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Das war an Dreistigkeit nicht zu überbieten

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Ein Goldenstedter ist mehrfach ohne Führerschein unterwegs und lässt sich dabei von der Polizei erwischen. Dann gibt er auch noch eine falsche Identität an.

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Fahren ohne Fahrerlaubnis scheint ein Sport zu sein, der, so in diesem Fall, an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist. Ein 25-jähriger Goldenstedter schaffte es, von Februar bis Mai mindestens 4 Mal ohne Fahrerlaubnis zu fahren und sich dabei auch noch erwischen zu lassen. Das Strafgericht und auch der Anklagevertreter vermuteten sicher zu Recht, dass es nicht nur 4 Mal gewesen sei, aber nur die waren angeklagt. Eigentlich 5, aber dazu später.

Am 14. Februar 2021 um 11 Uhr wurde der Mann in Ellenstedt auf der Hagebuttenstraße von der Polizei kontrolliert. Der Fahrer hatte so gut wie keine Papiere und erklärte, er sei Kai Uwe D.. Um das zu klären, ließ die Polizei den Mann nach Hause fahren und fuhr hinterher. Die Frage an die Mutter des Angeklagten, ob das ihr Sohn Kai Uwe D. sei, beantwortete die Frau mit Ja.

Die Polizei beließ es dabei, aber nur kurz; denn bereits um 14.30 Uhr des selben Tages sah die Polizeistreife ihn mit dem selben Auto, das wohl seiner Schwester gehörte, auf der Arkeburger Straße. Der Goldenstedter Polizeibeamte, der vor Gericht als Zeuge aussagte, befasste sich in den sozialen Medien mit dem angegebenen Namen Kai Uwe D. und wurde fündig. Den gab/gibt es, sieht aber anders aus und wohnt auch in der Gegend. Noch mal die Mutter gefragt, und die gab dann auch zu, dass der Sohn so heißt wie sie.

Der Angeklagte gab sich wirklich wenig Mühe

Dann kam der 1. März, um 11.20 Uhr auf der Ravensberger Straße bei einer Fahrt zum Kreisamt, zur Straßenverkehrsabteilung, der Mitfahrer wollte dort ein Auto anmelden. Dort war auch die Polizei, und die kannte natürlich "Kai Uwe D.", der wirklich M.D. hieß. Schließlich der 5. Mai in Goldenstedt, wo die Polizei den Mann ohne Führerschein natürlich schon kannte: Bei der Volksbank erfolgte die übliche Kontrolle. Eine Fahrerlaubnis hatte er immer noch nicht, die hatte er ja schon im Juni 2018 verloren.

Und dann zum Kreishaus fahren, da brauchen die Mitarbeiter doch nur aus dem Fenster schauen, meinte die Strafrichterin. Dreister geht es doch nicht. Gut, der Angeklagte gab die Fahrten zu, was sollte er auch anderes machen. Allerdings die Fahrt auf der Arkeburger Straße, das sei sein Bruder gewesen, der sehe genau so aus wie er, meinte er. "Ich hatte ihn vor 3 Stunden gesehen und dann kam er mir auf der schmalen Straße entgegen", so der Polizeibeamte. Er sei sich ganz sicher, sein Kollege auch.

Der Staatsanwalt fordert eine Freiheitsstrafe

Richterin und Staatsanwalt glaubten das zwar auch, stellten den Fall aber ein, das "mache den Kohl auch nicht mehr fett", so die Strafrichterin. Und die Sache mit der Mutter, das sei für sie als nahe Angehörige auch nicht strafbar. Wie war der Mann zu bestrafen? Die Tatsache, dass er keine Fahrerlaubnis hatte, war klar. Er sei 2019 wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu 90 Tagessätzen zu je 10 Euro verurteilt worden, sagte das Vorstrafenregister.

Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 11 Monaten auf Bewährung, eine Geldauflage von 1000 Euro und eine Sperre für die Wiedererlangung einer Fahrerlaubnis von 2 Jahren. Die Strafrichterin beließ es bei 6 Monaten, den 1000 Euro und urteilte die Sperrfrist auf 9 Monate. Wenn er noch einmal erwischt werde, werde die Bewährung widerrufen und er wandere in den Knast, so der letzte Rat der Strafrichterin.


Zur Person

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de

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