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Das wird man sich doch noch wünschen dürfen

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Dieser Wunschzettel zu Weihnachten ist bescheiden. Schließlich soll nur alles so bleiben, wie es ist.

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Liebes Christkind,

ich wünsche mir, dass alles so bleibt wie es ist. Nur besser, also moderner und schöner soll es werden. Ich wünsche mir, dass Vechta eine tolle Einkaufsstadt bleibt, und daher möchte ich gerne einen neuen Marktplatz haben. Der soll richtig hübsch werden und mit viel Einzelhandel, am besten mit einem Modekaufhaus, vielleicht auch Saturn oder was immer du von den Sternen holen kannst. Vielleicht schließt du dann im gleichen Atemzug sämtliche Online-Shops dieser Welt. 

Für jeden Innenstadt-Besucher soll es einen Parkplatz geben (aber bitte in SUV-Größe), Ladesäulen für die Öko-Karren dürfen meinetwegen auch dabei sein. Dann kannst du auch bitte, bitte unsere Große Straße wieder groß machen, damit da nicht immer so viel Stau ist. Und damit die Stadt doch noch klimaneutral wird, wünsche ich mir als Kompensationsmaßnahme, dass wir den Kreis Diepholz bewalden und Fuchs und Hase sich dort im geeigneten Ambiente Gute Nacht sagen können. 

Ich wünsche mir, dass du in Lohne die Fußgängerzone wegmachst, damit ich endlich wieder vor die Läden fahren kann. Ich wünsche mir, dass im ganzen Landkreis Vechta keine Bäume mehr im Weg stehen, zum Beispiel an unseren Industriestraßen – sonst hießen sie ja Waldwege. Gerne dürfen auch ganze Waldstückchen weg, damit die Wirtschaft floriert. Die Bäume können die Gemeinden ja lukrativ als Kaminholz verkaufen und damit das Stadtsäckel weiter füllen. Ist auch gut fürs Klima, nachwachsende Rohstoffe zu verbrennen. CO₂-Kompensation? Siehe den künftigen Urwald DH.

Für mich persönlich wünsche ich mir einen neuen Vorgarten, bei dem ich nie wieder Unkraut zwischen dem Schotter zupfen muss. Ein Verbot von Pflanzen generell in Gärten könnte helfen, damit nicht die ganzen Samen zu mir hinüberwehen und das Gesamtkunstwerk zerstören. Dazu wird es Zeit, dass die Städte und Gemeinden diese neue Satzung strikt kontrollieren. 

"Ein riesiges Wolkenkuckucksheim mit Verbrennungsmotor und Atomstrom."Stefan Freiwald

Ich kann dir auch sagen, was ich mir nicht wünsche, liebes Christkind. Ich möchte keine Radschnellwege, neue Bahntrassen und Busverbindungen zwischen unseren Städten und Gemeinden. Wozu auch? Wir haben doch jeder ein Auto. Was ich auch nicht gebrauchen kann, sind Windräder in meiner Nachbarschaft, genauso wie Stromtrassen, die zwar nötig sind, aber in meine schöne naturbelassene Gegend nun wirklich nicht reinpassen. Die kannst du gerne woanders hinsetzen. Du weißt schon, wo. 

Liebes Christkind, ich weiß, das sind viele Wünsche auf einmal. Es ist ein riesiges, teures Wolkenkuckucksheim mit Verbrennungsmotor und Atomstrom, was auf meinem Wunschzettel steht. Aber es ist nachhaltig – für mich. 


Zur Person:

  • Stefan Freiwald (49) ist Redakteur bei OM-Medien und hat ein Büro für Journalismus, PR & Nachhaltigkeit in Vechta.
  • Er lebt mit seiner Familie in Oythe.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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