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Deine Spuren im Sand...

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Wenn man lange Zeit gemeinsam durchs Leben geht, droht irgendwann der Moment, an dem man einen Schlussstrich ziehen muss. Doch wann ist der…?

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Da stehst du nun also vor mir, und ich bringe es nicht übers Herz. Mit einem Satz, mit einem Fingerzeig könnte alles vorbei sein. Und ich frage mich: „Ist das der eine, der richtige Moment?“ 12 Jahre lang sind wir zusammen durchs Leben gegangen. Wer hätte seinerzeit gedacht, dass wir mit der Zeit so zueinander finden würden?! Du brauchst den Sommer, ein bisschen „Dolce Vita“, ich dagegen liebe den Winter, die raue Natur, eisigen Wind.

Nein, es war nicht abzusehen, dass wir es überhaupt so lang miteinander aushalten würden. Vielleicht hat uns ein glückliches Verhältnis von Nähe und Distanz in die Karten gespielt. Es gab Phasen, da haben wir uns täglich gesehen – und dann wieder Monate lang gar nicht. Aber sobald wir wieder zusammen waren, gab es nur noch dich und mich. Wir zwei gegen den Rest der Welt, egal wie steinig unser Weg auch war – weil wir es konnten. Als reines Schönwetter-Duo waren wir nie gemacht.

Und nun stehst du vor mir, just aus dem strömenden Regen im Warmen angekommen, und ich sehe, wie das Wasser an dir abperlt. Wie oft sind wir genau so auf Sylt gestrandet?! Durch Wind und Wetter gelaufen, von Kampen bis nach Westerland und zurück – wer sich unterstellt, hat verloren.

Wie könnte es mir da leichtfallen, hier nun einen Schlussstrich zu ziehen?! Zu viele Erinnerungen hängen an unserer Zeit. Ich weiß noch, als wir in den ersten Tagen zusammen im Kino waren. Es lief „Eat Pray Love“ mit Julia Roberts. Ich hab’ mich den gesamten, gähnend langweiligen Film über unwohl gefühlt. Ich dachte, es passt einfach nicht. Hätte ich damals zu früh aufgegeben, ständest du jetzt nicht vor mir, hätten wir die vergangenen 12 Jahre ohne einander verbracht. Ob es besser so gewesen wäre? Wer weiß das schon?! Sei ehrlich, wir haben die Zeit und das Leben ganz schön genossen, wenn wir zusammen auf Tour waren! Weißt du noch, als wir – wie kleine Kinder – über den Parkplatz Richtung Dünen und Rotes Kliff gerannt sind – einfach nur ans Meer?!

„Ich hab’s dir bislang nicht gesagt, aber ich hab’ mich nie zuvor so frei gefühlt wie in den Momenten, in denen wir zusammen waren.“Heiko Bosse

Und bei all dem Spaß haben wir nie vergessen, was wirklich zählt. Wir waren füreinander da, wenn der andere es am nötigsten hatte. Ich habe dich gepflegt, wenn du matt und am Boden warst. Und du hast im Gegenzug keinen Weg gescheut, wenn ich etwas aus der Apotheke – oder ein Schokocroissant – brauchte.

Uns konnte niemand etwas anhaben. Dabei hatten wir durchaus mit Widerständen zu kämpfen. Nicht jeder in meinem Umfeld mochte dich von Anfang an, ich weiß. Du wärst versnobbt, sagten die einen. Würdest nie im Binnenland zu Hause sein, die anderen. Ich dagegen würde dich ausnutzen, du mich gleichzeitig einengen. Ich hab’s dir bislang nicht gesagt, aber ich hab’ mich nie zuvor so frei gefühlt wie in den Momenten, in denen wir zusammen waren.

Und doch ist die Zeit nicht spurlos an uns vorübergegangen. Wir haben uns verändert. Ich gehe nicht mehr ins Kino und renne nicht mehr über Parkplätze am Meer. Du, mit Verlaub, bist dünnhäutig geworden. Spröde, sagt mancher. Und ich will ehrlich sein: Ich habe mich in den letzten Wochen umgesehen – nach Ersatz. Mein Gott, wie das klingt..!

Aber jetzt, wo der Moment gekommen ist und ich den Schlussstrich ziehen müsste, bringe ich es nicht übers Herz. Ich kann es nicht. Noch nicht. Vielleicht schaffen wir noch dieses Jahr. Lass uns im Sommer durch Rapsfelder laufen, … mein geliebtes Paar Segelschuhe!


Zur Person:

  • Heiko Bosse ist Mitglied der Chefredaktion der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an: redaktion@om-medien.de

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