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Das Sommerloch: Schnitzel bei Schmedes, Shoppen mit der CDU und ein Krankenhaus im Garten

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Jeden Sommer wird ein anderes Tier durchs mediale Dorf getrieben. Warum? Weil alles besser ist als die Langweile!

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Kaum eine Journalistin, kaum ein Journalist, die und der sich nicht davor fürchtet. Es ist groß, es ist lang und dunkel. Das Sommerloch. Wie kommen wir da durch? Albträume von weißen Zeitungs- und Internetseiten suchen eine ganze Zunft heim. Dieses Jahr könnte es besonders groß werden.

Da wäre der langweilige Kommunalwahlkampf. Übrigens, wussten Sie, dass die Kommunalwahlen am 12. September und die Bundestagswahl gar nicht am selben Tag, sondern 2 Wochen später, am 26., abgehalten wird? Ich wette, das wussten nicht mal alle meiner Journalisten-KollegInnen.

"Die SPD will, dass Vechta bis 2035 klimaneutral wird. Wie das gehen soll, ohne die Große Straße autofrei zu machen? Das ist auch so eine Denksportaufgabe für die großen Ferien."Stefan Freiwald

Bislang lernen wir auf Instagram, Facebook und anderen sozialen Müllhalden die Kandidatinnen und Kandidaten für die vielen Stadt- und Gemeinderäte kennen, ohne dass wir mit zu viel Inhalt belastet werden. Wir erfahren, wie die KandidatInnen heißen, wie alt sie sind, dass sie gerne der Gemeinschaft etwas zurückgeben möchten und ihre Hobbys: von Werder Bremen bis Rasta Vechta, von Kaninchenzucht bis Mit-meinem-süßen-Mops-Gassi-Gehen, von Schützenfest bis Auf-Stoppelmarkt-Schnitzel-essen-bei-Schmedes (ich dachte, der hat nur Kotelett). Vielleicht auch noch: „Ich setze mich für mehr Klimaschutz ein.“ Ist gerade in Mode. Tut auch keinem weh. Also die reine Aussage jetzt. Nach der Wahl schauen wir dann mal.

Die CDU bereichert immerhin das Shopping-Erlebnis in der Innenstadt. Die Partei hat sich in der Großen Straße in Vechta schick in einem Ladenlokal unterhalb einer Shisha-Bar sowas wie eine Kommandozentrale, einen Wahlshop, einen Think-Tank oder was auch immer eingerichtet, um den von Armin Laschet verordneten Schlafwagenwahlkampf umzusetzen.

Wer im CDU-Laden während der Ferien niemanden antrifft: Vielleicht hat sich das Funktionsteam einschließlich des Head of Campaign Managements zur kreativen Ideenfindung zurückgezogen, um zu überlegen, wie sich „mehr Klimaschutz sofort“ noch glaubhaft ins Wahlprogramm einbauen lässt – ohne Verbote selbstverständlich.  

Die SPD ist da schon weiter. Sie will, dass Vechta bis 2035 klimaneutral wird. Wie das gehen soll, ohne die Große Straße autofrei zu machen? Das ist auch so eine Denksportaufgabe für die großen Ferien.

Geben ist seliger denn Nehmen! 

Plötzlich platzt eine Bomben-Nachricht aus Hannover ins Sommerloch: Der millionenschwere Förderbescheid für ein neues Zentralklinikum ist da! Es gibt zwar nicht mal einen Standort, aber die  Südoldenburger sind pragmatisch, wenn es ums Verpulvern von Fördermitteln geht – und noch pragmatischer sind die Kirchenvertreter in Südoldenburg.

Weihbischof Wilfried Theising höchstpersönlich holt nach langen Exerzitien die Kuh vom Eis. Ursprünglich wollte er seinen riesigen Garten an der Kolpingstraße ja für den Neubau der Liebfrauenschule zur Verfügung stellen.  Aber die muss ja trotz redlichen Bemühens da bleiben, wo sie ist. Mit den Worten aus der Apostelgeschichte: „Geben ist seliger denn Nehmen“, bietet der Bischof also nun der kircheneigenen Krankenhausstiftung  seine Grünflächen an.

Das Grundstück unseres obersten Hirten hat einen unschätzbaren Vorteil: Die Krankenhauskapelle nebst geistlichem Beistand sind schon da. Endlich denkt mal jemand nachhaltig und schafft Synergieeffekte. Über dem Eingang des neuen Zentralklinikums soll unbestätigten Gerüchten zufolge ein Schild mit einem Satz aus dem Matthäus-Evangelium prangen: "Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebt!"

Und dann ist es schon wieder vorbei, das Sommerloch. War doch  nicht so schlimm wie befürchtet, liebe KollegInnen.


Zur Person:

  • Stefan Freiwald (48) hat ein Büro für Journalismus, PR und Marketing in Vechta.
  • Er lebt mit seiner Familie in Oythe.

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