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Demenzberatung geht neue Wege

Die Demenzkoordinatorin Beate Langhorst ist nun mit dem Projekt Telav vernetzt. Das ist eine von vielen Änderungen, die in der Corona-Zeit entstanden sind.

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Beate Langhorst ist seit 2 Jahren Demenzkoordinatorin im St. Franziskus-Hospital Lohne. Foto: E. Wenzel

Beate Langhorst ist seit 2 Jahren Demenzkoordinatorin im St. Franziskus-Hospital Lohne. Foto: E. Wenzel

Die Demenzberatung der Demenzkoordinatorin im St. Franziskus-Hospital Lohne, Beate Langhorst, ist nun an das Projekt Televersorgung im Landkreis Vechta (Telav) angeschlossen. So können die Beratungstermine mit Langhorst nun auch online gebucht werden. Darüber hinaus hat die Koordinatorin einen Demenz-Ratgeber erstellt.

Bewährt hat sich das Projekt "Telav" seit 2021 etwa beim Lohner Pflegedienst „Zerhusen & Blömer“ sowie beim St. Anna-Stift Kroge. Bei der Lohner Demenz-Beratung ist es am vergangenen Mittwoch online gegangen. Telav entstand aus einer Zusammenarbeit der Städte Vechta und Lohne. Das Angebot soll das medizinische und pflegerische Angebot digitalisieren. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels solle so die Qualität der Gesundheitsversorgung gesichert werden, hieß es bei der Gründung.

Über die Website des Telav-Projekts kann der Nutzer oder die Nutzerin unter dem Reiter "Demenzberatung" sehen, was es für Beratungsangebote gibt und diese buchen. Die Beratung selbst ist generell kostenfrei. Vorher wurden Termine telefonisch vereinbart.

Demenz-Wegweiser gibt Überblick außerhalb der Bürozeiten

Darüber hinaus gibt es auf der Website einen sogenannten Demenz-Wegweiser. Dieser zeigt die medizinischen und nicht medizinischen Beratungs- und Entlastungsangebote, finanzielle Unterstützung und weitere Informationen. Das sei ein guter erster Überblick für die Angehörigen von Dementen, erklärt Langhorst.

Das Angebot entlastet Beate Langhorst, denn sie ist nach eigenen Angaben in der Region die einzige Person, die ausschließlich und spezialisiert zum Thema Demenz berät. In den Jahren seit ihrer Einstellung 2020 habe sie 180 Personen aus den Landkreisen Vechta, Cloppenburg und Diepholz beraten, sagt sie. Dazu kümmere sie sich aber auch um Personalfortbildungen im St. Franziskus-Hospital zum Thema Demenz und die Vernetzung mit weiteren Einrichtungen. So können auch außerhalb des Krankenhauses Fortbildungen angeboten werden.

Im Rahmen von Aktionen wie der Woche der Demenz tritt Langhorst auch an die Öffentlichkeit. Es gebe noch immer viele Vorurteile über Demenz, sagt sie. Zum Beispiel, dass Betroffene aggressiv seien. Sie wolle das Thema enttabuisieren – besonders nachdem es in der Corona-Pandemie Rückschritte gegeben habe.

Beate Langhorst gibt praxisnahe Hilfestellungen

Die Beratungen selbst sollen so individuell wie möglich erfolgen. Da sie selbst gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin sei, habe sie einen besonderen Blick darauf, was im Alltag tatsächlich anwendbar sei, versichert Langhorst. Weiteres Wissen habe sie sich über ihr Gerontologie-Studium angeeignet. Allerdings: Medizinische Beratungen führe sie nicht durch.

Die Corona-Pandemie habe ihre Arbeit deutlich verändert, erklärt Langhorst. So seien persönliche Gespräche eine Zeit lang nicht möglich gewesen, noch immer sind nur drei Personen in ihrem Büro erlaubt. Folglich stieg die Anfrage nach Telefon- und Videoberatungen. Besonders die Telefonberatungen seien aber nicht so wertvoll, wie die persönlichen Gespräche. Meist seien sie auch kürzer. Dazu spalte sich ihr Klientel in zwei Gruppen – jüngere zwischen 40 und 60 und Ehepartner zwischen 60 und 90. Für letztere sei die Nutzung der Online-Angebote schwierig.

Corona-Pandemie hat Angehörige belastet

Die Online-Beratung ermögliche aber auch viel, versichert Langhorst. So habe sie kürzlich ein Beratungsgespräch mit mehreren Personen gehabt. Das sei praktisch bei Familien, in denen die Kinder etwa in anderen Städten wohnen.

Aber auch auf der anderen Seite sah das Leben anders aus: "Corona war für die Angehörigen drastisch", erklärt Langhorst. Da etwa Tagespflegen oder Gesprächskreise schließen mussten, seien pflegende Angehörige oft auf sich allein gestellt gewesen. Das habe es den Familien schwer gemacht, mit manchen Verhaltensweisen von Demenz-Patienten umzugehen. Lauftendenzen oder Unruhezustände den ganzen Tag ohne Hilfe zu händeln, das sei nicht leicht. Und auch den Dementen hätten die sozialen Kontakte und die Bewegung gefehlt – beides helfe bei der Krankheit.


  • Info: Am 23. September findet in Lohne ein Info-Tag zum Thema Demenz statt, bei dem sich Beate Langhorst, verschiedene Dienstleistungsunternehmen sowie der Seniorentreffpunkt und die Freiwilligenagentur Herz & Hand vorstellen wollen. Die Veranstaltung findet von 10 bis 17 Uhr im Ludgerus-Werk statt.

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