Ps 27,1).“ Oder: "Herr, mein Gott, ich habe zu Dir geschrien und Du hast mich geheilt. (Ps 30,3)."

Etliche Seiten weitergeblättert ist der Name Jesu (“Gott rettet“) Programm und Weisung zugleich: "Und er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen (Lk 9,2)."

Weihnachten ist das Angebot, sich heilen zu lassen und zu heilen. Das darf und muss man erst mal sacken lassen. Das Geschehen der Heiligen Nacht ist deshalb nicht das Ende, sondern erst der Beginn der weihnachtlichen Erlösungszeit. Also: Den Tannenbaum als Erinnerung ruhig ein paar Tage stehen lassen!


Zur Person

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail unter: redaktion@om-medien.de.

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